Das Ergebnis wurde zur Nebensache, als die Handballerinnen der TS Herzogenaurach am Samstag dem Tabellenführer der 3. Liga Süd, dem ESV Regensburg, gegenüberstanden. Eine Begegnung, die 30 Minuten lang von hohem Einsatz und beachtlichem Niveau geprägt war, geriet beim Stand von 17:17 (39.) zusehends außer Kontrolle. So etwas hat der Aufsteiger in den vergangenen zehn Jahren nicht erlebt.
Der Meisterschaftsfavorit tat sich offensichtlich immer schwerer, den eigentlichen Spielgedanken im Fokus zu behalten. Stattdessen brachten einige Regensburgerinnen eine Härte auf das Spielfeld, welche - so der erfahrene TSH-Coach Klaus Watzinger - die zunächst guten Schiedsrichter etwas überforderte.

Waren die Zeitstrafen (elf gegen den ESV, acht gegen die Gäste) meist noch nachvollziehbar, unterlief den Unparteiischen in der 54. Minute ein klarer Regelverstoß: Der ESV hatte wegen vier hintereinander ausgesprochenen Zwei-Minuten-Strafen nur noch zwei Feldspielerinnen plus Torfrau auf dem Feld, als Trainer Stefan von Frankenberg wegen permanent lautstarkem Reklamieren disqualifiziert wurde, Hier wäre laut Spielordnung automatisch eine weitere Feldspielerin des Gastgebers für zwei Minuten vom Platz zu stellen gewesen, doch die Schiedsrichter versäumten dies.

Grund genug für einen Protest. "Die Art und Weise, wie meine Spielerinnen zunehmend angegangen wurden, weckte meine Sorgfaltspflicht gegenüber meinem Team. Deshalb habe ich Protest eingelegt gegen den Regelverstoß, zu dem sich die Unparteiischen später auch mir gegenüber bekannten", berichtete Watzinger, der auch zwölf Stunden nach der Partie noch zornig war.
Wie der Vorgang ausgeht, ist ungewiss und dürfte einige Instanzen beschäftigen. Zudem kommen zunächst generell beachtliche Verfahrenskosten auf die TSH zu, doch muss solch ein Protest innerhalb einer bestimmten Frist eingereicht werden - und die wollte Watzinger bei der an sich klaren Rechtslage nicht verstreichen lassen.


ESV Regensburg - TS Herzogenaurach 31:25

Dabei hatten zahlreiche emotional mitgehende Zuschauer über 30 Minuten hinweg ein richtig gutes Handballspiel mit beiderseitig viel Vorwärtsdrang erlebt. Dass die Regensburgerin Rektorschik bereits in der ersten Minute eine Zeitstrafe bekam, lässt aber erahnen, dass richtig Feuer in der Partie war.
Auch fiel rasch auf, dass die rechte Flügelspielerin Negrutiu-Chirila, in der vergangenen Saison noch monatelang als Fitnesstrainerin für die TSH tätig, den Mut der Torfrau herausforderte, indem sie ihre Würfe immer wieder in Richtung Kopf abfeuerte. Während Martina Ebersberger irgendwann so genervt war, dass sie sich verbal zur Wehr setzte und dafür von den Schiedsrichtern disqualifiziert wurde, bekam Nachfolgerin Juliane Gerling unter anderem einen Volltreffer an den Kopf. So waren die zweiten 30 Minuten nur noch ein Festival an Zeitstrafen und unerfreulichen Attacken, wobei unter anderem Carole Mittelheisser blutend vom Platz musste und ausgerechnet Nina Bestle, immerhin vor zwei Jahren noch mitverantwortlich für den Klassenerhalt des ESV, mehrfach rüde an ihrem Bewegungsdrang gehindert wurde.


Mit Cleverness und Routine

"Natürlich war uns der ESV in Sachen Cleverness etwas überlegen und hatte mit der aktuell zum Kader der deutschen Nationalmannschaft gehörenden Franziska Peter die überragende Akteurin auf dem Platz. Dennoch haben wir lange auf Augenhöhe dagegen gehalten. Ich bin stolz auf meine Mädels, dass sie sich trotz der unschönen Ereignisse so disziplinieren konnten", sagte Watzinger später. Er vergaß auch nicht, die Leistungen von Jana Lichtscheidel, Sarah Stephan und Saskia Probst heraus zu stellen.
Es fiel auf, dass der ESV auf die bislang erfolgreiche 3-2-1-Abwehr verzichtete, die den gut vorbereiteten Gästen durchaus in die Karten gespielt hätte. Dass die Gastgeberinnen die in der Mitte recht stabile Gästeabwehr über Außenaktionen vermehrt in Verlegenheit brachten, spricht auch für ihre Routine in einer Begegnung, die leider ein paar unschöne Momente zu viel bot. Dies ist auch deswegen bedauerlich, weil sich die meisten Akteure untereinander über Jahre hinweg gut kennen.

TSH: Ebersberger, Gerling - Stephan (4), Egle (1), Wedrich (3), Bestle, Probst (3), Lichtscheidel (6/2), Zimmermann (1), Lang (3), Theobald, Mittelheisser, Küffner, Neumann (4)