Ihr Mundwerk ist Fluch und Segen zugleich für Laura Vogel. Segen deshalb, weil die 20-Jährige auf dem Fußballplatz verbal präsent ist. Sie gibt Kommandos, treibt an, motiviert ihre Mitspielerinnen. Sicherlich ein Grund dafür, warum Laura Vogel seit dieser Saison die Kapitänsbinde im Bezirksoberliga-Team des FSV Großenseebach trägt. "Es macht mir Spaß, Verantwortung zu übernehmen und, wenn es nötig ist, meinen Mund aufzumachen", erklärt das offensive Allround-Talent, das von Trainer Andreas Linzmayer als Stürmer aber auch im Mittelfeld - links wie rechts - und zur Not sogar als Libero eingesetzt wird.
Aber wehe, es läuft nicht so, wie sich es Laura Vogel vorstellt oder der Schiedsrichter entscheidet aus ihrer Sicht falsch, dann schlägt die Tugend ins Gegenteil um. "Wenn ich etwas ungerecht finde, kann ich das nicht für mich behalten und kassiere öfter mal eine Gelbe Karte wegen Meckerns", gibt die Erlangerin zu. Um aufs eigene Spiel zu wirken, versucht sie aber positiv zu bleiben - ihre Mitspielerinnen anzuschreien, kommt nicht in Frage.
"Ich würde mir aber wünschen, dass sich mehr Spielerinnen trauen, auf dem Platz was zu sagen, die motivieren und Charakter zeigen." Dann wäre ihre Mannschaft, die sie technisch für eine der besten in der BOL hält, noch stärker. Laura Vogel hat mit dem FSV noch Großes vor. "Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr den Sprung in die Landesliga schaffen, ich trau' es uns auf jeden Fall zu. Wir sind eine junge Mannschaft, die sich noch weiter entwickeln kann und die immer wieder Talente dazu bekommt." Eine Chance, die eigenen Ansprüche zu unterstreichen, haben der FSV und seine Kapitänin schon am Samstagnachmittag, wenn der unangefochtene Tabellenführer, der SV Weinberg II, im Seebachgrund gastiert. Im Hinspiel setzte es ein deutliches 0:4 und auch diesmal ist Großenseebach nur Außenseiter.

Technisch stark und flexibel einsetzbar


"Es wäre toll, wenn wir einen Punkt mitnehmen, aber dafür müssen wir wirklich alles abrufen - hinten nichts zulassen und die wenigen Chancen, die sich gegen die starke Weinberger Abwehr bieten, eiskalt nutzen." Es wäre im letzten Heimspiel der schöne Abschluss einer Saison, in der der FSV als Aufsteiger erst nach einigen Wochen richtig in Schwung kam, sich seitdem aber Platz 3, den er aktuell belegt, redlich verdient hat.
Laura Vogel ist ehrgeizig, das weiß auch Andi Linzmayer, der seine Spielführerin lobt: "Laura schlägt gute Flanken und ist bei Standards stark. Sie hat einen harten, präzisen Schuss, ist technisch stark und flexibel einsetzbar." Fußball steht auf der Prioritätenliste des Talents, das mit seinen 20 Jahren schon zu den Erfahrenen beim FSV zählt, ganz oben. Auch wenn die gelernte Mikrotechnologin derzeit nur einmal wöchentlich trainiert, weil sie optimal auf die anstehenden Prüfungen für das Abitur vorbereitet sein will, dass sie auf der Berufsoberschule derzeit nachholt.
Danach steht für Laura Vogel die inzwischen sechste Spielzeit bei den Seebacher Damen im Fokus. Sie steckt viel Herzblut in den Mannschaftssport und hat in 15 Jahren Vereinsfußball noch nie daran gedacht, aufzuhören oder etwas anderes zu machen. "Als kleines Mädchen hab ich in Dechsendorf zugeschaut, weil mein Vater und mein Bruder dort aktiv waren. Da hab ich automatisch angefangen, mich für Fußball zu interessieren."

Der Wunsch nach mehr Erfolg


Mit fünf oder sechs Jahren schnürte sie dann selbst die Stollenschuhe. Zunächst in einer Jungen-Mannschaft beim TSV Frauenaurach, aber es waren noch zwei, drei andere Mädchen dabei, das machte die Sache leichter. Erst mit elf Jahren bot sich die Möglichkeit, in einem Mädchenteam aufzulaufen. "Allerdings waren das B-Juniorinnen, die meisten viel älter als ich, mehr gab es nicht." Zwar rückten zwei Jahre später genug Anfängerinnen nach, um eine U15 auf den Weg zu bringen, doch Laura fühlte sich unterfordert.
Mit 14 folgte sie dem Ruf aus Großenseebach und ging dort zunächst weiter auf dem Kleinfeld auf Torejagd. "In der U17 auf den großen Platz zu wechseln und dann gleich Bezirksoberliga zu spielen, war eine große Umstellung, konditionell aber kein Problem." erzählt Laura. Erst als sie 16 wurde und fortan sowohl in der Jugend als auch bei den Damen eingesetzt wurde, stieß sie an ihre Grenzen.
"Die Doppelbelastung hat schon reingehauen, vor allem weil es bei den Frauen körperlich doch ganz anders zur Sache ging. Fußballerisch hat mich das andererseits natürlich weitergebracht", analysiert die 20-Jährige. Und seitdem ging es eigentlich nur noch bergauf. Nach Platz 2 in der Bezirksliga Nord 2009 und Platz 3 2010 war der Aufstieg in die BOL im vergangenen Jahr die logische Konsequenz kontinuierlich guter Arbeit und nach Ansicht von Laura Vogel könnte es noch weiter nach oben gehen.
Sich über schlechte Ergebnisse und verfehlte Saisonziele aufregen kann sich die Fußballerin momentan nur als Anhänger des TSV 1860 München. "Für die Löwen wäre diese Saison mehr drin gewesen, aber wir Fans sind ja leidgeprüft." Lauras Faible für die "Sechziger" wirkt sich natürlich auch auf den Tipp für das DFB-Pokal-Finale zwischen dem BVB und dem FC Bayern aus: "Ich drücke Dortmund die Daumen."