Jahr für Jahr zählte der ASV Niederndorf zu den absoluten Aufstiegsfavoriten der Fußball-Kreisklasse. Jahr für Jahr scheiterten die ASVler jedoch am eigenen Nervenkostüm oder an der dünnen Personaldecke. Doch in dieser Saison läuft alles anders: 39 Zähler, ein Torverhältnis von 43:14 und fünf Punkte Vorsprung auf Hammerbach stehen beim ungeschlagenen Herbstmeister vor Beginn der Rückrunde zu Buche.
Umso mehr funkeln die Augen vom Mittelfeldmotor Angelo Büle. Seit drei Jahren schnürt der 21-Jährige seine Fußballschuhe für Niederndorf und verteilt Schulter an Schulter mit Vater und Spielertrainer Costa die Bälle. Das gemeinsame Ziel hat er dabei stets fest vor Augen: "Wir wollen aufsteigen. Nein, wir müssen aufsteigen - unbedingt!" Denn Angelo ist es leid, immer nur Dritter zu werden.

Achtungserfolg in der Halle


Damit es in dieser Spielzeit endlich mit der Meisterschaft klappt, stellt der umgeschulte Stürmer seine eigenen Ziele hinten an: "Ich habe bisher in der Saison nur ein Tor geschossen, da ich mich voll und ganz auf die Defensive konzentriere. Aber ich bin trotzdem zufrieden mit meiner Leistung." So erkämpft der "Sechser" vor dem eigenen Strafraum verlorene Bälle zurück und verteilt diese an seine Vorderleute.
Dass dies nicht nur auf dem Rasen klappt, stellte Angelo auch zuletzt in der Halle eindrucksvoll unter Beweis. Denn das Team vom ASV Niederndorf entschied die diesjährige Herzogenauracher Stadtmeisterschaft souverän für sich und setzte damit ungewollt ein weiteres Ausrufezeichen. "Wir legen eigentlich nicht so viel Wert auf Hallenfußball, aber es war trotzdem ein schöner Erfolg,", erzählt der angehende Student, der sich jedoch auf sattem Grün wohler fühlt. "Ich find´s draußen schöner, da ich eigentlich kein geborener Techniker bin."
Dabei liegt das Fußballspiel dem gebürtigen Rumänen eigentlich im Blut. So galt Vater Costa jahrelang als hoffnungsvolles Talent und ging auch in der heimischen ersten Liga auf Torejagd. Für diese reichte es bei Sohn Angelo, der mit sechs Jahren nach Deutschland kam, jedoch nicht. Zwar wagte er in seiner Jugend den Sprung zum FSV Erlangen-Bruck, kehrte diesem jedoch bereits nach wenigen Jahren den Rücken. "Ich denke nicht, dass ich mich dort in der A-Jugend hätte durchsetzen können, also habe ich ein Jugendjahr übersprungen und bin zu meinem Vater nach Niederndorf", erklärt der quirlige, zweikampfstarke Spielmacher. Dort mauserte sich der 21-Jährige zu einem unverzichtbaren Leistungsträger im Mittelfeld.
Seite an Seite mit dem eigenen Vater zu spielen, war dabei jedoch nicht immer der Wunsch des talentierten Büle. "In der Jugend haben wir uns wegen Fußball oft in die Haare gekriegt. Aber nun halten wir das Mittelfeld ganz gut zusammen und verstehen uns gut. Dass wir zusammenspielen, hat auch auf unser privates Verhältnis nur positive Auswirkungen", erzählt der Junior stolz. Schließlich sei sein Vater ein sehr guter Trainer, bei dem der zentrale Mittelfeldakteur viel gelernt habe.
Dieser Fortschritt blieb auch Costa Büle nicht unbemerkt. Denn er zeigt sich ebenfalls zufrieden mit den bisherigen Leistungen seines Sohns. So mache vor allem Angelos Zweikampf- und Kopfballstärke ihn zu einem unverzichtbaren Leistungsträger in der Mannschaft. "Er ist schnell, robust und für unsere Liga im Zweikampf eigentlich unschlagbar. Manchmal ist Angelo noch einen Tick zu ballverliebt und macht leichtsinnige Fehlpässe", erzählt Büle senior.

Alternativen auf der Ersatzbank


Dennoch ist der 43-Jährige fest davon überzeugt, dass sich Angelo in den kommenden Jahren auch in höheren Ligen durchsetzt. Schließlich habe er das Zeug dazu, "einer von solchen Spielern zu werden, die den Unterschied ausmachen". Im Rampenlicht fühlt sich der Abiturient allerdings nicht sonderlich wohl. So betont er immer wieder, dass sich auch noch weitere junge Spieler im Team des ASV prächtig weiterentwickeln. Denn sowohl in der Abwehr als auch im Angriff spüre man die harte Arbeit der Fußballer.
"Es macht sehr viel Spaß, mit unseren Offensivleuten zusammenzuspielen. Jetzt wo Benny Mayer wieder fit ist und wir mit Stefan Baier einen weiteren starken Abwehrspieler haben, sind wir viel breiter aufgestellt", sagt Angelo Büle. Denn genau darin lag seiner Meinung nach in den vergangenen Jahren beim ASV das Problem. So konnten die Niederndorfer zwar eine schlagfertige erste Garde auf das Spielfeld schicken, hatten jedoch auf der Ersatzbank kaum Alternativen. Mit Rockwell, Geyer und Göttmann, um nur einige zu nennen, sorgen nun junge, topmotivierte Leute für frischen Wind und Konkurrenzkampf.
Aber auch abseits des Feldes fühlt sich Büle im familiären Umfeld der Niederndorfer geborgen. Umso mehr gönnt er dem ASV endlich den Aufstieg in die Kreisliga: "Ich bin jetzt mein drittes Jahr hier und fühle mich gut aufgehoben. Unser Platzwart Franz Regler kümmert sich darum, dass wir zwei so gute Spielfelder haben und auch unsere Atmosphäre überzeugt mich. Bis zum Aufstieg können wir uns eigentlich nur noch selbst schlagen."