Die Handballfrauen des HSV Bergtheim sind in der Bayernliga die aktuell stärkste Mannschaft und vor allem zuhause eine schier unbezwingbare Macht. Das musste nach einigen namhaften Mannschaften nun auch die Turnerschaft Herzogenaurach feststellen, die bei ihrem Gastspiel eine deutliche 23:38-Niederlage kassierte. Apropos eigene Halle: Die Partie am Samstag war die letzte, denn die Spielstätte wird nun abgerissen, was auf Seiten des Gastgebers gemischte Gefühle ausgelöst hat angesichts der jahrelang tollen Atmosphäre dort. Nachdem auch ihr Trainer Kreisel zum letzten Mal für ein Heimspiel des HSV verantwortlich war, wollten ihm die Spielerinnen zudem einen Ausstand nach Maß liefern, was ihnen gegen eine verunsicherte TSH dann auch eindrucksvoll gelang.

HSV Bergtheim - TS Herzogenaurach 38:23

Die Gäste mussten auf Nina Bestle ebenso wie auf Tanja Schorradt verzichten.
Die erst im November 2012 zur TSH gestoßene Modellathletin Schorradt mit Zweitliga-Erfahrung beginnt ein Medizinstudium in Hessen und steht den Herzogenaurachern somit nicht mehr zur Verfügung. Zwar wehrten sich die TS-Frauen zunächst nach Kräften und wie üblich in der Anfangsphase auch durchaus auf Augenhöhe, doch als die Konzentration nur kurz verloren ging, wurde das vom HSV gnadenlos zum eigenen 11:5-Vorsprung in der 20. Minute ausgenutzt.
Fortan war die TSH zwar um Schadensbegrenzung bemüht, doch dafür hatten die Gastgeberinnen kein Verständnis. Fair, aber enthusiastisch vom Publikum getragen, zeigten sie auf, wie hochwertig Frauenhandball sein kann. Dies war für die Herzogenauracherinnen deswegen besonders schmerzlich, weil sie selbst in der Vergangenheit mit eben diesen Tugenden immer wieder zu begeistern wussten, in den letzten Wochen jedoch ziemlich aus der Spur geraten sind. Hermannstädter versuchte, die Defensive mehrfach dem Geschehen auf dem Platz anzupassen. Doch egal, was er versuchte, der HSV hatte auf alles eine Antwort.
Selbst der mehrfache Torwartwechsel von Mauritz zu Scheidler und zurück blieb ohne jede Wirkung, zu hilflos und konfus präsentierte sich die bisher zweitbeste Abwehr der Liga in Bergtheim. Zudem führten unzählige einfache Ballverluste immer wieder zu "Gegenstoßüberfällen" der Bergtheimerinnen, bei denen Mauritz und Scheidler allein auf weiter Flur standen. Dabei trat einmal mehr zu Tage, was ihren Coach am meisten enttäuschte: dass sich das Team zuletzt immer wieder in Einzelteile auflöste, wenn die Gegner ins Rollen kamen. Unglaubliche 27 Fehlwürfe, darunter auch mancher Pfostentreffer, trugen ebenso zu den viel zu schnellen Ballverlusten bei.
"Ich war mit der Leistung von Janka Kräck - sie hat alles richtig gemacht - ebenso zufrieden wie mit der von Andrea Berner, die zwar auch immer unsicherer wurde, aber nie aufsteckte", sagte Udo Hermannstädter. "Rechtsaußen waren wir aber zu harmlos, und dass Christina Wölfel vor der Pause aus dem rechten Rückraum sehr erfolgreich war, später aber auf ihrer Schokoladenseite im linken Rückraum nicht nachlegte, macht unsere Probleme aus der Weitwurfzone deutlich." Der Trainer kritisierte zudem die fast vollständige Isolierung der bärenstarken Lena Mergner durch die eigenen Mitspielerinnen, die so gut wie keinen Versuch unternahmen, die Kreisläuferin anzuspielen, obwohl sich das vielfach anbot.
"Wir haben uns über weite Strecken der Vorrunde neuerlich einen sehr guten Namen in der Liga erworben. Nun müssen wir in den letzten drei Begegnungen höllisch aufpassen, dass wir nicht diese Negativstimmung in der Sommerpause zu verarbeiten haben, sondern nochmals den Hebel umlegen, was ich meiner Mannschaft auch zutraue."