Als der Kellerbergverein 2010 zum ersten Mal zum "Stärk antrinken" aufrief, ging es dabei nicht um das Schaffen einer Möglichkeit, um sich unkontrolliert zu betrinken. Nein, ein uralter Brauch sollte wiederbelebt werden, der dazu diente, die Geister und Dämonen, welche in den Raunächten ihr Unwesen trieben, zu vertreiben. Sich zu stärken und zu wappnen gegen die Nackenschläge des Lebens also.

Traditionell findet das "Stärk antrinken" am 6. Januar statt, so auch in diesem Jahr auf dem Petersbecks-Keller am Kellerberg. Ein einziger Schlag genügte und das Bockbier floss aus dem mit Holz verkleideten Edeltstahlfass. Der Vorsitzende des Kellerbergvereins, Karsten Wiese, ließ es sich nicht nehmen, in seiner Ansprache vor der Kraft des diesjährigen Bieres zu warnen, welches mit 6,3 Prozent Alkoholgehalt wahrlich kein Leichtgewicht ist.

Die Braugruppe, bestehend aus Bernd Guthruf, Peter Ross, Martin Uebel und Andi Koitsch hatte wirklich ganze Arbeit geleistet, beim Brauen der 150 Liter Bockbier. Benötigt wurden dafür 220 Gramm Hopfen, 100 Gramm Dolden, 30 Kilogramm vor Ort geschroteter Malz sowie 600 Liter Wasser, von welchen 200 Liter allein auf die Herstellung des Bieres selbst entfielen.

Nach zwei Probeläufen wurde heuer das erste Mal direkt in der Museumsbrauerei gebraut, welche erst im September 2018 eingeweiht worden war. Gebraut wird in echter Handarbeit, wie Wiese berichtet. Einen Tag dauert die Herstellung des Bockbieres - doch trinken kann man es danach noch nicht. Rund sechs Monate muss es lagern, um den Geschmack zu erhalten, den es heute hat.

Auch wenn das Wetter mehr zum Lümmeln auf dem Sofa einlud, fand sich doch kurz nach dem Anstich kaum mehr ein Platz im Kellerhäuschen oder im Pavillon davor. Die Gäste hatten die Wahl zwischen dem Starkbier und einem schwächeren Kellerbier. Für die Grundlage wurden Blaue Zipfel, Schmalzbrote und Brezeln angeboten.

Laut Überlieferung soll ja ein Seidel für jeden Monat getrunken werden, um für jeden Monat die nötige Kraft zu erhalten - doch dies sollte man angesichts der Stärke des Getränkes wohl besser lassen und sich stattdessen die angetrunkene Kraft übers Jahr einteilen.

Dass das "Stärk antrinken" nicht nur Einheimische anlockt, zeigt sich bei einer Runde durch die Gäste. Isolde Geschka und Roland Fein sind zum zweiten Mal dabei und auch dieses Jahr extra aus Fürth hergefahren. Weiter als bis zum März sind sie letztes Jahr nicht gekommen und auch heuer wird nach drei Seidla Schluss sein. Dasselbe gilt für Maria, Robert und Laura Meister aus Hemhofen. Christian Michel aus Leipzig hat auch schon mal den Mai geschafft. Seit 2010 kein einziges "Stärk antrinken" ausgelassen haben Gerda und Peter Haag sowie Susanne Hocke aus Höchstadt und Ulrike Gittelbauer aus Lonnerstadt.