Es ist gerade zwei Monate her, dass die Oberliga-Handballfrauen der TS Herzogenaurach ihre bislang beste Saison im bayerischen Oberhaus auf dem vierten Platz abschlossen. Niemand im Umfeld hatte damit rechnen können. Doch mit geschlossenen Mannschaftsleistungen sowie der individuellen Klasse Einzelner, die vom kompetenten Training Udo Hermannstädters profitierten, wurden vielfach Berge versetzt.

Personeller Aderlass

Und nun das: Schon vor Monaten kündigten die TS-Eigengewächse Andrea Berner und Christina Wölfel ihr Karriere-Ende an, zwei Leistungsträgerinnen, die ganz beträchtlich zum Aufschwung beitrugen. Zwar hatten die Verantwortlichen ein wenig Zeit für entsprechende Planungen, Hermannstädter konnte in den Jahren zuvor dank seiner guten Kontakte und Bekanntheit stets personelle Verluste recht gut kompensieren.
Doch dieses Mal gingen zunächst alle Bemühungen ins Leere. Der Trainer nannte dafür die zunehmende Konkurrenz im Großraum Nürnberg mit vier Bayernligisten und drei Teams in der Landesklasse, wo die Rahmenbedingungen in der Regel etwas angemessener sind. Auch als Folge mangelnder Verstärkungen setzte nun ein Domino- Effekt ein, indem sich allein drei Kaderspielerinnen zum Wechsel zu TuSpo Bayreuth entschlossen, jener Dauerrivale, welcher heuer in die Regionalliga aufgestiegen ist und dessen aus Erlangen stammender Trainer Tom Hankel schon länger die Kontakte zum TS-Team warm hielt.

So folgten seinem Werben nacheinander die bärenstarke Torfrau Martina Ebersberger, Rechtsaußen-Talent Tanja Küffner und Anfang dieser Woche auch noch die alles überragende Kreisläuferin Lena Mergner. Gerade sie hatte bis zuletzt gehofft, dass man es bei der TSH schaffen würde, auch zukünftig eine konkurrenzfähige Mannschaft an den Start zu schicken. Mergner ist für die TSH nicht nur sportlich kaum zu ersetzen, sondern in hohem Maße auch im menschlichen Bereich ein großer Verlust.

Nachdem auch eine im Frühjahr angedachte Zusammenarbeit mit dem aufstrebenden Landesligisten Cadolzburg am Veto der Cadolzburger Spielerinnen scheiterte, stand man Anfang dieser Woche quasi vor dem Aus.

Ein Schritt vor dem Abgrund

Die Frage, ob man das Team aus der Oberliga zurückziehen werde, wollten Abteilungsleiterin Christine Odemer und Coach Hermannstädter von den Eindrücken eines Trainings am Mittwoch abhängig machen, wo sich drei denkbare Neuzugänge eingefunden hatten. Was da bei einem kleinen Trainingsspiel zu erahnen war, machte nicht nur den beiden Verantwortlichen neue Hoffnung. Auch der treue Kern der letzten Saison mit Vicky Egle, Luisa Frank, Janka Kräck und Sarah Stephan schöpfte neue Hoffnungen, dass es konkurrenzfähig weiter gehen könne. Ob nun eine aus der Region stammende 17-jährige Jugendnationalspielerin oder auch eine 19-jährige Allrounderin, die derzeit mit Luisa Frank die Polizeischule besucht und schon Oberligaerfahrung mitbringt; beide geben durchaus zu sportlicher Zuversicht Anlass.

Und dann ist da noch eine 32- jährige Rumänin, die in ihrer Heimat sowohl in der 1. als auch in der 2. Liga aktiv war und als Linkshänderin im rechten Rückraum der TSH eine auf dieser Position bislang noch nie vorhandene Qualität einbringen dürfte. Dass dann auch noch die frühere Topspielerin Nadja Müller-Tegel, Mutter von drei Kindern, Bereitschaft zur Aushilfe signalisierte, und zudem die großartige Abwehrspezialistin Nina Bestle überlegt, die geplante Pause vom Leistungshandball zu verschieben, macht den Entscheidungsträgern zusätzlich neuen Mut.

Allein die Torwartfrage wäre im Falle der oben genannten Verpflichtungen noch zu lösen. Zwar signalisiert die 44-jährige, ehemalige deutsche Meisterin Ellen Mauritz ein neuerliches Aushelfen "so lange die Knochen halten", doch es wäre fatal, wenn man in 26 Pflichtspielen allein auf sie bauen müsste. Die zweite Torhüterin, Franziska Scheidler, ist beruflich stark angespannt und kann somit die nötige Trainingsintensität schwerlich aufbringen. Auf jeden Fall stehen nun einige organisatorische Aufgaben wie Job- und Wohnungssuche für die Linkshänderin aus Rumänien an. Eine offizielle Vollzugsmeldung gibt es noch nicht, die knifflige Lage scheint sich aber etwas zu entspannen.