Stefan Adam weiß, wie sich die Handball-Bundesliga für einen Verein anfühlt, der erstmals in der Eliteliga antreten darf. In der Spielzeit 2011/2012 ging er als Geschäftsführer mit dem Bergischen HC in dessen Premierensaison. Diese endete allerdings mit dem sofortigen Abstieg. Ein solches Szenario will der 49-Jährige mit dem HC Erlangen, bei dem er seit Ende April die Verantwortung trägt, vermeiden. Im Interview spricht Adam über die besondere Situation einer Bundesliga mit einer Mannschaft mehr als gewöhnlich, die Chancen auf den Klassenerhalt und welche Kriterien beim Aufsteiger für die Verpflichtung von Neuzugängen gelten.

Knapp einen Monat muss der HC Erlangen noch warten, ehe er erstmals in der Bundesliga antreten darf. Spüren Sie bereits so etwas wie Vorfreude oder ist der Saisonstart noch in zu weiter Ferne?

Das ganz große Kribbeln hat ehrlich gesagt noch nicht eingesetzt. Das wäre auch zu früh. Wir müssen uns erst einmal auf ganz viele Themen konzentrieren und diese mit der nötigen Ruhe, aber auch Intensität abarbeiten.

Was steht denn unter anderem gerade an?

Vor allem die Konstellation mit Erlangen und Nürnberg macht die Arbeit sehr spannend. Ursprünglich war ja geplant, dass vier Spiele in Erlangen und 13 in Nürnberg stattfinden sollen. Durch die überraschende Lizenzsituation (sowohl der HSV Hamburg, dem zunächst die Lizenz entzogen wurde, als auch der sportliche Absteiger HBW Balingen-Weilstetten dürfen in der Liga bleiben, Anm. d. Red.) ist durchaus Bewegung reingekommen. Wo das zusätzliche Spiel stattfinden wird, werden wir noch sehen.


Weil die Bundesliga nun mit 19 Mannschaften startet, steigen in der neuen Saison gleich vier Teams ab. Ist Ihre Situation dadurch noch schwieriger geworden?

Das kann man so oder so sehen. Zwar muss man weiterhin 15. werden, um nicht abzusteigen, andererseits aber auch eine Mannschaft mehr hinter sich lassen als noch in der vergangenen Saison, und es sind zwei Spiele mehr zu bestreiten. Wir müssen uns gut auf alle erdenklichen Szenarien vorbereiten und - auch wenn sich das vielleicht blöd anhört - wirklich von Spiel zu Spiel denken. Die Tabelle sollten wir dabei zunächst ausblenden.

Was ist für einen Aufsteiger in der Premierensaison besonders wichtig?

Wir müssen stabil spielen, aber auch erkennen, wie man sich in dem Zwei-Tages-Rhythmus, in dem gespielt wird, vorbereitet. Für uns geht es darum, uns in der Liga so schnell wie möglich zu akklimatisieren und dann zu etablieren, um den Klassenerhalt zu schaffen. Das ist unser Ziel. Durch die Konstellation mit 19 Mannschaften ist das sicher nicht einfacher geworden. Aber dieser Situation stellen wir uns und arbeiten täglich mit viel Engagement und Herzblut daran, dass wir unser Ziel erreichen.

Eine Faustregel besagt, dass für den Klassenerhalt rund 20 Punkte nötig sind.

Das hat in den letzten Jahren auch immer funktioniert. Wenn wir eine realistische Chance haben wollen, drin zu bleiben, müssen wir zu Hause möglichst die vermeintlichen "Vier-Punkte-Spiele" gewinnen. Also gegen die Teams, die im unteren Drittel erwartet werden. Außerdem muss man die eine oder andere Überraschung schaffen. Dass wir Spiele gegen den THW Kiel, die SG Flensburg-Handewitt oder die Rhein-Neckar Löwen nicht dominieren werden, dürfte jedem klar sein.

Mit Martin Stranovský und Sigurbergur Sveinsson haben Sie zwei namhafte Neuzugänge verpflichtet, aber eben nur zwei. Wird sich am Kader für die kommende Spielzeit noch etwas ändern?

Es ist kein Geheimnis, dass wir noch einen weiteren Spieler holen wollen. Aber wir setzen uns da nicht unter Druck, den Transfer in einem gewissen Zeitfenster zu realisieren. Wir haben die klare Strategie, dass wir nur Spieler verpflichten wollen, von denen wir zu 100 Prozent überzeugt sind, von denen wir glauben, dass sie uns auch weiterhelfen und das Niveau anheben. Ein neuer Akteur muss charakterlich, sportlich und in jeder anderen Hinsicht nach Erlangen passen.

Das Gespräch führte Marian Hamacher