Sonnenschein. 30 Grad. Bei so einem Wetter kann jeder joggen. Aber letzte Woche, das war nur etwas für Hartgesottene. Lederne Gesichtszüge von Wind und Regen gezeichnet. Kein Platzregen, kein Sturm kann uns etwas anhaben. Wir ziehen los, egal ob ein Tornado bläst oder ob es schneit. So zeigen wir uns nach außen, aber wie sieht es in unseren Köpfen aus?

Ein kurzer Rückblick: Dicke Regentropfen prasseln auf unsere Fensterbank. "Ach nein", denke ich mir. Verschlafen schlüpfe ich aus dem kuschelig warmen Bett noch bevor mein Wecker klingelt. Meine Laufklamotten liegen bereit. "Bei diesem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür", flüstert mir meine innere Stimme ins Ohr. Augen habe ich wie kleine Schlitze, meine Augenlider sind so schwer wie Garagentore. Noch ist für das Weichei in mir nicht alle Hoffnung verloren. "Draußen ist es nass und kalt. Dein Bett ist kuschelig warm." Gedanken ausschalten, nicht nachdenken. Sonst werde ich schwach.

Schnell die Laufklamotten anziehen. Aber erst noch das Frühstück vorbereiten, bevor die geplante Joggingrunde in Angriff genommen wird. Die Regentropfen prasseln jetzt an die Fensterscheibe. Draußen ist es schließlich nicht nur düster, sondern dank Regen und Wind auch ziemlich ungemütlich. "Vielleicht lege ich mich doch wieder ins Bett."

Was waren das früher für tolle Zeiten ohne Laufen", erinnert sich der Querläufer. Als Laufanfänger konnte ein Handkantenschlag auf den Wecker den ungeliebten Morgenlauf verhindern. Oder bereits startbereit in Laufklamotten, half auch ein dezentes Zwicken in der Wade oder Achillessehne. Ja, diese verflixte Achillessehne. Der Querläufer frohlockt: "Alles Geschichte."

Damals hatte der Querläufer noch mit seiner inneren Stimme diskutiert, dass regelmäßige Bewegung an der frischen Luft doch gut für die Gesundheit sei. Schließlich müsse der Mann ab 40 mehr dafür tun, den Körper in Form zu halten, etcetera, etcetera. Aus und vorbei. Spätestens seit die immer wieder quälenden Entzündungsschmerzen im Knie verschwunden waren, seit Erkältungen und Kopfschmerzen meist einen weiten Bogen um den Querläufer machten, war auch die innere Stimme abgemeldet.

Los jetzt. Raus mit Dir!" Der Zuflüsterer wird aus den Gedanken verbannt, als der Querläufer vor die Haustür tritt. Draußen ist es wieder einmal gar nicht so schlimm, wie es sich anhört. Leichter Nieselregen weht auf meine Mütze. Nach dem ersten Kilometer hört der Regen ganz auf. Wieder alles richtig gemacht. Ich laufe dem Ende der Dämmerung entgegen. Meine innere Stimme zieht sich zurück. Aber sie wittert eine neue Chance: "Morgen, ja, morgen soll ein richtiger Sturm kommen. Wäre doch gelacht ..." Aber nicht mit mir! Ich kenne den Wetterbericht. Die Sonne lacht.

Run happy and smile!
Euer Querläufer