Für die Region und das kleine Herzogenaurach bedeutete das zunächst wie überall in Europa um 1816/17 und 1847/48 Hungersnöte und vielfache Armut und dann vor allem den Wandel von der Tuchmacherstadt hin zur Schlappenschusterstadt sowie einen Bevölkerungsanstieg von 1383 Einwohnern im Jahr 1813 auf fast das Doppelte bis Ende des Jahrhunderts. Das wiederum hieß: Innerhalb der alten Stadtmauer mussten die Menschen enger zusammenrücken, und gleichzeitig wurden nun außerhalb der Mauer neue Wohnflächen genutzt. Es entstand im Osten die "Vorstadt" in Richtung Friedhof mit dem größten Bauvorhaben ab 1899, dem Liebfrauenhaus, und auch im Westen in der "Kalchgrubn" (heutige Würzburger Straße) wurde gebaut.

Rund um den Rahmberg

Im Gegensatz zu den "großen Bauern" bzw.
den angesehenen Handwerkern, denen die zwölf großen Anwesen zwischen den Stadttürmen in der südlichen Hauptstraße und größere Höfe in der Hinteren Gasse gehörten, wohnten die meisten der "kleinen Leute" vornehmlich am "unteren und am oberen Rahmberg", also zwischen dem heutigen Schweinehirtenturm und dem Rahmbergturm am Wiwa-Weiher.
Der Stadtrundgang führte die Besucher in den östlichen und nördlichen Teil der Altstadt, entlang an den Mauerresten der äußeren Stadtbefestigung bis hin zum Wiwa-Weiher und zum Hirtengraben. Sie erfuhren, dass Herzogenaurach eigentlich eine Ackerbürgerstadt war, das bedeutete, dass bis auf wenige Ausnahmen die meisten Herzogenauracher im heutigen Sprachgebrauch "Nebenerwerbslandwirte" waren und die meisten einem handwerklichen Beruf nachgingen. Kurz nach der "Eingemeindung" durch die bayerische Krone lebten in Herzogenaurach (um 1811/12) etwa 30 Tuchmacher, zwölf Leinenweber und acht Zeugmacher und daneben die Handwerker, wie man sie einer Kleinstadt überall fand: Büttner und Drechsler, Gerber und Sattler, Schlosser und Schmiede und nicht zu vergessen zwölf Bäcker und immerhin sieben Metzger.
Vorbei an den ehemaligen Weberhäusern am oberen Rahmberg führte der Weg schließlich in die Innenstadt, wo man allein schon an der Bausubstanz in der Hinteren Gasse, am Schlossgraben und schließlich in der Hauptstraße die Besitzverhältnisse ausmachen konnte. In Herzogenaurachs ältestem Bürgerhaus im Steinweg 5 konnten die Teilnehmer nachvollziehen, dass man einst in einem "Zwei-Zimmer-Haus" wohnte: im Erdgeschoss Küche, Wohnraum und oftmals eine Werkstatt und im Obergeschoss, von außen erreichbar, der gemeinsame Schlafraum für die ganze Familie.
Mit einem "standesgemäßen Essen der kleinen Leute", einem deftigen Gemüseeintopf in der Gaststätte "Kreis'l", fand der Stadtrundgang seinen Abschluss.