Verkehrsplaner in Deutschland haben einen harten Job. Weil ihnen in der Regel schon beim angedachten Ausbau von Straßen oder neuen Schienentrassen grundsätzlich jede Menge Prügel zwischen die Beine geworfen werden. Gestern trafen sich einige Verkehrsexperten in Nürnberg zu einem interessanten Hintergrundgespräch mit der Presse.

Bei dem Projekt, über das räsoniert wurde, handelt es sich um die sogenannte Stadt-Umland-Bahn, angedacht zwischen den Städten Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach. Wobei die Idee schon über 20 Jahre alt ist. Eine von der Kommunalpolitik in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie kam damals zu dem Ergebnis, dass das Projekt auch wirtschaftlich durchaus sinnvoll wäre. Das war's aber auch schon.

Die Pläne verschwanden zunächst einmal für zehn Jahre in der Schublade.
Als man zu Beginn des neuen Jahrtausends über eine eigene Schienenverbindung zwischen Nürnberg und Erlangen nachdachte - was sich als wenig sinnvoll herausstellte - erinnerte man sich wieder an die Stadt-Umland-Bahn. Und beauftragte die Firma Intraplan mit der erneuten Überprüfung der Machbarkeit, und Fördermöglichkeiten. Technisch sei alles kein Problem, so der Befund des zuständigen Planers Martin Arnold. Angesichts eines Kosten-Nutzenfaktors von über 1,0 sei die Bahn auch förderfähig. Aber: Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, aus dem sich die Förderung durch den Bund speist, läuft im Jahr 2019 aus.

Für die Bahnplaner deshalb ein Problem, weil das Projekt bis 2019 nicht zu realisieren ist. Man stehe ganz am Anfang, so Arnold. Habe in einem aus neun Phasen bestehenden stufenweisen Vorgehen noch nicht einmal Phase 2 erreicht. Das heißt, über technische Vorplanungen, standardisierte Bewertungen und Fragen der Rentabilität ist man noch gar nicht hinausgekommen. Eine Entwurfsplanung, die Genehmigungsplanung, die Ausführungsplanung, alles fehlt noch. Ganz zu schweigen von der eigentlichen Bauphase.

Immerhin weiß man schon, dass bis zum Jahr 2020 und der bis dahin möglichen Fertigstellung Gesamtkosten in Höhe von 407 Millionen Euro entstehen würden. Voraussichtlich. Alles pure Kostenschätzung auf der Basis von Einheitswerten.

Die Experten sind dennoch zuversichtlich. Nach einer Stellungnahme der Regierung von Mittelfranken zu ersten Planungen ist eine Arbeitsgruppe von Fachleuten gerade dabei, 20 mögliche Problemstellen der geplanten Trasse genauer zu untersuchen. Dirk Domhardt, Verkehrsplaner beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, geht jedenfalls davon aus, dass die bislang abgegebenen Kostenschätzungen realistisch sind.

Das alles würde jedoch nicht weiterhelfen, blieben die Zuschüsse des Bundes ab 2019 aus. Walter Lindl (ZVGN) brachte es auf den Punkt. Bis zum Jahr 2019 könnten wohl bestenfalls die fünf Planungsphasen abgeschlossen sein. Die hierfür veranschlagten 40 Millionen Euro an Planungskosten könnten dann vom Bund gefördert werden. Die weitaus höheren Kosten für die eigentliche Bauphase müssten sich dann die beteiligten Kommunen, die Städte Nürnberg und Erlangen sowie der Landkreis Erlangen-Höchstadt, teilen. Nicht eben realistische, befand auch die Expertengruppe. Weshalb es einfach weitergehen müsse mit der Gemeindeverkehrsfinanzierung. Auch nach dem Jahr 2019.

Aber: Im Grundgesetz steht es anders. Da heißt es klipp und klar: 2019 ist Schluss.