Das hatte keiner erwartet, die 250 Zuschauer in der Herzogenaurach rieben sich die Augen. Als krasser Außenseiter waren die Regionalliga-Basketballer der örtlichen Turnerschaft in das Spiel gegen den FC Bayern München II gezogen, um den großen Favoriten dann sensationell in die Knie zu zwingen. Den Oberbayern war der Aufstieg schon vor dem Spiel sicher gewesen, trotzdem waren sie in Bestbesetzung nach Mittelfranken gereist und machten von Beginn an deutlich, dass sie keine Punkte verschenken wollten. Aber die Longhorns spielten sich in einen solchen Rausch, dass selbst die "Überbayern" kein Rezept dagegen fanden.


TS Herzogenaurach - FC Bayern München II 66:61

Vom Start weg agierten die TSHler auf einem körperlichen Niveau, das man selten in Herzogenaurach gesehen hat.
Nachdem den Longhorns der Hinrunde noch häufig mangelnder Einsatz in der Defensive vorgeworfen worden war, spielten sie diesmal mit allerhöchster Intensität und konnten sich so nach fünf Spielminuten auf 18:6 absetzen. Die Bayern fanden kein Mittel, um regelmäßig in die Zone der Herzogenauracher einzudringen und von dort entweder abschließen oder das weitere Spiel eröffnen zu können. So mussten sie oft schwere Würfe nehmen, die dementsprechend selten ihr Ziel fanden - und die TSH nutzte die Rebounds zum Fastbreak. Doch nach einer Münchner Auszeit war dieses Mittel nicht mehr probat, die Gäste kamen wieder bis auf 19:14 heran.

Schönen Basketball suchten die Zuschauer im zweiten Viertel vergebens, beide Teams lieferten sich eine wahre Defensivschlacht, in der um jeden Zentimeter gekämpft wurde. Braslav Turic bildete das Zonen-Bollwerk zusammen mit Willy Inkulu, der gegen die physisch extrem starken Münchner Centerspieler Rebound um Rebound ergatterte, und so die Seinigen mit in Front hielt. Im Angriff setzten vor allem Haris Hujic und Nelson Weidemann Akzente, und so gingen die Longhorns mit einer 40:31-Führung in die Halbzeitpause.

Danach legten die Bayern in Sachen Intensität eine Schippe drauf und verkürzten sukzessive. In der Offensive übernahm Marvin Ogunsipe die Verantwortung für die Landeshauptstädter und markierte acht seiner 14 Punkte allein in diesem Viertel. Nach vier Minuten stand es nur noch 44:40 für die TSH, doch die Routiniers Mike Kaiser und Monty Rogers führten das Team zurück in die Spur und bauten die Führung wieder bis auf 54:46 aus.

Den besseren Start in den Schlussabschnitt erwischten abermals die Bayern, welche bis auf drei Punkte (58:55) an die TSH herankamen und Lunte rochen. Doch dann sprintete Braslav Turic nach einem Münchner Fehlwurf allen davon und brachte die Halle mit einem mächtigen Dunking zum Beben. Lautstark wurden die Gastgeber nun angefeuert, kämpften und rackerten dementsprechend und hielten den Vorsprung bis zum Schluss bei fünf Punkten. Mit diesem letzten Sieg bestätigten die Longhorns ihre gute Entwicklung. Die Gäste mussten sich den Schmähgesang "Zieht den Bayern die Lederhose aus" anhören, werden sie diese Niederlage aber verschmerzen können.

"Das war heute ein perfekter Abend. Es herrschte durchgehend eine extreme Intensität im Spiel, was dazu führte, dass sich beide Mannschaften sehr schwer taten, einen offensiven Rhythmus zu entwickeln. Aber dafür haben wir uns hervorragend geschlagen und die mit Sicherheit beste Mannschaft der Liga besiegt", sagte TSH-Trainer Mario Dugandzic. Dies zeige, dass sich die Arbeit bezahlt mache und das Team auf dem richtigen Weg sei. "Jetzt wird erstmal gefeiert, und dann wollen wir das letzte Saisonspiel in Erfurt auch noch erfolgreich bestreiten."