Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, der begegnet interessanten Menschen. Der Querläufer Jochen Brosig trifft sich mit einigen dieser ganz unterschiedlichen Laufsportler auf deren Lieblingslaufrunde. Seine heutige Begegnung führt ihn zu Gerhard Börner. Der Veranstalter des Schwabacher Winter Ultras (SWU) und des Jurasteig-Nonstop-Ultra-Trail (JUNUT) führt den Querläufer und andere Laufbegeisterte durch den nördlichen Landkreis Roth.

Es soll ein ganz lockerer Lauf werden. 56 Kilometer rund um Schwabach, ohne Wettkampfcharakter. Als Einladungslauf ist der SWU für maximal 45 Starter eine willkommene Vorbereitung auf die Saison. Organisiert wird er von Margot und Gerhard Börner. Schon am Treffpunkt merke ich, hier sind die Cracks der Ultralauf-Szene versammelt. Jede Laufdistanz, die länger als die klassischen 42,2 Kilometer beim Marathon sind, wird als Ultra-Marathon bezeichnet. Wenn dieser Lauf überwiegend auf nicht befestigten Wegen stattfindet, spricht man von einem "Ultratrail".

Querläufer: Wie wurdest Du zum Läufer? War es die Midlife Crisis, die Dich auf die Ultra-Strecken getrieben hat?
Gerhard Börner: So ähnlich (lacht). Ich wollte als 45-Jähriger einmal in meinem Leben einen Marathon laufen. Von vier Stunden Zielzeit habe ich mich auf 3:54 Stunden und weiter auf 3:24 Stunden gesteigert. Bei 3:15 Stunden war Schluss. Schneller ging nicht mehr, aber länger schon.

Viele interessante Läufer sind in Schwabach dabei. Jeder hat seine eigene Ultra-Geschichte. In dieser illustren Runde fühle ich mich ein bisschen als "Greenhorn". Es wird von "längeren Laufstrecken" gesprochen. Da muss einer erst einmal drauf kommen, dass damit Strecken über 200 Kilometer gemeint sind. Es wird viel gequatscht. Edgar will dieses Jahr den Spartathlon (246 Kilometer) finishen, Stephanie hat sich die Brocken Challenge vorgenommen (86 Kilometer, 1900 Höhenmeter), und Jan den Jurasteig-Nonstop-Ultratrail (230 Kilometer, 7000 Höhenmeter).

Querläufer: Wie entstand die Idee zum SWU?
Gerhard Börner: Ich habe die Idee meines Lauffreunds Olaf Schmalfuß aufgegriffen, der anlässlich seines 50. Geburtstags den Fränkischen Pfefferkarpfenlauf organisierte. Und da mein Geburtstag im Januar ist, musste es ein Winter-Ultra sein.

Heute laufen wir den Schwabacher Winter-Ultra in seiner fünften Auflage. SWU - wieder eine der vielen Abkürzungen. Wer sich in der Ultralauf-Szene bewegt, sollte sich mit Abkürzungen auskennen. JUNUT (Jurasteig-Nonstop-Ultratrail), UTMB (Ultra-Trail du Mont Blanc), MIAU (München-Innsbruck Alpen-Ultralauf) oder UTC (Ultra Trail di Corsica). Dabei scheint mir: Je weniger Buchstaben desto länger die Strecke.

Querläufer: Wie kommt man darauf, etwas wie den JUNUT, einen Lauf mit 230 Kilometern Länge zu organisieren?
Gerhard Börner: Ein Zufallsprodukt. Ich war mit meiner Frau Margot in Dietfurt an der Altmühl zum Essen. Dabei wurde ich auf den Wanderweg Jurasteig aufmerksam. Den begehen Wanderer normalerweise in elf Tagesetappen. Ich dachte, das sollte auch an einem Stück gehen (lacht), daraus wurde dann der JUNUT.

Bernd Spring und Edgar Hahn waren beide im letzten Jahr beim JUNUT dabei. Bernd erzählt mir von seinen Schlittenhunden. Acht an der Zahl. Die Hündin Sariah, eine erfahrene Ultraläuferin, hat er heute mitgebracht. Bildhaft berichtet Edgar vom Watzmann-Triathlon. Noch nie gehört. Klar, es war eine Privatveranstaltung mit einem Freund. 190 Kilometer mit dem Rad zum Königssee, sech Kilometer schwimmend durch durch den Königssee bis St. Bartholomä und am nächsten Tag die Bergtour auf den Watzmann.

Querläufer: Wie bereitest Du Dich auf einen Ultra vor?
Gerhard Börner: Ich laufe nicht auf Zeit, sondern um anzukommen. Ich habe kein spezielles Training, sondern laufe einfach regelmäßig. Zwei- bis dreimal pro Woche, so gut wie nie weniger als 15 Kilometer.

Nach sieben Stunden Laufzeit (inklusive Pausen) sind wir wieder in Schwabach am Fitness-Center. Nach dem Duschen konnten wir beim Abendessen den Tag noch einmal Revue passieren lassen. Geehrt wurden die "All-Time-Finisher", die an allen fünf Wiederholungen des SWU dabei waren. Der Tag endete, wie er begonnen hatte: Ohne Leistungsdruck, ohne Bestzeiten und ohne Siegerpokal.

Querläufer: Wie geht es weiter mit dem SWU?
Gerhard Börner: Den wird es in ähnlicher Form zumindest 2015 wieder geben.

Run happy and smile!
Euer Querläufer