Eigentlich sollten Handball- Abteilungsleiterin Christine Odemer, Trainer Udo Hermannstädter sowie die Spielführerinnen Lena Mergner und Luisa Frank die bislang beste Bayernliga-Hinrunde der TSH-Frauen analysieren, die trotz des kleinen Kaders gelang. Dann aber platzte die Nachricht in die Runde, wonach sich Torhüterin Martina Ebersberger Anfang Januar einem neuerlichen Eingriff am vor einem Jahr so heftig verletzten Kniegelenk unterziehen muss.

Die Trainingsanforderungen fielen ihr in den letzten Wochen zunehmend schwer, das Knie erlaubte Ebersberger nur noch Einsätze bei den Spielen - eine unbefriedigende Situation. Während der Kreuzbandriss wohl einwandfrei behoben werden konnte, vermutet der behandelnde Orthopäde ein neues Problem am Innenmeniskus, eine Arthroskopie soll Klarheit bringen. Dabei steht gerade auch Ebersberger, die zu den besten Torfrauen der Liga zählt, in hohem Maße für den tollen dritten Platz der Herzogenauracherinnen nach elf Spieltagen und 17:9 Punkten. Doch auch das Abwehrverhalten der Feldspielerinnen wurde in den letzten Spielen immer stabiler und man hatte das Gefühl, als habe das Team richtig Bock auf die Defensivaufgaben bekommen.

Klatsche rüttelte wach

Die Belohnung ist aktuell eine Platzierung noch vor den personell so stark besetzten Vereinen von Bayreuth, Fichtelgebirge oder auch Etwashausen. Gemeinsam mit dem eigentlichen Meisterschaftsfavoriten HSG Fichtelgebirge ist die TS sogar die "Mannschaft des Dezembers", wobei ausgerechnet die Pokalbegegnung zwischen den beiden Kontrahenten im November richtungsweisend war.

Die in die Abstiegsränge taumelnde HSG zerlegte das Hermannstädter-Team damals mit 37:23 Toren und bekam dadurch einen solchen Aufwind, dass nachfolgend nur noch ein Punktspiel verloren ging und eine gute Ausgangssituation geschaffen wurde. Die TSH hingegen war hernach um Wiedergutmachung bemüht und gewann ihrerseits sogar alle fünf Begegnungen. Hermannstädter nannte als einen Grund für die positive Entwicklung, dass die Trainingsbeteiligung zuverlässiger war als in den Jahren zuvor.

Mergner und List erklärten dies auch damit, dass man aktuell nur zwei Pflichteineinheiten pro Woche trainiert, diese dann aber komprimierter und zielstrebiger als zuvor, während eine dritte Einheit individuell gestaltet wird. Diese Straffung bei der Umsetzung gruppentaktischer Elemente sowohl im Trainingsbetrieb wie auch in den Spielen trage dazu bei, dass sich das Verständnis in allen Belangen verbessert habe. Zwar sei man sich bewusst, dass angesichts der kleinen Personaldecke keine Ausfälle über einen längeren Zeitraum passieren dürfen, bei einem kurzfristigen Verzicht sei man aber flexibel einsetzbar.

Dem schloss sich ihr Trainer an: "Ich habe früher bei der größeren Anzahl an Spielerinnen zu viel rotiert, heute ist die Verständigung im Spiel besser." Ein Manko, welches zwar ebenfalls etwas abgebaut wurde, aber die Mannschaft vereinzelt heute noch um den Lohn des Aufwands bringt, sind die technischen Fehler auf dem Wege zum gegnerischen Tor als auch beim Positionsspiel.

Die einfachen Treffer fehlen

Mergner und List schließen nicht aus, dass dabei Nervosität eine Rolle spielt und man darauf eventuell im Training vermehrt eingehen müsse. Hermannstädter meint hingegen, sein Team habe in der Vorwärtsbewegung abgebaut. Bis vor zwei Jahren zählte die TSH zu den erfolg reichsten Teams mit der ersten und zweiten Welle, dies habe leider deutlich nachgelassen. Es fehlen die einfachen Treffer, die dem Gegner in der Regel vor allem psychologisch zusetzen.

Für die Spielführerinnen ist es umgekehrt erfreulich, dass bei fast jedem Spiel alle Feldspielerinnen zu den Torschützen zählen. Der 17-jährige Neuzugang Annabella Franziska Thom wird auch bald in dieser Liste erscheinen, sind sich die Verantwortlichen sicher. Gleichwohl ist man sich klar, dass noch viel Detailarbeit nötig ist und man das Talent auf keinen Fall verheizen dürfe. Letztlich liegt es auch an der Ex- Sulzbacherin, sich mit Eigeninitiative noch mehr einzubringen.

Christine Odemer sprach vor dem Saisonbeginn die Erwartung aus, dass die "Mädels mal nicht wie die Überflieger starten" (im ersten Saisondrittel ganz oben, um dann durchgereicht zu werden) und stattdessen etwas mehr Kontinuität zeigen. Und genauso kam es bisher auch, was die Abteilungsleiterin ausdrücklich würdigte. Sie wie auch der Trainer und die beiden Spielerinnen wissen um die Schwere der Rückrunde, gerade nach dem neuerlichen Ausfall von Ebersberger.

Sonntagsausflug in die Halle

Man hofft, dass sich Seniorin Ellen Mauritz erneut zur Verfügung stellt, wohl wissend, dass sie nicht nur familiäre Verpflichtungen erfüllen muss, sondern sich auch mit schmerzendem Gelenkverschleiß herumplagt. Sollte das aber ähnlich gut klappen wie in der Vorsaison, kann die TSH weiter überraschen.

Als Favoriten auf den Meistertitel sehen die Herzogenauracher die bislang enttäuschenden HaSpo Bayreuth, Fichtelgebirge, Winkelhaid und den TSV Ismaning, den man zum Rückrundenauftakt am 12. Januar erwartet: "Es wäre doch eine schöne Sache, wenn die Herzogenauracher bei einem Sonntagsspaziergang um 14.30 Uhr zu uns in die Halle schauen und bei gutem Kaffee- und Kuchenangebot beobachten, wie interessant unser Sport ist", sagten Mergner und Frank, die auf möglichst viele Zuschauer hoffen.