Personell derart gut aufgestellt waren sie zum letzten Mal in ihrer Premierensaison 2010/2011 gewesen. Mit großem Aufwand ist es gelungen, acht Zugänge zu verpflichten, wobei mit Lena Mergner, Martina Ebersberger, Nina Bestle und Tanja Küffner vier ehemalige Stützen der TSH zurückkehrten, die zuletzt höherklassige Erfahrung gesammelt und andere Angebote ausgeschlagen haben. Dass dann auch noch vier talentierte Nachwuchsspielerinnen des HC Erlangen das Team von Trainer Hans-Jürgen Kästl verstärken, ist ein weiterer Beleg dafür, dass Herzogenaurach eine gute Adresse ist.
Zwar stehen die zuletzt bärenstarke Torschützin Alexa Dodan und Nachwuchshoffnung Steffi Mittasch (Studium) vorerst nicht zur Verfügung, doch mit weiteren 15 Feldspielerinnen und drei Torhüterinnen ist die TSH breit aufgestellt - allerdings mit Einschränkungen: Laut Kästl ist auch Bestle demnächst studienbedingt nicht
anwesend, die Französin Carole Mittelheisser ist beruflich ständig unterwegs und auf die ihre schwere Knieverletzung auskurierende Vicky Egle muss er voraussichtlich bis Oktober warten. "Wenn alle Akteure voll einsatzfähig wären, würde ich uns am Saisonende unter den ersten Fünf der Liga sehen. Da wir aber ein anspruchsvolles Auftaktprogramm haben, müssen wir versuchen, bestmöglich in die neue Saison zu finden", sagt der Trainer.


Athletiktraining zeigt Wirkung

Zuversichtlich stimmen ihn und Abteilungsleiterin Christine Odemer das seit Wochen engagierte Training des Teams, das mindestens drei Einheiten pro Woche gemeinsam absolviert, und die Arbeit von Athletik-Coach Mirela Chirela Negruthiu, das schon erste Früchte trägt. Inzwischen ist auch die Nachfolge für die bisherige Mannschaftsführerin Katrin Kräck (Laufbahn beendet) getroffen worden. Es gibt nun einen Mannschaftsrat - bestehend aus Martina Ebersberger, Vicky Egle und Julia Friedl.
Für die Trainer und das organisatorische Umfeld geht es derzeit aber nicht nur darum, das Team zu Formen. Auch auf einige neue Regelungen muss man sich einstellen. So muss ab sofort ausschließlich das Heimteam dafür Sorge tragen, dass das Kampfgericht mit zwei lizenzierten Personen besetzt ist, während bisher auch das Gästeteam einen Vertreter stellen musste. Diese Kampfrichter werden zum Beispiel besonders gefordert sein, wenn - wie bei den Olympischen Spielen in Rio gesehen - ein siebter Feldspieler für den Torhüter eingewechselt wird, was rund um die ständige Wechselphase und dem damit korrekten Betreten des Spielfelds enorme Aufmerksamkeit erforderlich macht. Für die TSH hat wie bisher Simone Wolframm diese Aufgabe inne, wechselweise unterstützt von Angehörigen der Spielerinnen.
Die Umsetzung der neuen Regel bedeutet auch mehr Trainingsaufwand. "Zeit, die ich eigentlich für andere Dinge benötige", sagt Kästl, der genau wie Odemer glaubt, dass das Thema siebter Feldspieler gerade in unteren Klassen Konfliktpotenzial mit sich bringt. Beide erwarten eine noch ausgeglichenere Saison als zuletzt, denn mit Winkelhaid und ESV Regensburg II mussten zwei Mannschaften absteigen, die generell gefährdet waren, wohingegen gerade die Aufsteiger Würm-Mitte und der 1. FC Nürnberg traditionell für erfolgreichen Handball stehen.


Planung mit Weitsicht

Als Meisterschaftsfavoriten sieht Kästl den HC Erlangen sowie das Team aus Bergtheim und den ASV Dachau. "Wir gehen mit einer sehr jungen Mannschaft in die Saison und planen über diese Spielzeit hinaus. Mit Martina Ebersberger im Tor sind wir sicherlich auch heuer schon konstanter was die Ergebnisse anbelangt, doch es zählt nicht allein der Erfolg, sondern wir möchten unsere Freude am Handball auch nach außen vermitteln", sagte der Coach. Dem schloss sich Odemer an: "Ich hoffe, dass mit guten Leistungen wieder vermehrt Fans in die Halle kommen, die sich am Spiel unserer Mädels erfreuen."
Vor dem Saisonauftakt müssen die TSH-Mädels zunächst in der zweiten Runde des Molten-Cups ran: Beim Final Four in Kitzingen trifft Herzogenaurach am Samstag, 10. September, um 16 Uhr auf die Mainfranken und dann - im Falle eines Sieges - auf den Gewinner der Begegnung HC Forchheim gegen HC Erlangen. Dies ist ein echter Härtetest, auch weil die TSH nicht in Bestbesetzung antreten kann.
Insgesamt sehen die Herzogenauracher der neuen Spielzeit aber mit Zuversicht entgegen, denn die Voraussetzungen sind weitaus besser als in den Jahren zuvor, wo wenige Wochen vor dem Saisonstart noch nicht feststand, ob es überhaupt genug Spielerinnen gibt. Und wenn es dann gelingt, die ausgezeichnete Team-Atmosphäre auf die Fans zu übertragen, darf man sich auf eine tolle Saison freuen.