Beim Blick auf die Tabelle ist René Friedrich, Trainer der Handballerinnen der TS Herzogenaurach, durchaus zufrieden: "Vielleicht hätten wir mit kompletter Besetzung ein, zwei Spiele zusätzlich gewinnen können, doch wir sind auf einem guten Weg." Nach elf Hinrundenpartien stand die TSH bei sechs Siegen und fünf Niederlagen. Kurz vor Weihnachten kam die zu erwartende Niederlage zum Rückrundenauftakt bei Tabellenführer HC Leipzig hinzu. Die ausgeglichene Bilanz (12:12) bedeutet im Moment einen soliden siebten Platz in der aus zwölf Teams bestehenden 3. Liga Ost.

Leipzig, Mainz, Chemnitz - weite Auswärtsfahrten für die Herzogenauracher Damen. Ein kurzer Rückblick, wie es dazu gekommen ist: 2017 gelang dem Team der historische Aufstieg aus der Bayernliga in die 3. Liga. Am Ende der Premierensaison in der Staffel Süd landete die TSH allerdings nur auf Rang 10 von 12 und musste in die Relegation. Hier konnte das Team zumindest eine der beiden Runden für sich entscheiden. Begünstigt durch den Rückzug der SG Menden-Sauerland reichte das am Ende doch noch für ein weiteres Jahr in der dritthöchsten deutschen Spielklasse - nur eben in Staffel Ost.

Auswärts stark

Im Vergleich mit der Staffel Süd gilt diese als weniger ausgeglichen. Mit den zuvor gewonnenen Erfahrungen, den neuen Trainern René Friedrich und Steffi Mittasch sowie den Verstärkungen Laura Brockschmidt und Julia Drachsler gelang es sofort, in "neuer Umgebung" Fuß zu fassen. Gerade auswärts zeigten die Herzogenauracherinnen eindrucksvolle Leistungen. Zwar wurde wegen unnötiger technischer Fehler wohl auch der eine oder andere Punkt liegen gelassen, doch in der Summe verschaffte sich die TSH eine sehr gute Ausgangsposition für die Rückrunde.

Dazu trägt auch die Unterstützung bei den Heimspielen bei. Höhepunkt war der vergangene Spieltag, als man vor über 600 Zuschauern gegen den Titelfavoriten HC Leipzig mit 25:31 Toren verlor. Das tat aber der Stimmung bei allen Anwesenden angesichts der couragierten Leistung der Gastgeberinnen keinen Abbruch. "Die gute Stimmung in der Halle kommt letztlich der ganzen Abteilung zugute", sagt Abteilungsleiterin Christine Odemer.

Von Problempositionen und Hoffnungsträgern

An Teamgeist mangelt es den Damen der TS Herzogenaurach nicht, denn die beiden Trainer haben bisher allen Spielerinnen viel Spielzeit ermöglicht. Das eine oder andere offensichtliche Problem gibt es aber doch: Das Karriereende von Linkshänderin Alexa Dodan hat auf der rechten Rückraumposition der TSH-Damen eine große Lücke hinterlassen. Es gibt schlicht keine vergleichbar wirksame Linkshänderin als Pendant zu Laura Brockschmidt und Laura Wedrich im linken Rückraum. Die Ausrichtung im Angriff ist dadurch limitiert, die Wurfeffektivität leidet.

Lisa Neumann, die als Rechtshänderin diese eher ungeliebte Position meistens innehat, müht sich zwar redlich und ist dank ihrer Dynamik auch immer wieder erfolgreich. Das jedoch fast ausschließlich mit Durchbrüchen gegen die Wurfhand und somit in Richtung Spielfeldmitte. Top-Gegnern, wie zuletzt dem HC Leipzig, erleichtert das die Abwehrarbeit und schließt auch die beiden Rechtsaußen Tanja Küffner oder Saskia Probst etwas vom Angriffsfluss aus.

Vielleicht kann hier Jana Lichtscheidel, monatelang aufgrund eines Kreuzbandrisses außer Gefecht, zumindest mittelfristig für Abhilfe sorgen. Sie ist mit ihrer Erfahrung und mit ihren ansatzlosen Sprungwürfen auch auf der "verkehrten" Seite für Tore gut. Das Training hat sie bereits wieder aufgenommen, sehr zur Freude ihrer Trainer und Mannschaftskameradinnen.

Auch Neuzugang Julia Drachsler muss seit etlichen Wochen verletzungsbedingt zuschauen, nachdem sie zuvor gerade so richtig in ihrem neuen Team angekommen war. Mit ihrer Körpergröße und einem bemerkenswerten Spielverständnis wird sie die Mannschaft sowohl im Deckungszentrum als auch im Angriff am Kreis hoffentlich bald wieder verstärken können. Das hofft auch Coach René Friedrich: "Bleiben wir von neuerlichen personellen Ausfällen verschont und können Jana Lichtscheidel und Julia Drachsler zeitnah eingreifen, werden wir die Rückrunde noch erfolgreicher gestalten."

Nun gilt es, die Akkus aufzutanken und kleine Leistungstiefs auszumerzen. Wenn es dann noch die beiden Torfrauen Martina Ebersberger und Juliane Gerling schaffen, die vielfach vorzüglichen Leistungen über die gesamte Spielzeit hinter einer kompakten und beweglichen Abwehr zu stabilisieren, ist das Saisonziel Klassenerhalt auf jeden Fall realisierbar.