Die Handballfrauen der TS Herzogenaurach sind wieder Spitzenreiter der Bayernliga. Im Spitzenspiel bezwang die Mannschaft von Trainer Hans-Jürgen Kästl den HSV Bergtheim, der nach wie vor auf dem dritten Platz steht. Die HSG Würm-Mitte bleibt zwar ungeschlagen, fällt durch das 26:26 gegen Dietmannsried hinter die punktgleiche TSH auf Rang 2 zurück.


TS Herzogenaurach - HSV Bergtheim 32:29

Eindrucksvoller kann der Frauenhandball in der Bayernliga kaum sein: In einer mitreißenden Begegnung Zweiter gegen den Dritten gelang der jungen TSH-Mannschaft ein völlig verdienter Erfolg gegen den Meisterschaftsfavoriten. Über 200 Zuschauer sorgten für eine prächtige Kulisse.
Dass die rund 30 mitgereisten Fans des HSV akustisch im Vorteil waren, nutzte ihrem Team allerdings nichts, denn vom Anpfiff weg bestimmten die Gastgeberinnen, wohin die Reise geht.

Mit engagierter Abwehrarbeit beeindruckten die Herzogenauracherinnen die körperlich überlegenen Gäste. Vorne überraschte Janka Kräck den Gegner mehrfach mit herrlichen Zuspielen auf die enorm wirkungsvolle Kristin Lang am Kreis. Doch während sich der HSV bald auf diese Aktionen einstellte, gelang ihm auf der anderen Seite Ähnliches, ohne dass die TS-Innenformation dies richtig abwehrte. Solch starke Akteure lassen sich eben nicht komplett beherrschen und so blieb die Begegnung bis zur zehnten Minute eng, Bergtheim blieb ergebnismäßig auf Tuchfühlung.

Zu keinem Zeitpunkt aber gelang den Unterfranken die Führung. Im Gegenteil: Nachfolgend spielten sich die Gastgeberinnen in einen Rausch, fast jede Offensivaktion gelang und als sie nach 15 Minuten einen 13:5-Vorsprung erzielt hatten, war abzusehen, dass die TSH zumindest im Angriff an die tolle Form aus der Begegnung mit dem HC Erlangen anschließen würde. Herrlich herausgespielte Tore, zwei überragende Gegenstoßpässe von Torhüterin Martina Ebersberger auf Tanja Küffner und Sarah Stephan, dazu drei Treffer in Unterzahl ließen vermuten, dass die TSH an diesem Tage nicht aufzuhalten war.

Da sah Coach Kästl auch etwas großzügiger über die Lücken in der Innenabwehr hinweg, ein 21:15-Pausenstand gab zahlenmäßig keinerlei Grund zur Kritik. 21 Tore in einer Halbzeit gegen die bislang beste Abwehr der Liga sind eine starke Ausbeute. Wer die jungen Herzogenauracherinnen gut kennt, wusste aber, dass sie dieses Höllentempo nicht weitere 30 Minuten durchstehen können.

Zunächst schien es nicht so, als würde sich der HSV aufbäumen, obwohl dies gerade jetzt angebracht gewesen wäre. Die auf allen Positionen stark besetzten Gastgeberinnen enteilten dem Gegner auf 28:18 (42.), ihr Vorwärtsdrang ging ungebremst weiter. Solange das Spielerische im Mittelpunkt stand, herrschte die TSH uneingeschränkt, doch als die Kraft nachließ und aus dem Spiel ein Kampf wurde, fanden die Gäste doch zurück in die Begegnung.


Zweifelhafte Strafwürfe

Plötzlich entschied sich das Team aus dem Landkreis Würzburg zu schnellen Abschlüssen, überließ der TSH optische Vorteile, die jedoch ins Gegenteil umschlugen, da sich einige Fehler zu viel einschlichen. Hinzu kamen einige zweifelhafte Strafwürfe gegen Herzogenaurach. Tor um Tor fand der HSV wieder den Anschluss, während die Gastgeberinnen von der 45. bis zur 58. Spielminute nur einen Treffer erzielten.

Als Bergtheim auf 29:30 verkürzt hatte, stand die Halle Kopf, nur nicht Laura Wedrich und Saskia Probst: Wedrich behielt bei ihrem siebten Strafwurf erneut die Nerven, Probst gelang mit dem Abpfiff das von den Einheimischen umjubelte 32. Tor. In einer Begegnung auf hohem Bayernliga-Niveau bestätigte die TSH den ersten Tabellenplatz 45 Minuten lang, danach überzeugte sie kämpferisch. Aus einer großartigen Mannschaftsleistung ragte erneut Wedrich heraus: Wer gerade der Jugend entwachsen ist und sich in solchen bedeutenden Spielen derart beherzt und frech behauptet, hat eine große Zukunft vor sich. Probst glänzte mit vier sensationellen Sprints in die eigene Deckung, wo sie eine enteilte Gegnerin vier Mal vor dem freien Wurf abfing.

Im Tor hatte die TSH mit Ebersberger und Annika Bernhardt, die zwei Strafwürfe parierte, zählbare Vorteile. Auch Lang - in der Abwehr längst eine Bank, nun aber am Kreis zunehmend präsent - wird immer wertvoller für ihr Team, dass sich die folgenden 14 Tage Spielpause redlich verdient hat.

"Ich will die 45 Minuten überragende Offensivleistung nicht mit den restlichen 15 etwas holprigen Minuten schmälern. Es war einfach großartig, wie sich unser Team präsentierte", lobte Kästl. "Warum sich mein Trainerkollege aus Bergtheim über die Schiris mokierte, verstehe ich nicht: Wenn ich nur an die letzten Strafwürfe gegen uns denke. Allerdings müssen wir uns die etwas naiven Zeitstrafen selbst anlasten, hier fehlt es noch an der Cleverness", erklärte der Coach zum Thema Schiedsrichter. Der erste Platz sei zwar eine Momentaufnahme, aber eine ziemlich schöne.
TSH: Ebersberger, Bernhardt - Kräck, Mittelheisser (2), Stephan (3), Wedrich (9/7), Bestle (2), Probst (10/1), Mergner, Erdmann (2), Lang (2), Merz, Theobald, Küffner (2)