Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen startet, der trifft interessante Menschen. Heute bewegt sich der Querläufer Jochen Brosig in Österreich abseits von jeglichem Wettkampfstress mit seinem langjährigen Weggefährten Manfred Rattner und dessen Freund Andrew McIntosh auf dem Großglockner-Radweg R8 durch das Mölltal in Kärnten.

Querläufer:Der Großglockner-Radweg ist nicht euer erstes gemeinsames Projekt, oder?
Manfred Rattner: Mein Trainingspartner Andy und ich wollen den Alpe-Adria-Trail nicht erwandern, sondern erlaufen. Ziel ist, immer zwei Etappen an einem Tag zu absolvieren. Alleine in Kärnten sind 334 Kilometer und 18 000 Höhenmeter auf 21 Etappen zu bewältigen. Die sind mittlerweile abgehakt. Jetzt sind wir in Italien angelangt.

Doch heute sind wir auf dem Glockner-Radweg unterwegs.
Unser Auto parken wir in Lendorf, unserem heutigen Zielort. Von dort geht es mit dem Bus nach Flattach. Direkt an der Raggaschlucht starten wir unsere Tour. Sonnenschein, blauer Himmel und angenehme Temperaturen lassen uns gutgelaunt ins Mölltal starten. Es geht am rechten Möllufer stetig leicht abwärts nach Samslach.
Dort folgen wir dem Alpe-Adria-Trail für drei Kilometer bis Obervellach. Bei meinen Laufpartnern werden Erinnerungen wach. Der Radweg führt uns vorbei an saftigen, grünen Wiesen zur Groppensteinschlucht und weiter nach Obervellach. Direkt neben dem Tourismusbüro läuft gerade die Nationalpark-Ausstellung Hohe Tauern. Sie berichtet vom Goldrausch im Mittelalter oder dem Niedergang des Bergbaus in der kleinen Eiszeit.

Querläufer:Extrem-Touren durch die Natur haben dich schon immer angezogen?
Rattner: Stimmt. Aus harmlosen Ausflügen mit dem Alpenverein Bubenreuth wurden große Touren, Extrem-Wanderungen bis zu 80 Kilometer. Wir sind an einem Tag von Großenseebach nach Gößweinstein gelaufen und wieder zurück. Ein Mitwanderer erzählte mir von seinem Marathon in drei Stunden und 45 Minuten. Ich habe mich gefragt: Kann ich das auch? Egal ob Skitour, Klettersteig, Mountainbike oder Berglaufen. Es gibt nichts Schöneres, als in den Bergen unterwegs zu sein.

Auf der linken Seite thront die Burg Falkenstein. Vorbei am Friedhof in Penk laufen wir über Kolbnitz nach Mühldorf. Westlich von Kolbnitz liegt der Danielsberg. Eine keltische Kultstätte. Immer sanft abfallend entlang der Möll, ab und zu ein kurzer Anstieg, schlängelt sich der Radweg durchs Tal. Vor uns liegt der Danielsberg.

Querläufer:Mit dem Danielsberg hatte ich nicht gerechnet. Es sollte doch eine "flache" Route werden?
Andrew McIntosh: Keine Sorge, wir laufen am Danielsberg rechts vorbei. Das Gebiet war einst von Römern besetzt. Ihre Spuren findet man heute noch: zum Beispiel die Römerstraße und Überreste eines Herkulestempels auf dem Danielsberg.

Bevor wir Mühldorf erreichen, passieren wir den Möllstausee. Von dort ist es nicht weit zur Barbarossaschlucht. Seit über 100 Jahren erschließt eine liebevoll angelegte Steiganlage die Schlucht und führt über Stege und Brücken, vorbei an Wasserfällen und Kaskaden, bis zum sogenannten "Barbarossatisch". Hier lädt ein Felsentisch, geschützt unter einem gewaltigen Fels, zu einem gemütlichen Picknick ein. Der Sage nach soll hier Kaiser Barbarossa Rast gehalten haben. Dafür haben wir heute keine Zeit. Entlang der Möll joggen wir nach Möllbrücke, wo die Möll in die Drau mündet. Lendorf, unser Ziel, ist schon in Sichtweite. Bei Rosenheim überqueren wir die Drau und haben die knapp 34 Kilometer hinter uns.

Querläufer:Wo andere Urlaub machen, dort lebt ihr. Beneidenswert. Was ist dein Fazit?
Manfred Rattner: Jeder, wie er es verdient. Eine landschaftlich wunderbare Strecke mit einigen Steigungen. Komm' doch einmal mit auf den Alpe-Adria-Trail. Du wirst es nicht bereuen. Und allen Freunden zu Hause: Sonnige Grüße aus Kärnten!