Ohne eine einzige Auswechselspielerin haben die Handballfrauen der TS Herzogenaurach ihre Bayernliga-Begegnung gewonnen. Rund 200 Zuschauer sahen eine gegen Nürnberg über sich hinauswachsende Mannschaft.


TS Herzogenaurach - 1. FC Nürnberg 29:22

Dass es in der Gymnasiumhalle seit langem wieder eine echte Handballatmosphäre gab, lag vor allem an den stimmgewaltigen Gästefans. Doch auch die zahlreichen TS-Anhänger ließen sich diesmal nicht lumpen und so wurde ihr personell extrem gebeuteltes Team von den Rängen getragen. Nach zwei Heimpunkten sah es anfangs absolut nicht aus, Nürnbergs überragende Spielerin Kitza erzielte mit den längst bekannten Unterarmwürfen Tor um Tor oder schaffte Räume für die Nebenleute.


Dodan von Freiheit überrascht

Auf der anderen Seite überraschte der "Club" seinen Gegner mit einer 5:1-Abwehr und verzichtete völlig auf eine Pressdeckung gegen Alexa Dodan. Diese war zunächst so irritiert, dass sie mit der Freiheit nicht recht etwas anzufangen wusste.

Da auch Viktoria Egle länger als sonst brauchte, um ins Netz des Nürnberger Gehäuses zu treffen, kam zunächst wenig Gefahr aus dem Rückraum. Die Gäste zogen locker auf 6:3 davon und unter dem Gesichtspunkt, dass die TSH kaum 60 Minuten Vollgas geben können würde, sahen nicht wenige Zuschauer die Felle für das Hermannstädter-Team davon schwimmen.

Immerhin wurden die Außen wieder besser eingebunden. Die 16-jährige Saskia Probst verstand es, mit enormem Tordrang immer wieder überlegt abzuschließen, oder aber mit Tempogegenstößen den Gegner zu entmutigen. Dabei hatte sie nur vier Stunden zuvor 50 Minuten für ihre Regensburger Jugendmannschaft gespielt. Dass sie nebenbei mit bemerkenswerter Gelassenheit die Strafwürfe ausführte, zeigt, welches Juwel die Turnerschaft erworben hat.

Sieben Treffer aus dem Spiel sowie sieben Strafwürfe ohne Fehlversuch lautete ihre Bilanz. Dazu brachte sie ihre Teamkolleginnen regelmäßig in Position. Dank ihrer Treffsicherheit und einer Pressdeckung gegen Kitza arbeitete sich die TSH langsam an den "Club" heran, ging in der 21. Minute erstmals in Front (10:9) und sorgte bis zur Pause auch atmosphärisch für ein leichtes Übergewicht.

Zeitstrafen für beide Teams

Nach dem Wechsel dezimierten sich die sympathisch auftretenden Gäste mit Zwei-Minuten-Strafen häufig selbst. Die Gastgeberinnen wussten das erstaunlich konsequent zu nutzen, bis sie ebenfalls Zeitstrafen kassierten. Das Hermannstädter-Team kam damit aber besser zurecht, zog über 20:14 (38.) auf 26:16 (50.) uneinholbar davon und überzeugte mit sehenswerten Spielzügen.

Jetzt war auch Linksaußen Janka Kräck von allen Positionen brandgefährlich. Als Dodan die zweite Zeitstrafe bekam und dies reklamierte, sah sie die Rote Karte (51.), die TSH musste also selbst nach Ablauf der zwei Minuten zu sechst weiterspielen. Dass der "Club" nun Oberwasser bekam, war nicht verwunderlich. Nachdem Udo Hermannstädter die zweite Torfrau Nina Aures zur Feldspielerin umfunktioniert hatte, herrschte zumindest personell wieder Gleichstand, die Gäste konnten allerdings nocht etwas Ergebniskosmetik betreiben.

Dennoch hat man nach einem Frauenhandballspiel in Herzogenaurach selten eine solche Zustimmung auf den Rängen erlebt, und auch der Trainer war begeistert: "Wir wollten zuerst mit der Brechstange zum Erfolg, aber als wir begannen, Handball zu spielen, konnte es nicht besser laufen. Großes Kompliment an diese tolle Truppe, aber auch an unsere Fans."