Da wäre mehr drin gewesen. Mit 28:34 mussten sich die Bayernliga-Handballerinen der Turnerschaft Herzogenaurach bei der HSG Dietmannsried/Altusried geschlagen geben. Dabei ist die Anzahl selbst erzielter Treffer durchaus positiv zu werten. In Anbetracht der bis dato gezeigten Defensivleistungen sind 34 Gegentreffer aber eindeutig zu viel. TSH-Trainer Hans-Jürgen Kästl nannte viele technische Angriffsfehler und zahlreiche Fehlwürfe seines Teams als Grund dafür, das die Allgäuerinnen 60 Minuten lang Druck und Tempo hochhalten konnten.
"Wir wussten um diese Gefahr und wollten ihr mit unserer bislang erfreulichen Spieldisziplin begegnen. Doch die vielen meist unnötigen Ballverluste im Angriff spielten dem Gegner in die Karten, der absolut verdient gewonnen hat", erklärte Kästl wie immer sachlich.


HSG Dietmannried/Altusried - TS Herzogenaurach 34:28

Die rechte Angriffsseite der Aurachstädterinnen mit Dodan und Probst fand nie ihren Rhythmus, sicherlich ein gravierendes Manko an diesem Spieltag. Neuzugang Christina Bittner bekam 20 Minuten Spielzeit, konnte aber nach nur zwei Trainingseinheiten naturgemäß noch nicht viel bewegen. Auch die Mitspielerinnen konnten ihr Leistungsvermögen nicht abrufen - abgesehen vielleicht von Sarah Stephan, die der Coach auch positiv heraushob. Die seit Jahren als großes Talent geltende "Mehrzweckwaffe" ließ schon in der Rückrunde der vergangenen Saison immer mal wieder ihr außergewöhnliches Können aufblitzen, nun scheint sie sowohl mental als auch physisch deutlich stabiler. Bleibt aus Sicht der TSH zu hoffen, dass ihr die Doppelbelastung - sie ist mit einem Zweitspielrecht auch für den Regionalligisten ESV Regensburg unterwegs - nicht zu viel Substanz abverlangt.


Zur Pause wieder auf Tuchfühlung

Als typisch für den Spielverlauf bezeichnete Kästl die ersten Minuten, als die Gastgeberinnen vom Anpfiff weg mit 1:0 in Front gingen und die leider überhasteten Versuche der TSH, auszugleichen, überfallartig und schonungslos in eigene Erfolgserlebnisse umwandelten setzten. Beim 0:5 aus Sicht der TSH schien schon alles entschieden, zumal die Schiedsrichter aus dem nahe gelegenen Ottobeuren bis dahin bereits zwei Zeitstrafen gegen die TSH ausgesprochen hatten. Doch langsam fingen sich die Gäste, kamen in der 21. Minute beim 8:9 wieder auf Tuchfühlung, und auch der Halbzeit-Rückstand von zwei Toren (11:13) ließ ihnen für die zweite Spielhälfte eigentlich alle Optionen offen.
Doch nach Wiederanpfiff gab es eine Kopie der Anfangsphase: Ehe sich es die TSH-Damen versahen, war die HSG in ihrer kleinen und akustisch gewöhnungsbedürftigen Halle (Kästl: "Da waren fast mehr Trommeln als Zuschauer, eine akustische Verständigung mit den Mädels fast unmöglich") neuerlich enteilt. Auch hier gab es schon nach 33 Sekunden die nächste Zeitstrafe gegen die TSH, die so keinen Zugriff auf das Spielgeschehen bekam. Den zwischenzeitlichen Vier-Tore-Vorsprung der HSG (19:15) in der 40. Minute verwalteten die Gastgeberinnen problemlos. Und als die Gäste aus Herzogenaurach in den letzten drei Minuten resignierten, wuchs die Führung sogar noch bis auf 34:28 an.


Niederlage nicht dramatisieren

Der Sieger bestach kaum durch Spielabläufe, sondern errang mit seiner geballten Dynamik und den vielen gewonnenen Zweikämpfen den Sieg - wobei es die TSH ihm an diesem Tage auch recht leicht machte. "Für mich war die HSG vor dem Spiel zwar leicht favorisiert. Doch rückblickend ärgern wir uns, denn wir haben vieles von dem in der Kabine vergessen, was uns bislang auszeichnete. So wie wir aber die zehn bisher gewonnenen Punkte richtig einordnen können, so werden wir auch diese Niederlage nicht zu hoch hängen. Wir werden daraus lernen", erklärte Kästl hinterher.


Christina Bittner ist eine echte Allrounderin

Wie vor wenigen Tagen bereits angedeutet, hat sich kurzfristig Christina Bittner den Bayernliga- Handballerinnen der Turnerschaft Herzogenaurach angeschlossen und schon in Dietmannsried ihren Einstand gegeben. Laut Trainer Hans-Jürgen Kästl, der Bittner in ihren früheren Jahren beim ESV Regensburg mehrfach beobachten konnte, wird die Allrounderin, die am morgigen Mittwoch ihren 20. Geburtstag feiert, schon bald eine echte Verstärkung für die TSH-Frauen sein, zumal sie auf fast allen Positionen einsetzbar ist. Lediglich im Tor hat sie noch keinerlei Erfahrungen gesammelt, und am Kreis fühlt sie sich nach eigenem Bekunden eher unwohl.
Ansonsten jedoch kann die einstige A-Jugend-Bundesligaspielerin des ESV Regensburg, die nachfolgend auch im Frauen-Regionalligateam der Oberpfälzer höherklassig aktiv war, überall dort Entlastung schaffen, wo es gerade brennt. Die sympathische, 1,67 Meter große Bittner wechselte als Jugendliche von ihrem Ausbildungsverein ATSV Kehlheim nach Regensburg, nahm in den letzten Monaten aber eine Auszeit vom Handball, die sie vor allem in Australien verbrachte.
"Natürlich muss ich erst mal wieder meine Form finden um den neuen Mitspielerinnen helfen zu können. Ich bin aber zuversichtlich bei diesem tollen Teamspirit rasch wieder den Anschluss zu finden." Bittner zeigte sich beeindruckt von der "wunderbaren Aufnahme seitens der Mannschaft und des Trainers", der auch sie für die TSH begeistert hatte. Eine Rückkehr in die Regionalliga war für sie nach der langen Pause kein Thema. Außerdem beginnt sie jetzt ein Medizintechnik-Studium in Nürnberg, und da lag es für sie nahe, dem Werben von Kästl zu folgen.