Jochen Brosig vom FSV Großenseebach trifft sich regelmäßig mit Sportlern der Region auf deren Lieblingslaufrunde. Dabei geht er auch immer wieder neue Laufwege. Ob regionaler Kirchweihlauf oder internationaler Marathon spielt keine Rolle. Jetzt wagte er sich zum ersten Mal nach Amsterdam: die Hauptstadt der Niederlande, die Stadt der Künstler, der Grachten und natürlich der Radfahrer. Auf Einladung der Laufabteilung des SC Kemmern um deren Frontrunner Klaus Geuß ging es mit dem Bus nach Amsterdam.

" Willst Du nicht auch einmal in Amsterdam an den Start gehen?", fragte mich mein Freund Klaus. Eine bezaubernde Stadt mit ihren Grachten und den schiefen Häusern, weil auf Pfählen gebaut. Schon war mein Interesse geweckt. Irgendwann war die ganze Läuferfamilie vom Amsterdam-Fieber angesteckt. Von der Kuckucksläuferin Martina war die Reise bestens organisiert. So konnte es losgehen. Amsterdam wir kommen!

Querläufer: Dich und deine Kemmerner trifft man auf vielen Volksläufen in der Region. Und es werden immer mehr Mitglieder. Steigende Teilnehmerzahlen beim Kuckuckslauf, überfüllte "Lauf 10"-Kurse und der Maintal-Cross.

Klaus Geuß: Ja, das hatte ich bei der Gründung der Abteilung mit anfangs zwölf Mitgliedern auch nicht gedacht. Gewünscht hatte ich mir es schon. Die Fahrt nach Amsterdam ist unser Vereinsausflug.

Die Anreise klappt perfekt. Unsere Busfahrer Harald und Stefan chauffieren uns bequem im Doppeldeckerbus. Nach dem Einchecken ist Sightseeing angesagt. Stadtrundfahrt mit Reiseleiterin Anna durch die einwohnerstärkste Stadt der Niederlande. Van-Gogh-Museum, Rembrandt-Haus, Keizers-Gracht, Concertgebouw - wir lassen nichts aus. Unsere Tour endet an der katholischen Basilika St. Nikolaus. Von dort aus geht es in die verwinkelten Gässchen der Altstadt zum Abendessen. Ein Restaurant neben dem anderen. Wir haben die Qual der Wahl.

Querläufer: Ob Kuckuckslauf oder Amsterdam-Reise, bei euch ist immer alles perfekt organisiert.

Thomas Busse: Unser Teamgeist ist hervorragend. Nur so geht es. Alle packen mit an. Neben allem sportlichen Ehrgeiz verbindet uns ein ausgeprägter Hang zur Geselligkeit. Da wird dann auch ordentlich gefeiert.

Wie immer am Tag vor einem Marathon kribbelt es besonders. Deshalb sind außer Marathonmesse und Startunterlagen-Abholen wenig Programmpunkte geplant. Am Vormittag besichtigen wir eine Käserei und eine Holzschuhwerkstatt. Anschließend sehen wir uns bei einer Grachtenfahrt vom Wasser aus die Stadt an. Möglichst wenig herumgehen heißt die Devise. Für die Querläufer-Familie nicht ganz so wichtig, da wir alle drei beim Halbmarathon gemeldet sind. Abends werden bei einem Italiener die Kohlenhydratspeicher mit Pizza oder Nudeln gefüllt. Danach geht es zeitig ins Bett. Die Aufregung steigt langsam.

Querläufer: Was macht für dich die Anziehungskraft von Amsterdam aus?

Uli Brehm: Es ist eine sehr schöne Stadt. Die verwinkelten Gässchen, die Grachten... Da ich dieses Mal selbst nicht laufe, bin ich als Unterstützer an der Strecke. Anfeuern, Motivation geben. Gerade ab Kilometer 30 ganz wichtig für die Läufer.

Sonntagmorgen. Kühle Temperaturen und ein leichter Wind. Der Himmel bewölkt. Für mich bestes Laufwetter. Vor unserem Start sehen wir noch die Marathon-Zieleinläufe von Lawrence Cherono (neuer Streckenrekord in 2:04:06 Stunden), Damensiegerin Tadelech Bekele (2:23:14) und von Sandra Haderlein vom SC Kemmern mit neuer persönlicher Bestzeit (2:50:12). Gleich geht's los. Etliche Bands und Musikgruppen sowie die vielen Zuschauer sorgen auf der Strecke für Stimmung. In Amsterdam wird es nie langweilig. Immer wieder stehen Musikanten am Streckenrand. Auf unserem Weg wechseln sich Sehenswürdigkeiten mit enthusiastischen Zuschauern ab. Der Zieleinlauf ist im Olympiastadion.

Querläufer: Dein erster Halbmarathon. Was sagst du zur Strecke?

Jonas Brosig: Schöne Strecke. Flach, vielleicht manchmal etwas zu eng für die vielen Starter. Dank der vielen Zuschauer wird es nie langweilig. Ich bin einfach froh, dass ich es geschafft habe.

Natürlich sind am Montag die Beine schwer. Bequem geht es im Bus wieder nach Hause. Wir feiern Bestzeiten und tauschen Lauferlebnisse aus. Die Hochs und Tiefs werden besprochen. Die Kilometersplits verglichen. In Siegerlaune wird das Lied "Komm wir fahren nach Amsterdam" angestimmt. Dazu haben wir genügend Zeit. Fazit: Für Marathonstadtreisende ist der Amsterdam-Marathon sehr zu empfehlen.

Run happy and smile!

Euer Querläufer