Vermutlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgen die meisten Fans des Höchstadter EC, was ihre Mannschaft derzeit aufs Eis zaubert. Mit dem viertbesten Punkteschnitt aller Süd-Oberligisten übertreffen die Alligators alle Erwartungen, vor allem zuhause präsentiert sich der HEC in Play-off-Form.

Allein die Anhänger sind ausgeschlossen und können die Spiele nur am Bildschirm verfolgen - könnte man meinen. "Wir kriegen die Unterstützung mit, sie hilft uns sehr", sagt Verteidiger Felix Ribarik. Wie sehr, das wollen die Alligators am heutigen Freitag (20 Uhr, Sprade TV) gegen den EC Peiting zeigen.

Eishockey-Oberliga Süd

Höchstadter EC (5.) - EC Peiting (10.)

Es sind die Höchstadter Festspielwochen in der Oberliga Süd . Ob Regensburg, Deggendorf, Passau oder zuletzt der SC Riessersee: Sie alle kamen mit Ambitionen in den Aischgrund, fuhren aber mit leeren Händen nach Hause. 40 Punkte hat der HEC in 23 Partien gesammelt, 1,74 Zähler pro Partie stehen zu Buche. Nach aktueller Berechnungsgrundlage des Deutschen Eishockey-Bunds ( DEB ) reicht das sogar für Tabellenplatz vier - Zahlen, die kaum jemand den Alligators vor der Saison zugetraut hätte.

"Wir sind stolz darauf, wie wir uns momentan präsentieren. Unser Zusammenspiel ist sehr gut, was auch daran liegt, dass wir uns abseits der Eishalle gut verstehen", erklärt Ribarik, der das intakte Binnenleben besonders schätzt: "Wenn mich ein Mitspieler fragen würde, ob ich mit ihm ein Bier trinken will, würde ich bei jedem einzelnen zusagen. Das ist im Mannschaftssport nicht selbstverständlich."

Die Fans sind ausgesperrt und trotzdem präsent

Von ihrer furios spielenden Mannschaft würden sich die Fans der Alligators am liebsten selbst ein Bild machen. Wegen der Corona-Pandemie ist das aber nicht möglich, die Ränge der "Grünen Hölle" sind leer. "Leider Gottes dürfen die Fans nicht ins Stadion. Das ist unheimlich schade, trotzdem spüren wir ihre Unterstützung. Wir kriegen mit, wie die Fans unsere Leistungen bewerten", sagt Ribarik.

Denn die Spieler verfolgen laut Ribarik, was in den sozialen Medien geschrieben wird. Sie sähen die Banner im Eisstadion , sie bekämen mit, wie glücklich die Anhänger ob der sportlichen Leistungen sind, erklärt Ribarik. "Und wir freuen uns darüber, es pusht und motiviert uns."

Mit der Rückendeckung von außen, aber auch dem Selbstvertrauen der vergangenen Wochen will Höchstadt seine Erfolgsserie gegen den EC Peiting fortsetzen.

Die Peitinger Achterbahnfahrt in der Oberliga Süd

Der Gast aus Oberbayern durchlebt eine recht kuriose Saison: Aufgrund zweier Corona-Zwangspausen absolvierte Peiting erst 19 Saisonspiele, das letzte am Mittwoch. Gegen den Deggendorfer SC um Dreifach-Torschützen Thomas Greilinger unterlag der ECP mit 3:7. Dabei spielte Peiting gut mit, vergab vorne aber seine Gelegenheiten und leistete sich in der Abwehr viele Fehler. Da half es auch nicht, dass Goalie Elias Fischbacher in seinem ersten Spiel von Anfang an durchaus überzeugte.

1,42 Punkte pro Spiel (Platz acht) holte Peiting bisher, ist mit 27 Zählern aber nur Zehnter. Dass mehr möglich ist, bewies das Team am vergangenen Sonntag. Beim SC Riessersee setzten sich der ECP mit 3:1 durch - ein völlig gegensätzliches Spiel zu dem am Freitag vor einer Woche, als Peiting in einer wilden Partie gegen Weiden mit 8:9 nach Verlängerung verlor.

Das Peitinger Potenzial, das Hand in Hand mit der Inkonstanz geht, bekamen die Alligators auch schon zu spüren: Anfang November verlor der HEC in Peiting mit 3:13 - die höchste Oberliga-Niederlage der Höchstadter Geschichte. Die Revanche folgte Mitte Dezember am Kieferndorfer Weg: Mit 3:0 gewannen die Alligators . "Das erste Spiel gegen die Peitinger war bitter. Sie haben uns damals auf dem falschen Fuß erwischt. Der Sieg per Shutout im Dezember war das, was wir auch diesmal aufs Eis bringen wollen", sagt Ribarik.

Special Teams stehen unter Beobachtung

Damit das klappt, brauchen die Alligators ihre Effizienz aus den vergangenen Spielen und müssen unnötige Zeitstrafen vermeiden. Denn die Stärke des EC Peiting ist in diesem Jahr das Überzahlspiel: 26,7 Prozent aller Powerplays münzen die Oberbayern in Tore um - kein Oberligist ist besser.

Gleichzeitig überstehen die Peitinger 86,2 Prozent ihrer Unterzahlsituation ohne Gegentor, nur die Selber Wölfe sind stärker. Mit der für gewöhnlich effizienten Peitinger Offensive um den niederländischen Kontingentspieler Nardo Nagtzaam und den Deutsch-Kanadier Ty Morris kommt auf die Alligators eine anspruchsvolle Aufgabe zu.

Unterschätzen darf Höchstadt den EC Peiting keinesfalls. Das gilt auch für den seit elf Partien sieglosen EV Füssen , bei dem die Alligators am Sonntag (17 Uhr, Sprade TV) antreten.