Ein kurzer Blick genügte. Während die Zuschauer noch rätselten, wer denn nun der Sieger des 1000-Meter-Laufs "Race of Champions" ist, war Günter Ruppert als Erster im Bilde. Der Trainer der LG Eckental stellte mit seinem Verein bei "Leichtathletik meets Livemusik", dem Meeting des LSC Höchstadt, die Technik für die Zeitnahme und bediente den Computer, der die Bilder der extra errichteten Hochgeschwindigkeitskamera auswertete.

"Martin Grau hat nicht gewonnen", teilte er kurz mit, ehe er mit einem Mausklick die Zeit ermittelte, die den Südafrikaner Jerry Moltsau (LV Gera) und den frischgebackenen deutschen Meister über die 3000-Meter-Hindernis letztlich trennte. Das Ergebnis: vier Hundertstel. "Jerry ist ein richtig Guter und auf der Mittelstrecke deutlich besser als ich", sagte Grau.
"Trotzdem ist es natürlich ärgerlich, dass es am Ende dann ganz knapp nicht gereicht hat."

Tempo zu langsam

Starten durften ausschließlich Läufer mit einer Meldezeit unter 2:35 Minuten - eine Norm, die gleich fünf Höchstadter erfüllten. Der 23-jährige Ausnahmeläufer des LSC hatte auf ein schnelles Rennen gehofft, merkte nach den ersten 200 Metern jedoch, dass sein Mitkonkurrent offenbar kein hohes Tempo gehen wollte. "Die letzte Runde musste ich dann Gas geben, damit es noch eine ansprechende Zeit gibt", erklärte Grau. "Ich hatte gehofft, mir vielleicht einen so großen Vorsprung zu erlaufen, dass Jerry mich nicht mehr einholen kann, doch ich war dann leider diesen einen Schritt zu langsam."

Während er nach 2:23,88 Minuten über die Ziellinie lief, folgte sein Zwillingsbruder Bastian als Dritter rund zwei Sekunden später (2:26,17). "Das war schon überraschend", freute sich Markus Mönius. Der Höchstadter Trainer und Hauptorganisator des Meetings lobte vor allem die Moral, mit der sich Bastian Grau immer wieder von Verletzungen erholt. "Er hatte ja fast nur die Hälfte der Trainingszeit unserer anderen Läufer. Das zeigt schon sein großes Talent."

Kürzdörfer sagt ab

Einen Namen suchten die Zuschauer auf der Meldeliste jedoch vergebens, denn LSC-Läufer Marco Kürzdörfer, der in den vergangenen beiden Jahren den Siegerpokal entgegennehmen durfte, verzichtete vorsorglich auf den Start. "Marco hat am Dienstag noch bei den Vorbereitungen mitgeholfen, dort aber schon gesagt, dass er sich schlapp fühlt und sich wohl eine Erkältung anbahnt", erklärte Mönius. Im Hinblick auf die heute beginnenden deutschen Staffelmeisterschaften in Jena (bis Sonntag) gelte es, sich zu schonen, um dort genügend Kraft und Ausdauer zu haben.

Die hatte Martin Grau schon vor seinem Lauf gezeigt, als er seine Autogrammstunde bereitwillig immer weiter verlängerte und am Ende rund 45 Minuten gut gelaunt auf Taschen, Fotos oder Startnummern der jungen Teilnehmer unterschrieb - die ihm munter nacheiferten. Insgesamt 226 Athleten hatten den Weg zum Sportgelände an der Ziegelhütte gefunden. Dort präsentierten sie ihr Können nicht nur auf der Laufbahn, sondern auch beim Weitsprung, Kugelstoß sowie Diskus- oder Speerwurf. Erneut nicht aufzuhalten war unter anderem Lea Heidenreich (LSC Höchstadt), die sich im 100-Meter-Rennen der Altersklasse W15 klar in 12,86 Sekunden durchsetzte.