Wer sich dem Gelände des ASV Herzogenaurach am Weiherbach nähert, dem fallen seit kurzem hohe Stangen auf einem gebogenen Rahmen auf. Durch diese so genannten "Goalposts" muss der Ball im American Football gekickt werden. Sie stehen anstelle von Fußballtoren am Rand des Platzes. Und auf diese speziellen "Tore" sind sie stolz bei den Rhinos, dem neu gegründeten American-Football-Team aus Herzogenaurach. Denn in der Aufbauliga, in die das Team am vergangenen Wochenende gestartet ist, wird meist nur mit improvisierten Stangen als Verlängerung der Pfosten von Fußballtoren gespielt.

Es ist vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber sie zeigt, wie ernst es den Jungs um Niklas Benz, der als Abteilungsleiter seit April 2018 die Anbindung zum ASV herstellt, mit ihrem Sport ist. Sie wollen American Football in der Sportstadt Herzogenaurach langfristig etablieren. Angefangen hat diese Leidenschaft vor gut drei Jahren. Damals trafen sich ein paar Jungs auf den Wiesen und Bolzplätzen der Stadt, um ein paar Bälle zu werfen. Daraus entwickelte sich ein Flag-Football-Team. Flag Football ist die körperlose Variante des American Football, mit einem etwas vereinfachten Regelwerk und ohne die Offensiv- und Defensivreihen, die sonst bei jedem Spielzug mit voller Wucht aufeinanderprallen. Im Fokus steht dabei das offensive Spiel mit Läufen und Pässen. Recht bald kristallisierte sich aber heraus, dass es mit Flag Football nicht getan sein soll. Seit August des vergangenen Jahres arbeiteten die Rhinos am Aufbau einer richtigen American-Football-Mannschaft.

Coach mit Bundesliga-Erfahrung

Bei diesem Vorhaben konnten und können sie an der Seitenlinie auf erfahrene Unterstützung zählen. Der Trainer der Rookie-Truppe, Joachim Gerlach, ist seit fast 40 Jahren im Football-Geschäft. Gerlach gewann als junger Spieler 1981 mit den Ansbach Grizzlies die deutsche Meisterschaft, kurz darauf zählte er zu den Mitbegründern der Nürnberg/Noris Rams, mit denen er viele Jahre in der Bundesliga antrat. Der heute 56-Jährige spielte zudem in der deutschen Nationalmannschaft und bei den Munich Cowboys, bei denen er später Position Coach war.

Nun will er den Jungspunden in Herzogenaurach, wo er seit einigen Jahren lebt, das Spiel beibringen. "Die größte Überwindung dabei ist, den harten Körperkontakt anzunehmen" so Benz. Auch Gerlach sieht darin die größte Herausforderung. "Im Training und in den Testspielen sah das zwar schon ganz gut aus, aber man muss abwarten, wie die Jungs im richtigen Spielbetrieb damit fertig werden." Die Rhinos haben zwar mit fast 60 Aktiven einen großen Kader, aber bis auf zwei, drei erfahrene Spieler nur Neulinge im Team. Und Erfahrung sei im American Football sehr wichtig. Man könne sich das ungefähr wie bei einem neuen Auto vorstellen. "Das muss man auch erst einmal einfahren", sagt Gerlach.

Dennoch hat der erfahrene Trainer ein gutes Gefühl vor der Premieren-Saison. "Die anderen Mannschaften sind zwar schwer einzuschätzen, aber ich möchte am Schluss unter den ersten drei Teams landen", setzt Gerlach die Messlatte in der 7er-Liga recht hoch. Niklas Benz, den der Coach als "Seele der Mannschaft" lobt, hält sich mit der sportlichen Zielsetzung etwas zurück. "Wir wollen nicht nur dabei sein und die Spiele so eng wie möglich gestalten", so der 23-Jährige. Letztendlich wäre er aber schon mit ein oder zwei Siegen zufrieden.

Ihm ist mindestens genauso wichtig, den Sport in Herzogenaurach als attraktive Alternative zum Fußball aufzubauen. Bisher sei die Resonanz darauf sehr gut, der Verein konnte schon einige Sponsoren gewinnen. Die Spieltage sollen auch abseits des Platzes Unterhaltung bieten. So plant man unter anderem Football-Spiele für Anfänger, einen Rhinos-Burger als Verpflegung, und eine Cheerleader-Gruppe, bei der sich Mädchen ab 16 Jahren melden können, hat sich auch bereits gefunden. Die Herzo Rhinos scheinen also auf einem guten Weg zu sein.