Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, der begegnet interessanten Menschen. Der Querläufer Jochen Brosig trifft sich mit einigen dieser ganz unterschiedlichen Laufsportler auf deren Lieblingslaufrunde. Seine heutige Begegnung führt ihn zu Oliver Brehm. Er trifft ihn auf dem Firmengelände der Peter Brehm GmbH.
Für Oliver wird es heute eine zusätzliche Laufeinheit. Sein Trainingskalender ist voll: Dienstag - Training mit seiner Laufgruppe, Samstag - Tempotraining, Sonntag - langer Lauf, zusätzlich zwei Mal in der Woche Ausgleichssport (Krafttraining, Rückentraining). Dazu kommen am Montag und Freitag je eine Stunde Betriebssport mit den Auszubildenden.

Nach einem Bandscheibenvorfall hat Dein Vater begonnen, mit den Auszubildenden regelmäßig Sport zu machen. Wie ging es dann weiter?
Brehm: Ja, das war vor zehn Jahren. Das war die eigentliche Geburtsstunde der "Brehm-Titan-Runners". Vor sechs Jahren habe ich den Betriebssport mit den Azubis übernommen. Ich wollte das Pflichtprogramm mit Wettkämpfen interessanter machen.

Die gelegentliche Teilnahme an Laufveranstaltungen sollte die Azubis zum Training motivieren. Das war mit einem Ziel einfacher. Der Weisendorfer Hochstraßenlauf wurde somit der erste Wettkampf der "Brehm-Titan-Runners". Das war vor sechs Jahren. Dort starteten sie erstmals unter dieser Bezeichnung. Heute sind 15 Azubis, zehn Mitarbeiter und noch etwa zehn weitere Mitläufer aktiv. Prominentestes Mitglied ist die erfolgreiche Triathletin Angela Kühnlein aus Schwarzenbach. Jedoch steht in erster Linie der Spaß an der Bewegung bei den Teammitgliedern im Vordergrund.

Kannst Du mir noch etwas von eurer Philosophie erzählen, wie durch Lauftraining die Auszubildenden motiviert werden?
Allein mit Sport funktioniert das natürlich nicht. Es gibt bei uns eine so genannte Azubi-Fitness-Prämie. Dabei kann man bei verschiedenen Aktivitäten Punkte sammeln. Diese können am Jahresende eingelöst werden.

So bietet die Firma Peter Brehm ein interessantes Programm für junge Menschen an. Für die Pflichttermine montags und freitags gibt es jeweils zwei Punkte, bei freiwilliger Teilnahme an Lauftraining, Ausgleichstraining, Indoor-Cycling, Yoga oder Krafttraining im betrieblichen Fitnessraum gibt es vier Punkte. Für jede Wettkampfteilnahme erhält der Auszubildende 20 Punkte. Am Jahresende gibt es verschiedene Prämien, gestaffelt ab 200 Punkten und dann jeweils weiter in 100-er Schritten.

Wie wurdest Du zum Marathonläufer?
Brehm: Ganz einfach, ich bin mit einem Kollegen bei Martin Bauer öfter mal Zehn-Kilometer-Wettkämpfe gelaufen. Irgendwann dachte ich mir, so ein Marathon wäre auch nicht schlecht. Dann habe ich begonnen zu trainieren. Anfangs mit mäßigem Erfolg - lernen durch Schmerzen, würde mein Lauffreund Elmar Gerner sagen.

Das Samstagstraining mit Elmar Gerner im Mohrhofgebiet gab auch 2011 den Anstoß zum ersten ERH-Vital-Lauf. Oliver Brehm dachte schon länger über einen Lauf in dieser schönen Gegend nach. Die "Einstiegshürde" musste niedrig sein. Es sollte ein Landschaftslauf für die breite Masse werden.
Ohne Leistungsdruck für die reinen Genuss- und Freizeitläufer, aber mit sportlichem Anspruch für die leistungsorientierten Wettkämpfer. Viele fleißige Helfer rund um die so genannten vitalen Unternehmen aus dem Landkreis sorgten für eine gelungene Organisation. Gesundheit und Bewegung fördern stand dabei im Vordergrund. Teilnehmer und Veranstalter waren sich einig: 2012 soll es eine Wiederauflage geben. So findet am Freitag, 28. September, der zweite ERH-Vital-Lauf statt.

Wie wurdest Du zum Läufer?
Brehm: Nach der Bundeswehr habe ich eine Ausbildung bei einer Bank begonnen. Das viele Sitzen führte dazu, dass ich immer unfitter wurde.

Nach einiger Zeit begann Oliver Brehm mit dem Laufen. Laufen hat ihm schon immer Spaß gemacht. Seine Mutter nahm ihn als Jugendlichen im Zuge der Jogging-Bewegung mit zum Trimm-Dich-Pfad. Ohne jeden Leistungsdruck. Drei Mal in der Woche, fünf bis acht Kilometer. Ab und zu eine Zigarette war zu dieser Zeit noch in Ordnung. Als er nach dem Studium bei einem Wettkampf fast von einem Baby-Jogger bergauf überholt wurde, machte er sich seine Gedanken.
Sein erster Marathon (Fränkische Schweiz 2006) war eine Katastrophe mit Krämpfen. Beim zweiten Marathon lernte er jedes Dixie-Häuschen kennen. Ab 2007 ging es dann bergauf. In Hamburg erstmals unter vier Stunden. Ein Jahr später an gleicher Stelle 3:30 Stunden. Er lernte, wie man mit gezieltem Training eine Marathonvorbereitung richtig angeht. Es folgten 3:06 Stunden in Köln und sein erster Marathon unter drei Stunden in Hamburg. Seine aktuelle Bestzeit steht bei 2:45:19 Stunden.

Hast Du einen besonderen Tipp für die Marathonvorbereitung?
Brehm: Spaß haben! Mit dem Herzen laufen, nicht mit der Uhr.