Es war vor drei Jahren, als die Stadtjugendkapelle vorübergehend in unruhige Zeiten geriet. Damals trat der Präsident Matthias Mühlhäußer, nebst zwei Gefolgsleuten, plötzlich zurück, nicht mal ein halbes Jahr nach seiner Wahl. Für den Verein kam das derart überraschend, dass man sich davon erst mal erholen musste. "Präsident verzweifelt gesucht" hätte man die Lage wohl überschreiben können. Für die Entscheidung der drei wurden persönliche Gründe angegeben.

Im Oktober 2014 gab es dann eine Sonderversammlung, die mit rund hundert Anwesenden ein großes Mitgliederinteresse fand, so groß wie seit Jahren nicht mehr, wie der FT berichtete. Die Krise wurde abgewendet, der bisherige Schriftführer Werner Meschede sprang ein und übernahm den Vorsitz. Für das gesamte Präsidium fanden sich Bewerber. Also konnte die Planung des 50-jährigen Bestehens 2015 angegangen werden.

Jetzt sind zweieinhalb Jahre ins Land gezogen, es steht wieder eine Neuwahl an. Und der Verein (rund 800 Mitglieder) ist erneut auf der Suche. Denn Meschede kandidiert nicht mehr. Wieder heißt es: "Präsident gesucht". Wenngleich man auf das Attribut "verzweifelt" vorerst wohl verzichten kann.

"Es hat keinerlei Knatsch gegeben", sagt Meschede auf Anfrage des FT. Und führt zur Begründung aus: "Ich habe damals schon gesagt, ich mache es für drei Jahre". Es sei schon 2014 sehr anstrengend gewesen, das Amt mit Beruf und Familie zeitlich zu vereinbaren. "Daran hat sich nichts geändert", sagt der 55-Jährige, der in der IT-Branche tätig ist und für Rechenzentren arbeitet. Für seinen Beruf "braucht man ein bisschen Zeit", erklärt er. "Und nebenbei hab ich auch noch Hobbys und Familie." Meschede ist verheiratet und hat zwei Kinder in Ausbildung beziehungsweise Studium. Da wird der Papa noch gebraucht. Das Amt des Präsidenten kriege er nicht mehr hin, "in der Form, in der ich mir das vorstelle."

Einen Nachfolger gebe es noch nicht, sagt der scheidende Präsident. Die Wahlen sind bei der Jahreshauptversammlung am 31. März. In einem Infobrief hat er die Mitglieder jetzt darauf vorbereitet. Meschede wirbt für dieses Amt. "Die Mitarbeit im Präsidium bietet vielfältige Möglichkeiten, aktiv am Geschehen der Stadtjugendkapelle mitzuwirken und sie zu gestalten", schreibt er. Und fordert auf: "Möchten Sie sich im Präsidium engagieren, oder kennen Sie jemanden, den Sie für geeignet halten?"

Auch Bürgermeister German Hacker (SPD) habe er schon informiert. Auch der wolle seine Fühler ausstrecken.
Natürlich sei er nicht aus der Welt, ergänzt Meschede. Er werde seinen Nachfolger auch unterstützen. Nur im Präsidium wolle er nicht mehr tätig sein. "Das ist ein Team, und das soll es bleiben."


Hauptamtliche Kraft ?

Besetzt werden müssen bei der Versammlung auch die Posten des Pressewarts - Katharina Ruppert studiert Medizin und hat ebenso kaum mehr Zeit - und des zweiten Kassiers.

Möglicherweise finden jetzt auch wieder Überlegungen Nahrung, das ehrenamtlich tätige Präsidium durch eine hauptamtliche Kraft zu entlasten. Ähnlich wie es die Turnerschaft macht. Bisher sei das aus finanziellen Gründen nicht weiter verfolgt worden, sagt der Präsident. "Das muss man sich in Ruhe überlegen und kann man nicht mal so auf die Schnelle machen."

In der Wahlversammlung 2014 hatte Bürgermeister Hacker schon darauf verwiesen, dass vergleichbar große Vereine oder Institutionen mit Hilfe hauptamtlicher Kräfte die Ehrenämter deutlich entlasten. Das sei ein Modell, das gut durchdacht werden müsse und auch der Stadtjugendkapelle helfen könnte, wenn nicht genügend Unterstützung von den Mitgliedern komme, hieß es in einer Pressemitteilung des Vereins.