Im Jahre 1977 fand sich ein kleines Häufchen vereinsamter Ehemänner zusammen. Während sich ihre Frauen mit Gymnastik fit machten, wollten sich die Männer ebenfalls sportlich betätigen. Die Keimzelle für die Laufgruppe, aus der Manfred Rattner 15 Jahre später das Langstreckenteam formte, war gelegt.

Zu den Gründungsvätern zählte neben Christian Seeliger und Jürgen Teibach der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde, Friedrich Hückel. Das anfangs kleine Häufchen der "Waldläufer" wuchs rasch zu ansehnlicher Größe heran. Zu Beginn waren es noch relativ kurze Strecken, wie die erste Moorhofumrundung über 10,6 Kilometer. Aber auch damals gab es schon sportliche Ambitionen. Schillerndste Figur in den achtziger Jahren war Ludwig Seifert. Er war zu dieser Zeit das Maß aller Dinge. Seine Marathonzeit von 3:08:30 Stunden im Alter von 56 Jahren zählt heute noch zu den Topleistungen.

Querläufer: Was hast du für Erinnerungen an die Anfänge der Laufgruppe?
Jürgen Teibach: Dass sich bereits in dieser Phase ein leistungsorientiertes Laufen mit Zeit- und Tempoaufzeichnung abzeichnete. Zum Beispiel wurde vermerkt: "schnellste Zeit über Moorhof: 53 Minuten".

Das Jahr 1992 erlebte mit der Gründung des Langstreckenteams eine neue sportliche Orientierung. Manfred Rattner wollte etwas auf die Beine stellen. Er hatte sich für diese Aufgabe umfassend gerüstet. Und er ging sie professionell an: Er stattete seine damals etwa 20 Schützlinge mit Pulsmessern aus und verordnete ihnen ein systematisches Trainingsprogramm, dass in der Woche eine lange Strecke über mindestens 20 Kilometer, eine intensive Einheit länger als 15 Kilometer und ein Intervall-Training vorsah.

Rattner war bei jedem Training präsent und kontrollierte Tempo und Intensität. Ruhepuls, Belastungspuls oder Streckenprofil wurden von ihm am Computer peinlich genau protokolliert. Auf dieser Datengrundlage gelang es ihm im Lauf der Zeit, genau zu prognostizieren, welcher FSVler welche Zeit bei einem Wettkampf laufen würde. Seit dieser Zeit hat die Gruppe das läuferische Geschehen auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene deutlich mitgeprägt.

Querläufer:Wie hast du die Anfänge des Langstreckenteams erlebt?
Walburga Mayers: An einem Dienstag im Februar 1992 kam einer zum Training. Der zeigte mit dem Finger auf uns und sagte: "Du, du und du! Ihr drei lauft heute mit mir!" Bis dahin wusste ich nicht einmal seinen Namen. Das war der Manfred und somit der Start des wettkampforientierten Trainings.

Waren es früher überwiegend die Männer, so garantieren heute auch die Damen sportliche Erfolge auf höchster Ebene. Brigitte Bärnreuther (145 Mal Erste), Margret Teibach (100), Elisabeth Beer (84), Walburga Mayers (77) und - der erste Mann - Manfred Rattner (55) sind die internen Spitzenreiter, was den Platz ganz oben auf dem Treppchen angeht. Auch die Zahl der Platzierungen im Gesamteinlauf kann sich sehen lassen. Am erfolgreichsten waren wiederum die Damen: Astrid Karnikowski mit 19, Brigitte Bärnreuther mit 16 und Walburga Mayers mit neun Gesamtsiegen.

Querläufer:Was macht für dich das Langstreckenteam aus? Warum bist du dabei?
Brigitte Bärnreuther: Ich kann meinen Bewegungsdrang mit Gleichgesinnten ausleben und es macht mir Spaß, unsere Erfolge im Internet zu präsentieren.

Das Langstreckenteam hat aber auch gezeigt, dass es neben der Strecke fit ist. 15 Mal wurde das Seebachmeeting durchgeführt. Das letzte Mal wurde es im Jahr 2013 von Birgit Toth organisiert. Es war über den Landkreis hinaus ein fester Termin für viele Laufbegeisterte. Die Wettbewerbe bestanden aus Fitness- und Schülerlauf (2 km) sowie dem Hobbylauf (6 km). Außerdem zählte der 10 000-Meter-Hauptlauf zum Bayern-Lauf-Cup des Bayerischen Leichtathletik-Verbands.

Bei den ersten zehn Veranstaltungen gab es noch einen Halbmarathon. Vom Freizeitjogger bis zum Spitzenläufer kamen alle gerne wegen des flachen, größtenteils asphaltierten Rundkurses. "Eine schnelle Strecke", waren sich die Teilnehmer einig. In Großenseebach sind schon viele Starter ihre persönliche Bestzeit gelaufen. Jedoch wurde es nach der 15. Ausgabe mangels Helfer eingestellt.

Querläufer: Was hat dich angespornt, nach dem Langstreckenteam auch das Seebachmeeting aus der Taufe zu heben?
Manfred Rattner: Das beliebte Erlanger Frühjahrskriterium fand nicht mehr statt. Da kam mir der Gedanke, eine Laufveranstaltung in Großenseebach auszurichten.

Für einige Teammitglieder stehen außergewöhnliche Laufveranstaltungen fest im Jahreskalender. Der Rennsteiglauf über 72 Kilometer, die 100 Kilometer von Biel oder der Marathon über die Chinesische Mauer mit 18 337 Stufen. Kein Weg ist zu weit, keine Strecke zu beschwerlich. Ob unter Tage in einem Bergwerk oder in einer Justizvollzugsanstalt, die Aktiven des Langstreckenteams kennen keine Scheu.

Mittlerweile umfasst das Organisationsteam der Laufabteilung vier Personen: Jochen Brosig als Abteilungsleiter und Harald Fischer als sein Stellvertreter. Die Finanzen regelt Veronica Gottesbüren und für die Homepage zeigt sich Brigitte Bärnreuther verantwortlich.

Querläufer:Wie geht es mit dem Langstreckenteam weiter?
Jochen Brosig: Wir sind Ausdauersportler und haben einen langen Atem. Ich freue mich auf die nächsten zehn Jahre bis zum 50-Jährigen der Laufgruppe. Durch unser spezifisches Training sind wir erfolgreich. In den vergangenen Jahren sind immer wieder neue Langstreckenläufer zum Team gestoßen, die vom Training in der Gruppe profitieren. Betreut werden die Anfänger von Aktiven des FSV. Gemeinsamer Start ist jeden Dienstag und Donnerstag um 18.30 Uhr sowie sonntags um 9 Uhr beim Infoschild am Friedhofsparkplatz.

Run happy and smile!
Euer Querläufer