Es dauerte nur wenige Minuten, dann war das faszinierende Schauspiel vorüber. Ob sich deshalb nur so wenige Zuschauer am Straßenrand eingefunden hatten? Jedenfalls hätten die Radprofis auf ihrer finalen Etappe der Bayern-Rundfahrt durch Höchstadt mehr Jubel und Zuspruch verdient. In den Dörfern entlang der Strecke war offensichtlich wesentlich mehr los als am Vogelseck. Dabei war der Abschnitt von der Rothenburger zur Bamberger Straße wegen der Kurve ein besonders markanter Punkt des Rennens.

Die Begeisterung der wenigen Zuschauer war dennoch groß. Nach dem offiziellen Programm, das der Höchstadter Josef Beucher verteilte, mussten für die letzte der fünf Etappen 164,9 Kilometer zurückgelegt werden. Die Strecke führte von Feuchtwangen über Neustadt/Aisch, Uehlfeld, Lonnerstadt, Höchstadt, Etzelskirchen, Pommersfelden und Hirschaid nach Bamberg. In der Domstadt endete die Bayern-Rundfahrt (Die Ergebnisse finden Sie im Gesamtsport auf der Seite 23). In 19 Teams waren 133 Fahrer unterwegs.


Publikum aus Erlangen



Günter und Elke Lukas waren eigens die 40 Kilometer von Erlangen nach Höchstadt geradelt, um die starken Männer auf ihren schnellen Flitzern zu bewundern. Rosemarie Beucher, vom Radsport begeisterte Höchstadterin, hatte sich extra eine Ratsche besorgt, mit deren Gerassel sie die Sportler kräftig anfeuerte.

"Heute ist ja fast nichts los hier", bedauerten Elke und Karl-Heinz Denert. Sie verglichen das Rennen mit dem des Jahres 2003, als die Bayern-Rundfahrt in Höchstadt endete. "Da standen die Menschen hier dicht gedrängt", sagte die Höchstadterin. Lorenz Schleicher von der Polizeiinspektion Höchstadt hatte die Kreuzung zu sichern. Auch er hatte mit einem größeren Zulauf gerechnet. "Eine Autofahrerin war ziemlich sauer, als sie nicht Richtung Lonnerstadt fahren durfte", berichtete der Polizist. Alle übrigen Fahrzeuglenker hätten sehr verständnisvoll reagiert.

Der Höchstadter Günther Giehl erinnerte sich an die Zeit, als das Städtchen noch selbst eine Radsport-Hochburg war. Die Aischgründer Adolf Badum und Alfred Dutz wären sogar ziemlich bekannt gewesen. Damals sei die Begeisterung wirklich groß gewesen. Entlang der Strecke, die in einem Rundkurs durch die Stadt führte, seien viele Zuschauer gestanden. Über Doping im Radsport mag sich Giehl gar nicht aufregen: "Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Die Menschheit erfindet immer wieder etwas Neues."

"Das ist ja das einzige bedeutende Radrennen, seit es die Deutschlandtour nicht mehr gibt. Und es ist die Aufbautour für die Tour de France", erklärt Alfons Renker. Noch dazu sei es die letzte Etappe. Da könne man schon etwas erwarten, fand Renker, der einst die Leichtathletikabteilung des TSV ins Leben gerufen hat, viele Jahre Trainer war und selbst Marathon gelaufen ist. Die Kurve am Vogelseck ist für ihn besonders interessant, "weil die Fahrer mit der Geschwindigkeit runter müssen. Da hat man mehr davon", sagte er erwartungsvoll.


Führungstrio fährt voraus



Tatsächlich wurden die Zuschauer nicht enttäuscht. Zunächst kam ein riesiger Pulk an Werbe- und Versorgungsfahrzeugen. Dann natürlich ein großes Aufgebot an Polizei auf Motorrädern und in Autos. Wie vorhergesagt, praktisch auf die Minute, trafen die drei Fahrer der Führungsspitze ein und wurden entsprechend bejubelt. Erst fünf Minuten später folgte das übrige Feld.

In der scharfen Kurve der Sambacher Ortsdurchfahrt erwies sich ein Metallpfosten als mögliche Gefahr für die Radsportler. Nachdem er nicht entfernt werden konnte, stellte sich ein Polizist mit Fahne und Pfeife an das Hindernis und warnte die Rennfahrer.