Zum Abschluss der bis dato besten Saison einer Erlanger Handballmannschaft, noch dazu in der eingleisigen 2. Bundesliga dieses Jahr, empfing Handball-Bundesligist HC Erlangen den SC DHfK Leipzig. Leipzig hätte seinerseits bei einem Sieg in Erlangen noch an den Mannen von Trainer Frank Bergemann vorbei auf Platz 4 springen können. Dass es Ende nicht so kam und der HC den Kampf um die "goldene Ananas", welchem die mitgereisten Leipziger Fans eigens mit einer sehr ansehnlichen Choreografie gehuldigt hatten, gewann, lag vor allen an den letzten zehn Minuten der Begegnung. Hier warfen die Unistädter ihre berüchtigten Tugenden in die Waagschale und holten in letzter Sekunde unter tosendem Jubel noch einen Punkt in einer bereits verloren geglaubten Partie.

HC Erlangen - SC DHfK Leipzig 23:23


Den ersten Torerfolg der Partie verbuchten die Gäste nach 30 Sekunden und der Ausgleich durch Schwandner eine halbe Minute später hatte bis zur 3. Minute Bestand. Dann übernahm Leipzig jedoch das Kommando und zog langsam aber sicher davon. Begünstigt durch einige Zeitstrafen und zu viele Fehlversuche auf Seiten des HCE wuchs die Führung der Sachsen über 2:4 (9.) und 4:8 (16.) auf zwischenzeitlich sogar sechs Treffer, ehe Pankofer mit seinem Tor zum 9:14-Pausenstand etwas verkürzte.
Doch auch nach dem Seitenwechsel blieben die Gäste tonangebend und hielten die Mittelfranken stets mit fünf oder sechs Treffern auf Abstand. Erst als Schwandner (49.) und Krämer (51.) auf 17:20 verkürzt hatten, schwante dem SC, dass eine heiße Schlussphase auf ihn zukommen würde. Ein Team-Timeout und ein Torwartwechsel schienen zunächst zu fruchten, denn die knappe Führung hielt bis zur 59. Minute. Auf der anderen Seite verhinderte Selke im Erlanger Tor, dass die Gäste weiter enteilten und spätestens als Nienhaus bei noch 52 Sekunden auf der Uhr für den Anschlusstreffer zum 22:23 sorgte war klar: Hier geht noch was. Die Leipziger hatte dem unbändigen Willen der Erlanger nichts entgegen zu setzen, brachten keinen Angriff mehr zu Stande und hofften, den Vorsprung ins Ziel zu retten. Doch Daniel Stumpf begrub diese Hoffnung 15 Sekunden vor Schluss, als ihm der Ausgleich gelang, mit dem sich der HCE für eine Energieleistung und eine tolle Saison belohnte.
Dieses Spiel ist Sinnbild dessen, was diese Saison überhaupt erst so erfolgreich gemacht hat. Nicht nur, dass man es geschafft hat, die altbekannte Heimstärke mit packenden Spielen gegen Minden oder Neuhausen zu bewahren. Darüber hinaus gelang den Erlangern noch die eine oder andere Überraschung in der Fremde.
Mitnichten hätten wenige aufmerksame Zuschauer beispielsweise in Essen nach der ersten Halbzeit noch einen müden Pfifferling auf die Unistädter gesetzt, aber auch ein Sieben-Tore-Rückstand wurde aufgeholt und man fuhr als Sieger zurück nach Franken. Ebenso scheint das Trauma in Neuhausen endgültig dem Mythos des Unentschiedens gewichen zu sein.
Und auch vor unzähligen mitgereisten Erlanger Fans hatte der gestrige Gegner aus Leipzig in seiner eigenen Halle zum Ende der Hinrunde trotz des damaligen personellen Engpasses in die Schranken gewiesen werden können. Neben der Stärke, Ausfälle jeder Art durch mannschaftliche Geschlossenheit zu kompensieren, fügten die Bergemänner manchen sehr heimstarken Teams unerwartete Niederlagen zu und arbeiteten sich für viele Experten unerwartet weit nach vorne in der Tabelle.
Dass der HC-Express vor zwei Wochen noch das Spiel gegen Nordhorn drehte und auch im eigentlich bedeutungslosen Spiel gegen Leipzig noch bis zur letzten Sekunde den Kampf angenommen hatte und vor einer stetig stehenden Kulisse noch ausglich, war und ist der Trumpf der Bergemann-Truppe. Dieses tolle Auftreten hatten die heimischen Fans per Spruchband und farbenfroher Ausgestaltung der Tribünen als Dankeschön an die Mannschaft für diese sensationelle Saison am Samstag zum Ausdruck gebracht.