Sonntagmorgen. Wieder einmal der Tag des langen Dauerlaufs. Der Querläufer schwebt durch seine mittelfränkische Heimat. Irgendwo zwischen Oesdorf und Willersdorf. Er saugt die Waldluft auf wie ein Schwamm das Wasser. Die Sonne blinzelt durch Äste und Zweige. In Gedanken ist er noch bei den Feierlichkeiten zu seinem runden Geburtstag. Bei der professionellen Zaubershow oder der Gesangseinlage von Helga und Rudi. Das waren schon besondere Momente. Augenzwinkernd hatte Brigitte zum Nachdenken angeregt, mit der Power-Point-Präsentation "Wie man als Läufer seine Zeit sinnvoll einsetzen könnte".

Das brachte die Läuferfrau auf eine Idee. Prompt lag Montag früh eine To-Do-Liste für die KW30 in der Küche. Natürlich für den Querläufer. Es ist doch so, Hausarbeit macht den wenigsten wirklich Spaß. Putzen, Wischen und Bügeln sind auf keinen Fall meine Lieblingsbeschäftigungen.
Dabei kann man den Spieß auch umdrehen. Ich wäre nicht der Querläufer, wenn ich das Putzen nicht zum Fitnessprogramm umdeuten könnte. Die Aufgaben bewältigt man doch viel beschwingter mit der Motivation, gesund zu bleiben. Ist doch klar, das Schlimmste ist Inaktivität. Hausarbeit ist Bewegung und regt den Stoffwechsel an.

Blauer Himmel über mir, ein leichtes Lüftchen weht mir entgegen. Ich lasse meinen Lieblingsgasthof in Willersdorf rechts liegen, weiter geht's nach Stiebarlimbach. Schon der Gedanke an eine kühle Radlerhalbe auf dem Keller ist für mich Motivation pur. Der Querläufer fühlt sich wie beim Wäsche aufhängen auf der Terasse. Nebenbei tankt man bei der Hausarbeit noch Sonne. Da wird die Schufterei doch fast zu Wellness.

Die vielen technischen Hilfsmittel im Haushalt machen es jedoch nicht leichter, körperlich fit zu bleiben. Waschmaschine, Trockner und Co. nehmen Arbeit ab und rauben Bewegung. Meine Methode ist, beim Bügeln den Wäschekorb nicht neben das Bügelbrett zu stellen, sondern in einen Nebenraum. So muss jedes einzelne Wäschestück extra an das Brett geholt werden. 3000 Schritte mehr im Haushalt sind gut zwei Kilometer mehr am Tag. Vorhänge waschen, Fenster putzen und dabei die Leiter hoch und wieder runter zu steigen, bringt ähnlichen Schwung in die Hausarbeit wie der Stepptrainer. Zwei zusätzliche Laufkilometer für mein Trainingstagebuch.

Von Experten ist zu hören, ideal sei es, die Hausarbeit als Entertainmentprogramm zu sehen. Also Hausarbeit ist gleich Fitnessprogramm. Bügeln nimmt man viel entspannter wahr, wenn man nebenbei fernsehen darf oder Musik hört. Einen Muskelkater habe ich davon auch nicht bekommen, obwohl ich beim Teigkneten oder Klößeformen, beim Wäschewaschen mit der Hand oder beim Holzhacken nahe dran war. Schmutzwäsche sammeln, zu bügeln oder die Wäsche in die Schränke einzusortieren waren aber schon auch sehr anstrengende Arbeiten. Das erspart die Krafttrainingseinheit.

Nach dem kühlen Nass von außen und von innen am Keller, geht es über Adelsdorf und Neuhaus wieder zurück. Meine Beine sind mittlerweile schwer, aber es ist fast geschafft. Nur noch der Heppstädter Berg liegt vor mir. So wie am Freitag der Heckenschnitt. Der letzte Punkt auf meiner To-Do-Liste. "Die Hecken müssen unbedingt wieder geschnitten werden", sagte sie noch am Morgen zu mir.

Dann trennten sich unsere Wege. Die Woche war anstrengend. Ich glaube, ich werde in Zukunft meinen Schwerpunkt wieder aufs Laufen legen. Nach Feierabend war es dann soweit. Flugs die elektrische Heckenschere vom Nachbarn ausgeliehen und losgelegt. "Schneid noch a Stück runter. Die wächst wie der Deifel."

Recht hat er. Die Elektrische rast durch die Hecke wie durch Butter. Ruck Zuck waren die drei Hecken gestutzt. Super Ergebnis: der goldene Schnitt finde ich. Stolz präsentiert der Querläufer spätabends seiner Läuferfrau das Ergebnis: "Bist du wahnsinnig! Die ganzen Hecken sind verschandelt." Der Haussegen hängt seitdem schief. Der Querläufer hat aber wieder mehr Zeit zum Laufen. Das Thema Hausarbeit hat sich erst einmal erledigt.

Run happy and smile!
Euer Querläufer