Es ist gerade einmal sechs Monate her, da wussten die Verantwortlichen der Handball-Abteilung der Turnerschaft Herzogenaurach nicht, ob sie genügend Spielerinnen mit Bayernligareife für die aktuelle Saison aufbieten können, zu viel Kräfte wollten wechseln oder ihre Laufbahn beenden. Dank der Initiative von Trainer Udo Hermannstädter und Christine Odemer gelang es dann doch, einen Minikader von neun Spielerinnen an den Start zu schicken. Zwar wurden mit der Rumänin Alexa Dodan sowie Jugend-Nationalspielerin Saskia Probst zwei echte Verstärkungen verpflichtet, doch mit in der Regel nur sechs oder sieben Feldspielerinnen in Bayerns Oberhaus zu bestehen ist alles, nur nicht selbstverständlich.
Dennoch, es blieben zunächst zwei wichtige Positionen vakant: Torfrau und Kreisläuferin - letzter vor allem als Vorbild und Bindeglied zwischen Mannschaft und Umfeld.
Während die Torhüterfrage mit Michaela Müller aus der zweiten Mannschaft meist recht gut gelöst werden konnte, obwohl sie berufsbedingt öfter mal passen muss, hat es bislang noch keine Akteurin geschafft, die heikle Position am Kreis halbwegs zufriedenstellend einzunehmen.

Die Kräfte reichen oft nicht

Umso mehr ist das bisherige Abschneiden der Mannschaft zu loben. Obwohl man dreimal sogar ganz ohne Wechselspielerin antreten musste, war man lediglich im Heimspiel gegen Tabellenführer Bergtheim chancenlos. Weitere acht Begegnungen wurden entweder mit einem Tor verloren oder als Unentschieden verbucht. Dass in diesen Fällen regelmäßig die letzten fünf bis zehn Spielminuten ausschlaggebend waren, ist ein Indiz dafür, dass die Kräfte des dünn besetzten Teams oft nicht reichen.
Was getan werden muss, um den Klassenerhalt trotz aller Widrigkeiten zu schaffen, erklärten Trainer Udo Hermannstädter sowie die beiden Rückraumstützen Alexa Dodan und Vicky Egle. Letztere betonte, dass man das Bisherige nicht zu negativ sehen dürfe, - ganz im Gegensatz zu Dodan, die angesichts der dünnen Personaldecke intensiveres Training fordert: "Ich habe in meinem Leben noch nie so viele verschiedene Entschuldigungen für das Fehlen im Training und sogar beim Spiel gehört wie hier. Das hat nichts mit meiner Vergangenheit unter Profibedingungen zu tun, sondern vielmehr mit der Frage, was man erreichen will. Wenn die Spiele nur 50 Minuten dauern würden, hätten wir alle knappen Begegnungen gewinnen können. Wir sind wirklich so gut, aber eben nicht ohne entsprechenden Aufwand über die gesamte Spielzeit."
Hermannstädter sieht es ähnlich: "Wo immer wir antreten läuft sich der Gegner mit 13, 14 Leuten warm, und wenn die entsprechenden Druck machen, ist abzusehen, wann wir einknicken. Das können wir nur mit noch gewissenhafterem Training auffangen. Was die Kreisläufer-Situation betrifft, so muss ich mir etwas einfallen lassen."
Unter den genannten Umständen ist es verständlich, dass die TSH ihre ehemals größte Stärke, bedingungslose Konter, drosselt. Egle, Dodan und Hermannstädter sind sich aber darin einig, dass man zumindest die erste Welle forcieren muss. Große Sorgen bereitet auch das angemessene Heraustreten und Blocken gegen die Rückraumschützen der Gegner - laut Dodan eine Frage von Physis und Einstellung: "Wir dürfen nicht denken, dass jetzt bald der Frühling kommt. Uns stehen Winter und Schnee bevor."

Ausbildung fängt jetzt erst an

Ihr Trainer sieht die größten dahingehenden Probleme in der Schlussphase. Selbst die junge Probst könne auf Dauer eben nicht zwei Spiele innerhalb von fünf bis sechs Stunden einfach wegstecken: "Man merkt eben doch, dass dies ein spürbarer Kraftakt für sie ist." Dodan gibt zu bedenken, dass "Saskia mit 16 Jahren noch nichts erreicht hat und trotz viel Talent nicht ausgereift sein kann, ihre Ausbildung fängt doch jetzt erst an".
Dass man sich in der Rückrunde von Teams wie dem "Club", Taufkirchen und auch Regensburg II - also Gegner, die schon wissen, was Abstiegskampf bedeutet - nach oben absetzen müsse um die Klasse zu sichern, ist den TSHlerinnen bewusst. Das gelingt ihnen laut Viktoria Egle dann, wenn "wir wieder wie am Saisonbeginn alle richtig heiß sind und über den lange so guten Teamgeist unter anderem jene Spiele gewinnen, in denen wir auswärts knapp scheiterten".
Trainer Hermannstädter hofft auf einen "goldenen Januar", in dem wichtige Spiele anstehen, während Alexa Dodan fordert, dass sich "jede Spielerin selber fragen muss, wo sie sich noch verbessern kann". In der Tat, diese Aussagen und auch etliche gute Leistungen in der Vorrunde, sollten die Mannschaft und die tollen Fans zuversichtlich stimmen. Allerdings kommt nun die Zeit von Fasching und Ski-Aktivitäten: Es ist also zu befürchten dass Dodan bei der TSH dann weitere Absenz-Gründe kennenlernen muss.