Eigentlich ist es nichts Neues in der sportlichen Karriere von Martin Grau (TSV Höchstadt), die Qualifikation zu einer internationalen Meisterschaft zu schaffen. Wenn er am kommenden Dienstag zusammen mit 74 weiteren hoffnungsvollen Talenten des deutschen Leichtathletikverbandes ins finnische Tampere fliegt, ist es bereits sein vierter Auftritt im Nationaltrikot. Und doch ist es diesmal etwas anders als bei seinen ersten drei Einsätzen.
Nach der Entscheidung, voll auf die Karte Leistungssport zu setzen, vertraute er seinem gewohnten Umfeld und blieb seinem Verein und Trainer treu. Als großer Rückhalt und Energiespender dient vor allem seine Familie in Biengarten. In vertrauter Umgebung absolviert Grau von zu Hause aus seine Dauerläufe in die Wälder und Weiherlandschaft.
Wie wichtig ihm dies ist, zeigte erst unlängst seine Rückkehr aus dem sechs Stunden entfernten Trainingslager aus Saarbrücken, um für ein paar Stunden am Geburtstag seiner Mutter da sein zu können.
Am nächsten Morgen saß Martin Grau wieder im Zug ins Leistungszentrum. Auch wenn er mittlerweile sein Geld mit dem Sport verdient, so geben ihm seine Eltern sämtliche nötige Unterstützung. "Ich tendiere eher zur familiären Variante in gewohnter Umgebung", ist seine häufige Antwort, wenn es um die Abstimmung von externen Trainingslagern mit dem Bundestrainer geht.
Seit erst gut fünf Jahren betreibt der Biengartner intensiv Leichtathletik. Schnell stellten sich Erfolge ein, meist zusammen mit seinem nicht minder talentierten Zwillingsbruder Bastian, der aber leider oft von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Bereits in der U18 verpasste Grau bei seinem erst dritten Hindernisrennen nur knapp die Qualifikation zur WM in Italien. Ein Jahr später folgte dann die Überraschung, er qualifizierte sich für die U20-WM in Kanada, überstand dort den Vorlauf und wurde am Ende Elfter.

Kader-Norm problemlos erfüllt

Längst wurde der deutsche Leichtathletikverband auf Martin aufmerksam und im Jahr 2011 setzte der Biengartner seiner bisherigen Laufbahn das Sahnehäubchen auf: Bei der U20-EM in Tallinn (Estland) erlief sich der heute 21-Jährige die Bronzemedaille trotz Sturz am letzten Wassergraben. Danach folgte die Entscheidung, in Zukunft als Sportfördersoldat erst mal voll auf die Karte Sport zu setzen. Nach einem durchwachsenen Auftritt bei der Cross-EM Ende 2011 stand im Folgejahr keine größere internationale Meisterschaft für ihn auf dem Programm. Trotz kleinerer Verletzungen erfüllte Grau aber die Kader-Normen problemlos.
Seit Herbst 2012 legt Grau seinen Fokus vollkommen auf den Sport, was anfänglich nicht leichtfiel. Außer essen, schlafen und trainieren gab es nur wenig Abwechslung, außer seinem Fernstudium an der Universität in Ansbach. Trainingslager, Leistungsdiagnostik, Wettkämpfe und Heimaturlaub wechselten sich ab - alles mit dem Ziel, in diesem Jahr an den U23-Europameisterschaften in Tampere teilzunehmen. Nach Trainingslagern in Freudenstadt, Saarbrücken, Portugal und den USA musste bereits Ende Mai in Dessau die Norm abgehakt werden. Und wie gewohnt war Martin auf den Punkt fit, mit 8:42,60 Minuten unterbot er als einziger Deutscher die vorgegebene Zeit.

Auf Rang 5 gemeldet

Grau wird in der aktuellen europäischen Bestenliste über 3000 Meter Hindernis auf Platz 6 geführt, bei der EM taucht er unter den 22 Gemeldeten sogar auf Rang 5 auf. Bei genauem Blick haben aber sieben Athleten im Vorfeld schon bessere Zeiten als er abgeliefert. Es bleibt also spannend für die EM, aber Grau hat sich natürlich vorgenommnen, den Endlauf zu erreichen. Sein Vorlauf findet am Freitag, 12. Juli, um 11.45 Uhr statt, am Sonntag, 14.Juli, steht um 16.50 Uhr der Endlauf an. Unter www.tampere2013.fi sind im Internet alle wichtigen Infos zu finden, die Wettkämpfe werden höchstwahrscheinlich per Livestream übertragen.
Natürlich wird Martins Familie wieder ganz nah dabei sein, denn neben Trainer Mönius machen sich auch Graus Eltern auf den Weg nach Finnland, um dem 21-Jährigen zu unterstützen. Zu Hause drücken alle Verwandten und Vereinskollegen kräftig die Daumen.