Im letzten Jahr war der Herzogenauracher Triathlet Sören Zinner zwei Mal knapp an der WM-Qualifikation gescheitert, doch dieses Mal erhielt er einen der begehrten Slots für das Rennen in Las Vegas. Dazu musste Zinner allerdings zunächst bei der Europameisterschaft in Wiesbaden über die halben Ironman-Distanzen - 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21 Kilometer Laufen - sein Können und seinen Kampfgeist unter Beweis stellen.
Für die 2500 Athleten aus zahlreichen verschiedenen Nationen fiel der Startschuss frühmorgens um halb Acht am Raunheimer Waldsee. In der Auftaktdisziplin spielte Sören Zinner auch gleich seine Stärken aus und hielt von Beginn des Rennens direkten Kontakt zur Spitze seiner Altersklasse. Nach nur 26 Minuten stieg der Herzogenauracher aus dem See und wechselte auf die 90 Kilometer lange und extrem anspruchsvolle Radstrecke.

Der Magen macht nicht mit


Der Kurs rund um Wiesbaden hielt 1500 Höhenmeter für die Athleten bereit und war mit steilen Anstiegen und rasenden Abfahrten gespickt, bei denen Geschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern pro Stunde erreicht wurden. Zu Beginn der zweiten Disziplin lief es bei Zinner aber alles andere als nach Plan. Ähnliche Magenprobleme wie vor einem Jahr beim Ironman in Frankfurt bereiteten ihm bereits ab den ersten Radkilometer massive Schwierigkeiten. Dennoch quälte sich Zinner über die ersten Hügel und hielt den Kontakt zu den vorderen Platzierungen, auch wenn er sich nicht voll belasten konnte und immer die Position auf dem Aerolenker verlassen musste um den Magen nicht noch mehr zu belasten.
Nach knapp der Hälfte der Radstrecke wurde es dann dennoch so schlimm, dass Zinner bei einer Verpflegungsstelle anhalten musste um eines der Toilettenhäuschen aufzusuchen. Eine gute Entscheidung, denn danach fand er wieder gut ins Rennen zurück. Zwar krampfte der Magen immer wieder, aber mit Kontrolle und Kampfgeist beendete Zinner die 90 Kilometer in einer aussichtsreichen Position für die WM-Qualifikation.

Persönliche Bestzeit


Seine Wackeldisziplin, das Laufen, bereitete ihm zwar zu Beginn der hügeligen 21 Kilometer noch ein paar Probleme, doch mit zunehmender Dauer fand er immer besser ins Rennen und so spulte er die Kilometer teilweise sogar in knapp über vier Minuten ab. Die Magenprobleme waren auch nahezu verflogen und so kämpfte der Herzogenauracher um jeden Platz. Auf der letzten der vier Laufrunden gelang es Zinner sogar, noch einen Gang zuzulegen und einige Konkurrenten zu überholen. Mit einer Halbmarathonzeit von 1:35 Stunden stellte er eine persönliche Bestmarke innerhalb eines Triathlons auf.

Wenig Zeit zur Vorbereitung


Nach etwas mehr als fünf Stunden war die Quälerei dann beendet und Zinner war mit einem gemischten Gefühl im Ziel, da er sich nach dem suboptimalen Rennverlauf nicht sicher sein konnte, ob es für die Qualifikation gereicht hat. Die große Freude und Erleichterung erfolgte dann am Abend bei der Siegerehrung als klar war, dass Sören Zinner einen der begehrten Plätze für Las Vegas erhält. "Ich bin überrascht und überglücklich, da ich nach dem verkorksten Radfahren selbst nicht mehr mit der Qualifikation gerechnet habe. Umso schöner, dass es nun doch geklappt hat", beschrieb Zinner seine Gefühlslage.
Da das Rennen über die gleiche Distanz bereits in vier Wochen stattfindet, bleibt zwar nicht viel Zeit zur Vorbereitung, aber mit der WM-Quali ging für Zinner ein großer Traum in Erfüllung und so bereitet er sich nun voller Vorfreude auf diesen besonderen Höhepunkt vor.