Drei Meter breit, zwei Meter hoch, begrenzt von schwarz-weiß gestreiften Leichtmetall-Pfosten und einem engmaschigen Netz: Sechs Quadratmeter, die alles bedeuten, wenn Bianca Urban in ihr Handball-Outfit schlüpft, sich anschickt, die gegnerische Offensive zur Verzweiflung zu bringen und das Tor zu vernageln. "Und genau da gehöre ich hin", betont die 38-Jährige, auf deren Dienste die Turnerschaft Herzogenaurach seit fast sieben Jahren baut.

Für die zierliche Fürtherin war schon Anfang der 1980er-Jahre klar, dass sie Handball-Torfrau wird. Damals, als sie ihre ältere Schwester in Stein mit zum Probetraining nahm und die damals neunjährige Bianca mit der Leidenschaft zum Sport infizierte, die heute noch ungemindert brennt. Dabei wurde die Ambition der Handball-Novizin zunächst in Ketten gelgt. "Der Trainer meinte, ich sei zu klein und schmächtig fürs Tor und wollte eine große Spielerin", erinnert sich die Verwaltungsfachwirtin, die als Linksaußen zunächst sehr erfolgreich war, es sogar in die Bayernauswahl schaffte und für das verantwortlich zeichnete, was sie heute zu verhindern sucht: Treffer.


Mit einem Trick ins Tor



Die Zeiten haben sich gewandelt: Handball ist schneller, athletischer geworden und die Taktiker sind längst davon abgewichen, dass im Tor ein groß gewachsener, stämmiger Spieler stehen muss. Gut für Bianca Urban, die sich jedoch eines Tricks bedienen musste, um von der Außenbahn zwischen die Pfosten wechseln zu dürfen. "In der Schulmannschaft wurde eine Torfrau gesucht. Die Gelegenheit hab ich genutzt, die Position besetzt, mir viel selbst beigebracht und in der B-Jugend durfte ich dann endlich auch im Verein als Torhüterin ran."

Von da an war Bianca Urban, die damals noch ihren Mädchennamen Brunner trug und jetzt freudig ihrer zweiten Ehe entgegen blickt, untrennbar verbunden mit ihrer Lieblingsposition und der sportliche Aufstieg ließ nicht lange auf sich warten. Mit den Damen aus Eibach schaffte sie den Aufstieg in die Bezirksoberliga, mit Zirndorf ging es rauf in die Landesliga. Die meiste Zeit aber stellte sie ihr Können in Stein unter Beweis: Bis 2005, als sich die Steiner mit einer personell schwach besetzten Mannschaft wacker in der Bayernliga schlugen, aber durch die Verschiebung persönlicher Prioritäten einiger Spielerinnen klar wurde, dass sich das Team auflösen würde.


Kreuzbandriss als bittere Niederlage



Zeit, Abschied zu nehmen und in Herzogenaurach eine neue sportliche Heimat zu finden. Dort, in der Landesliga, ging die Erfolgsgeschichte weiter: Schnell arbeitete sich Bianca Urban zur Stammtorhüterin hoch, profitierte dabei allerdings auch etwas vom Verletzungspech von Sonja Denk. Die ehrgeizige Sportlerin nutzte die Chance und zeigte starke Leistungen, bis ihr ein Kreuzbandriss im Dezember 2007 den Wind aus den Segeln nahm. "Es passierte im Spiel gegen Erlangen. Der Fuß blieb stehen, das Knie drehte sich weiter. Die Verletzung war für mich persönlich eine bittere Niederlage", gibt die erfolgsverwöhnte Torhüterin zu, die in ihrer knapp 30-jährigen Handballer-Laufbahn noch nie abgestiegen ist.

Und die Genesung zog sich hin, weil in einer zweiten OP im Juni 2008 der Innenmeniskus entfernt werden musste. "Erst im November war ich dann so weit, wieder spielen zu können, hab mich zurückgekämpft und war in der Rückrunde wieder dabei." Dort legten Bianca Urban und das Team den Grundstock für den Aufstieg in die Bayernliga im darauf folgenden Jahr. "Wir waren super eingespielt und hatten uns vorgenommen, wieder oben mitzumischen. Der Aufstieg war dann der Lohn dafür, dass wir so intensiv gearbeitet hatten", sagt die 38-Jährige. In der Bayernliga ging es überraschend gut weiter, gekrönt dadurch, dass die TSH Bayerischer Vize-Pokalsieger wurde.


Leistung mit Signalwirkung



Erst in der aktuellen Saison wurde der Höhenflug gebremst: Vom Verletzungspech gebeutelt, hinken die Herzogenauracher ihrer Form hinterher und sehen sich im Abstiegskampf wieder. Für Bianca Urban eine echte Herausforderung. "In solchen Momenten kann man sich als Torhüter beweisen", weiß die erfahrene Spielerin, die fest an den Klassenerhalt glaubt. Auf dieser Position sei man ein Einzelkämpfer im Team. Man habe nicht viel Möglichkeiten, ins Spiel einzugreifen, außer, die Mitspielerinnen anzufeuern, über sich hinaus zu wachsen und so zu signalisieren: "Ich halte den Kasten sauber."

Diese Stärke hat Bianca Urban schon oft unter Beweis gestellt, hätte in dieser Saison aber gern öfter das Vertrauen von Trainer Udo Hermannstädter gehabt. "Ich bin eine Kämpferin. Für das Team gebe ich immer alles - wenn man mich lässt", betont die Torfrau, die mit Einzelsportarten nur wenig anfangen kann. Als Mannschaft zu funktionieren mache den Reiz aus. Zusammenhalt und das gemeinsame Arbeiten für ein Ziel seien Antriebsfedern, die es Bianca Urban leicht machen, dreimal pro Woche zu trainieren und dort vollen Einsatz zu zeigen.

Der ist auch nötig, denn mit Martina Ebersberger und Ellen Mauritz gibt es starke Konkurrenz um den Platz im Herzogenauracher Tor. "Ich bin die Letzte, die gute Leistungen der anderen nicht anerkennt", sagt Bianca Urban. Doch als ehrgeizige Sportlerin will sie so viel wie möglich spielen. "Da, wo ich gebraucht werde, lege ich alles in die Waagschale." Ob das künftig noch in Herzogenaurach sein wird, ist nicht sicher. Ans Aufhören denkt die 38-Jährige jedenfalls noch lange nicht.