Nach dem Turniersieg am vorletzten Regionalliga-Spieltag vor gut einer Woche waren im Kreis der Herzogenauracher Golferinnen plötzlich Diskussionen darüber aufgetaucht, ob es bei drei Punkten Rückstand gegenüber Spitzenreiter Bad Liebenzell nicht doch noch zum Aufstieg in die 2. Bundesliga reichen könnte. Kapitän Katrin Sieber bewertete zwar die Chance, am letzten Spieltag noch Gruppensieger zu werden, mit 1:100, doch sie freute sich über den Optimismus ihrer Mannschaft.

Als sie auf dem schwierig zu spielenden Platz des GC Heidelberg-Lobenfeld sah, wie alle Spielerinnen an ihre Leistungsgrenzen gingen, da glaubte auch sie plötzlich irgendwie an das Wunder. Die Frage war nur, ob Bad Liebenzell bei einem Turniersieg des GCH gleichzeitig auf dem letzten Platz landen würde.
Nur dann wäre die Sensation perfekt.

Ein unvergesslicher Augenblick

Als dann bei der Siegerehrung Bad Liebenzell als erste Mannschaft auf Platz fünf genannt wurde, da war die erste Voraussetzung erfüllt. Und die Spannung wurde fast unerträglich, als Hetzenhof als Vierter und Neckartal als Dritter an die Reihe kamen. Dann hieß die Frage nur noch: Heidelberg oder Herzogenaurach? Als die Gastgeberinnen als Zweiter ausgezeichnet wurden, da kannte der Jubel im GCH-Lager keine Grenzen mehr. Als Turniersieger hatten sie einen Zähler Vorsprung (19 Punkte) vor Liebenzell (18), Heidelberg (14) sowie den Absteigern Neckartal und Hetzenhof (beide 12).

"Einen solchen Augenblick vergisst man nicht", sagte Katrin Sieber am Tag danach. "Alle unsere Spielerinnen waren nach den 18 Bahnen fix und fertig. Sie waren total ausgepowert." Nach der wohl besten Auswärtsleistung, die eine Herzogenauracher Frauenmannschaft wohl je gelungen ist und dem Lohn dafür, feierten sie mit den letzten Kräften diesen Erfolg. "Jede Spielerin kämpfte, das war schon nach den ersten neun Loch zu sehen, um jeden Ball und jeden Schlag. Sie wuchsen alle über sich hinaus, nahmen alle Schwierigkeiten des Geländes an", betonte Sieber. Müde und erschöpft traten sie die Heimreise an, wo sie im Club-Restaurant gebührend gefeiert wurden, hatten aber nur noch den Wunsch, in ihre Betten zu fallen.

Die Zähne zusammengebissen

Sabine Groß, die mit 81 Schlägen beste GCH-Akteurin, hatte beim Jubeln ihren Arm nicht mehr in die Höhe gebracht. Eine schon seit einiger Zeit sich bemerkbar machende Schulterverletzung hatte ihr auf den letzten Bahnen höllische Schmerzen bereitet, doch die Studentin biss an der Seite ihres Vaters, der als Caddy dabei war, auf die Zähne und wurde belohnt. Jakkie Redl (83) schloss an die ausgezeichneten Resultate der letzten Wochen an, war auch ohne Caddy voll konzentriert und eine wichtige Leistungsträgerin im Finale. Janet Dahn war nach dem letzten Schlag völlig ausgepumpt, zumal sie am Freitag bereits wie auch Jakkie Carla Redl bei den Jungseniorinnen eine volle Runde bestritten hatte.

Sabine Sieber (84) spielte mit ihrer Schwester Claudia als Caddy sehr konstant. Erst am letzten Loch leistete sie sich einen Doppel-Bogey. Beverley Cardew (85), immer positiv gestimmt, brachte nicht nur die erhoffte Schlagzahl, sondern sorgte auch in brenzligen Situationen dafür, dass ihre Kolleginnen stets positiv an die Abschläge gingen.

Das Küken im Team, Katherine Rey (87), sorgte zwar für das Streichergebnis, war aber von Anfang an eine feste Größe in der Mannschaft und brachte durch ihre langen Schläge auch Sicherheit in ihr Spiel, wie ihr Caddy Sylke Kolb wohlwollend kundtat.

Caddy als Standardausrüstung

Anteil am Aufstieg haben auch Christina Ignor, die aus beruflichen Gründen als Chefin eines orthopädischen Schuhzentrums in Erlangen nicht immer spielen konnte, Katrin Sieber als umsichtiger Kapitän mit glücklicher Hand, die Caddys, die nach dem missglückten Auftakt beim GC Hetzenhof zur Standardausrüstung gehörten, und vor allem auch Craig Miller, der Chef der Golfschule, der stets mit Rat und Tat zur Seite stand und es kaum glauben konnte, als er vom Husarenstreich der Damen erfuhr. Bei denen haben die Vorbereitungen fürs nächste Jahr bereits begonnen: Ein Neuzugang aus dem westdeutschen Raum wird 2014 auf jeden Fall das Team verstärken.