Beim 27:22 gegen die DJK Rimpar hatten die Handball-Frauen der TS Herzogenaurach mehr Mühe als das Ergebnis aussagt. Mit den erkämpften zwei Zählern geht der Spitzenreiter der Bayernliga mit ordentlich "Winterspeck" in die fünfwöchige Pause.


TS Herzogenaurach - SG DJK Rimpar 27:22

Es war die erwartet zähe und enge Begegnung mit einem Gegner, der mit seiner rustikalen Abwehr sowie einer guten Torhüterin wenig Interesse daran zeigte, bei den rund 200 Zuschauern Handballwerbung zu betreiben - was man der DJK nicht verdenken kann. Mit nur zwei Wechselspielerinnen angereist, wollte Rimpar in erster Linie dem Tempospiel der Gastgeberinnen Paroli bieten. Dies gelang den Unterfranken bis zur 52. Minute beim Stand von 22:19 bemerkenswert einfach. Erst dann mussten sie ihrem unnachgiebigem Einsatz Tribut zollen, die Mannschaft von Trainer Hans-Jürgen Kästl setzte sich etwas ab.

Es war wohl einer Mischung aus ungewollter Favoritenrolle und dem Willen, dieser gerecht zu werden, geschuldet, dass sich die TSH nach längerer Zeit wieder mit vielen technischen Fehlern das Leben selbst schwer machte. Die Sportler-Weisheit, wonach man immer nur so gut spielt, wie es der Gegner zulässt, traf nicht zu. Stattdessen verkrampften die Gastgeberinnen vom Anpfiff weg und fanden ihren Spielfluss nie wirklich. Während die TSH zuletzt nach zehn Minuten meist sieben oder acht erzielt hatte, dauerte es diesmal fünf Zeigerumdrehungen, ehe Saskia Probst der erste Treffer zum 1:1 gelang.

Dies lässt erkennen, dass die Gäste ebenfalls wenig Zählbares zustande brachten, auch weil Torfrau Martina Ebersberger in der Anfangsphase fünf Glanztaten ablieferte. Dass ihr Team in der 17. Minute dennoch mit 6:8 im Rückstand lag, zeigt, wie schwer sich die Kontrahenten taten, das Runde ins Eckige zu bringen. Immerhin schaffte Ebersberger mit grandiosen Pässen die Voraussetzung, dass die Turnerschaft auch ohne großen Zauber zu Treffern kam. Zauberhaft waren allein ihre zentimetergenauen Zuspiele über das ganze Feld, mit denen sie auch nach der Pause mehrfach glänzte.

Die SG zeigte sich davon zunächst kaum beeindruckt und lag bis zum 8:6 ständig in Front. Aus dem Positionsspiel gelangen der TSH nicht jene Durchbrüche oder Distanzwürfe wie zuletzt, ihre zu häufigen Lauf- und Ballbewegungen im Rückraum brachten keinen Erfolg. Die Rimparer Abwehr blieb einfach am eigenen Kreis stehen und schob lediglich zur Ballseite. Dazu hatten die Gäste ebenfalls eine zuverlässige Torhüterin.


Die TSH liegt erstmals in Führung

Erst sieben Minuten vor dem Halbzeitpfiff lagen die Auracherinnen erstmals vorne (9:8), doch bei den Unterfränkinnen entwickelte die ehemalige Zweitliga-Spielerin Wenke zunehmend Torgefahr. Kästl reagierte und ließ die großgewachsene Torjägerin in Pressdeckung nehmen, was die DJK zumindest bis zur Pause verunsicherte.

In der zweiten Hälfte blieb die Begegnung lange spannend, der Tabellenführer bekam unverändert das athletische Aufbäumen der SG zu spüren. Vor allem Knorz und Scheller nutzten mit enormem Körpereinsatz die größeren Lücken in der TS-Abwehr, so lange die Kraft reichte. In der Endphase zeigte sich, wie wertvoll der große Kästl-Kader ist: Insbesondere Sarah Stephan und Tanja Küffner stzten sich nicht zuletzt dank der Zuspiele ihrer Torfrau immer besser durch. Auch Routinier Lena Mergner am Kreis wurde in dieser Phase zu einer "Waffe", die das komplexe Deckungsgefüge der Gegnerinnen mehrfach in Verlegenheit brachte. Zudem näherte sich Stefanie Mittasch ihrer starken Form der vergangenen Saison.

Mit dem 27:20 in der 58. Minute gaben sich die Gastgeberinnen zufrieden, so dass Rimpar etwas Ergebniskosmetik betreiben konnte. Fazit: Wer solche Spiele verdient gewinnt, der steht ohne Frage zurecht ganz oben, auch wenn zu spüren war, dass die Herzogenauracherinnen die anstehende Pause gut vertragen können.

Kästl, der speziell Stephan und Küffner hervorhob, sagte: "Das war ein klassischer Arbeitssieg in einer kämpferisch von beiden Teams überzeugenden Begegnung. Mit unserer Abwehr war ich im wesentlichen zufrieden, offensiv aber konnten wir erst nach der Pause zulegen. Es war wichtig, Wenke, die für diese Liga eigentlich zu stark ist, halbwegs in den Griff zu kriegen."
TSH: Ebersberger, Bernhardt - Kräck (1), Mittelheisser, Stephan (6), Wedrich (6/2), Bestle (3), Mittasch (3), Probst (2), Mergner (1), Merz (2), Küffner (3)