Seit Jahren zählt Andrea Berner zu den besten Handballerinnen der Turnerschaft Herzogenaurach. Beim jüngsten Auftritt ihres Teams bei der enorm heimstarken SG SV Garitz/DJK Nüdlingen war sie jedoch zu Zusehen verdammt und hatte bei einem bis zuletzt spannenden Bayernliga-Spiel mit den Nerven zu kämpfen. "Das wäre nichts für mich, da kriegst' ja nen Herzkasper", erklärte Berner, nachdem ihre Mädels mit 26:25 hauchdünn die Oberhand behalten hatten. Allerdings waren die Gastgeberinnen nicht ganz so heimstark wie befürchtet, die Punktebilanz von 10:16 und ein Platz im hinteren Tabellendrittel zeigen, das schon das eine oder andere Spiel in eigener Halle in den Sand gesetzt wurde.

Da es für die TSH im vergangenen Jahr an selber Stelle eine 29:19-Klatsche setzte und die Herzogenauracher personell aus dem letzten Loch pfeifen, schien trotzdem Respekt angebracht.
Gerade deswegen aber wiegt dieser überraschende Sieg doppelt schwer: Berner saß ebenso wie Luisa Frank verletzt auf der Trainerbank neben ihrem Chef Udo Hermannstädter und erlebten alle schweißtreibenden Höllenqualen eines Coaches hautnah mit.

SG Garitz/Nüdlingen - TS Herzogenaurach 25:26

Nachdem sich kurzfristig auch noch Rechtsaußen Martina Prochaska mit Fieber abgemeldet hatte, reisten die TS-Frauen lediglich mit zwei Wechselspielerinnen an die hessische Grenze, zumal das Tor allein nur von Ellen Mauritz gehütet wurde. Doch irgendwie ist von der grandiosen Moral aus dem Club- Spiel eine Woche zuvor etwas haften geblieben, denn in der zunächst aufgeladenen Stimmung hielten die Mittelfranken bis zum 5:5 sehr gut mit. Dann jedoch begann die große Phase der alles überragenden Linkshänderin Will im rechten Rückraum der Gastgeberinnen, welche mit immer wieder identischen, aber perfekt durchgeführten Alleingängen die gegen sie mehrfach wechselnden TS-Akteure regelrecht zum Tanz einlud.

Hinzu kam, dass die beiden Schiedsrichter, laut Hermannstädter ansonsten absolute Klasse, einige Unstimmigkeiten mit Spielerinnen beider Mannschaften in Sachen Schrittfehler ausmachten. Allein 15 Mal verlor die TSH auf diese Art den Ballbesitz. Das aber nutzte Garitz wesentlich professioneller und ging blitzartig in Konterangriffe. Wo die Spielerinnen von der Aurach erst die Köpfe schüttelten, hatten die Gastgeberinnen rasch Fakten geschaffen und lagen nach 20 Spielminuten mit 14:7 in Front. Eine Pressdeckung gegen Will sorgte kurzzeitig für eine Ergebniskorrektur zur Pause, als sich die TSH auf 11:15 heran gehangelt hatte.

Zehn Tore in acht Minuten

Nach Wiederanpfiff konnten die Gastgeberinnen zunächst die Pressdeckung der TSH mit gezielten Maßnahmen konterkarieren und beim Stande von 18:11 deutete vieles auf eine Wiederholung des Vorjahres hin. Plötzlich aber schafften es die Gäste, irgend einen nicht erkennbaren Schalter umzulegen und stellten wie entfesselt fortan Spielverlauf und Ergebnis auf den Kopf. Nachdem es Mauritz im Tor gelungen war, ins Spiel zu finden und die Gegnerinnen immer mehr zu entzaubern, fand endlich auch die Offensive richtig statt. In nur acht Minuten gingen die Gäste mit 21:19 in Front, wobei fast jede von ihnen über einen gelungenen Gegenstoß auch persönliches Selbstvertrauen zurück bekam.

Fortan beherrschte das Hermannstädter-Team die Begegnung und lag stets mit zwei bis drei Toren vorne, während parallel in der Halle fast eine besinnliche Adventsstimmung Einzug hielt, unterbrochen allein vor den sich durchweg anfeuernden Gästeakteuren. Auch wenn es letztlich wieder ein um sich greifendes Teamwork war, welches den Sieg ermöglichte, gab es doch vier TS-Spielerinnen, welche besondere Akzente setzten. Viktoria Egle läuft langsam zur Höchstform auf und wurde für ihre Mannschaft zum Pendant von Garitz-Ass Will, indem sie bei den gegnerischen Abwehrspielerinnen mit explosiven Haken Kreislaufprobleme auslöste.

Nesthäkchen Tanja Küffner zeigte auf Rechtsaußen eine grandiose Leistung und wirkte gerade in wichtigen Phasen auch erfreulich abgeklärt, während Tanja Schorradt am Kreis den Ausfall von Mergner mit großer Dynamik vergessen ließ. Mauritz im Tor brauchte eine längere Anlaufphase, um danach aber jener tolle Rückhalt zu werden, welcher der TSH vor drei Jahren maßgeblich den Oberligaaufstieg ermöglichte. "Toll wie sich die Mädels auch diesmal zu fangen wussten, großartig war ihre Moral. Und vielleicht ist es ja besser, nicht zu viele unzufriedene Wechselspielerinnen auf der Bank zu haben, der Zusammenhalt ist so jedenfalls vorbildlich", erklärte Udo Hermannstädter nach dem Spiel.
TSH: Mauritz - List, Antos (1), Müller-Tegel (1), Kräck (2), Wölfel (2/1), Küffner (6), Schorradt (5/1), Egle (9/1)