Zu Beginn deutete sich ein extrem unangenehmer Nachmittag für die Bayernliga-Handballerinnen der Turnerschaft Herzogenaurach an, doch letztendlich wurde der Tabellenführer seiner Favoritenrolle gerecht und wies den 1. FC Nürnberg deutlich in die Schranken.


TS Herzogenaurach - 1. FC Nürnberg 36:16

Rund 15 Minuten lang - bis zum Spielstand von 7:7 - war nicht ersichtlich, wer eben erst aus dem Tabellenkeller geklettert war und wer aktuell die Liga anführt. Mit einem gut eingestellten 5:1-Abwehrverband unterbanden die Gäste relativ einfach die Angriffsbemühungen des Kästl-Teams und provozierten eine Flut an technischen Fehlern. Da zu diesem Zeitpunkt auch von der ersten und zweiten Angriffswelle des Favoriten kaum etwas zu sehen war, verursachten die jungen Nürnbergerinnen bei ihrem Gegner mehr Hektik als erwartet.
Wären sie bei ihren Angriffsbemühungen etwas durchsetzungsfähiger gewesen, der Spielverlauf hätte ein komplett anderer werden können. Zum Glück für die Gastgeberinnen waren Taktik und Wurfversuche der "Clubberer" zu hausbacken und zu durchsichtig. Und so kam die TSH dann doch ins Rollen. Fast schlagartig klappten Tempogegenstöße, und diese schnellen Übergänge aus der Abwehr heraus führten nun auf Seiten der Gäste zu serienweise technischen Fehlern. So reichte es der TSH, mit fortan konsequenter Abwehrarbeit nur auf die Unzulänglichkeiten des Gegners zu lauern, der schon bis zum Halbzeitpfiff relativ abgeschlagen mit sieben Toren in den Rückstand geriet (9:16).

Der eigentliche Klassenunterschied wurde in den zweiten 30 Minuten offensichtlich: Die Nürnbergerinnen konnten keinen Druck mehr aufbauen, stellten das Spiel über außen völlig ein und reagierten genervt darüber, dass ihnen die Gegenspielerinnen reihenweise davonliefen. Hier tat sich einmal mehr Saskia Probst hervor, die sich insgesamt 15-mal in die Torschützenliste eintrug. Kaum weniger effektiv waren Tanja Küffner oder auch Sarah Stephan. Und was besonders bemerkenswert war: Die tollen Anspiele in die Spitze kamen kaum - wie sonst üblich - von Torfrau Martina Ebersberger. Stattdessen waren es die Feldspielerinnen selbst, die bei vollem Sprint mit schnellen Passfolgen das Tor ihres Gegners "sturmreif" warfen.
Nun klappten auch zahlreiche herrliche Aktionen im Positionsspiel, und hatte man zuvor die junge Sarah Wedrich spürbar vermisst, konnte Carole Mittelheisser diese Position im rechten Rückraum im Wechsel mit Probst recht gut ausfüllen. Es ist schon sehr eindrucksvoll, wie sich das Kästl- Team nach mehrfach zähem Auftakt doch immer wieder selbst zu befreien und sein technisch anspruchsvolles Tempospiel durchzubringen versteht.
Ganz im Gegensatz dazu der 1. FC Nürnberg, bei dem die sonst überragende Tomandl überhaupt nicht ins Spiel fand. Nur Wild beeindruckte vereinzelt Torfrau Ebersberger, ansonsten waren die Gäste nach 15 Spielminuten kein echter Prüfstein mehr. Selbst ihre taktische Variante mit dem siebten Feldspieler verpuffte schon beim ersten Versuch - die TSH kam prompt zu einen Wurf in das leere Tor.

Längst besticht der Tabellenführer mit seiner Ausgeglichenheit, die am Sonntag auch das Fehlen von Wedrich, Merz, Kräck, Mittasch und Torfrau Bernhardt gut zu kompensieren verstand. Ein Sonderlob verdiente sich zweifellos Tanja Küffner mit einer couragierten Leistung und tollen Treffern von der rechten Außenposition. Ganz erfreulich auch die Leistung von Vicky Egle, die in ihrem zweiten Spiel nach 15 Monaten Verletzungspause am Umschwung nach den ersten 15 Minuten maßgeblich beteiligt war. "Es war richtig geil, wieder dabei zu sein und mitzuhelfen Das Knie hat gehalten und mich im Spiel auch nicht beschäftigt."

Trainer Hans-Jürgen Kästl analysierte dagegen trocken: "Der Start war zäh und der Stimmungslage bei einem Derby angepasst. Vorne fehlten uns anfangs die richtigen Ideen und hinten waren wir zu offen. Dann jedoch fanden wir über die Deckung ins Spiel, der Gegner kam fast zehn Minuten zu keinem Treffer mehr. Wir haben auch später nicht nachgelassen, und so hat das Spiel Spaß gemacht." Dass neben Ebersberger keine zweite Torfrau an Bord war, störte den Coach nicht. Seiner Ansicht nach habe er zwei bis drei Feldspielerinnen an Bord, die im Notfall hätten einspringen können.

TSH: Ebersberger - Mittelheisser (3/1), Stephan (3), Egle (2), Probst (15/5), Mergner (1), Bestle (1), Erdmann (2), Lang (1), Theobald (3), Küffner (5)