Man muss lange überlegen, wann es für die Fans der Bayernliga-Frauen der TS Herzogenaurach zuletzt ein solch kurioses Handballspiel zu sehen gab. Beim Unentschieden gegen den Tabellenvierten boten beide Mannschaften genug für vier Begegnungen.


TS Herzogenaurach - SG Garitz/Nüdlingen 29:29

Die Gastgeberinnen boten mit Birte Köbberling und Susi List zwei Akteure auf, die seit rund einem Jahr weder Handball gespielt noch trainiert hatten. Hinzu kam mit Viktoria Egle eine Leistungsträgerin, der man die fünfwöchige Pause deutlich anmerkte, und auch Lea Wittmann aus der zweiten Mannschaft rief logischerweise nicht die Leistung ab, die gegen einen derart spielstarken Gegner erforderlich wäre.

Ihnen gegenüber stand ein Team, gegen das selbst die beiden Platzhirsche Ismaning und Bergtheim mit Unbehagen antreten. Dermaßen gehandicapt starteten die TS-Frauen aber furios, gingen rasch mit 4:1 (7.) und 9:5 (16.) in Front. Die Gäste versuchten es zunächst mit einer Pressdeckung gegen Alexa Dodan, was aber deswegen der berühmte Schuss in den Ofen war, weil sich Ulrike Antos vom Anpfiff weg ein Herz nahm und ihre körperlichen Vorteile bei Distanzwürfen zu nutzen wusste.

Die SG reagierte und stellte auf eine 5-1-Abwehr um, mit fatalen Folgen für das Hermannstädter-Team. Denn mit der nun kompakten und offensiver ausgerichteten Garitzer Defensive kam die TSH überhaupt nicht klar. Es fehlte deutlich die ordnende Hand von Nina Bestle auf der Mittelposition, und das stramme Zupacken der Gegenspielerinnen führte zu kopflosen Kreis-Anspielen auf die gelernte Außenangreiferin List. Oder aber die Aurachstädterinnen luden die wieselflinken Gäste mit simplen Ballverlusten zu Gegenstößen ein.

Dem Fiasko bedenklich nahe

Innerhalb von nur fünf Minuten schaffte die SG den 9:9-Ausgleich und was dann folgte, kam einem Fiasko schon bedenklich nahe. "15 Minuten lang waren wir völlig hilflos", räumte Udo Hermannstädter ein. Ein ums andere Mal gingen in der Offensive die einfachsten Zuspiele verloren und ebenso oft blieben die TS-Frauen dann stehen um zuzuschauen, wie die Unterfranken frei vor dem eigenen Gehäuse auftauchten und die Gastgeberinnen mit 16:11 in die Kabine schickten.

Mit heftigem Bauchgrummeln folgte der Coach; wohl wissend, dass Egle, List und Köbberling in den zweiten 30 Minuten situationsbedingt überfordert sein dürften. Kaum jemand der rund 100 Zuschauer gab für die TSH da noch einen Pfifferling, zu deutlich wurde sie von den geradlinig agierenden SG-Frauen beherrscht. Hermannstädter blieb kaum etwas anderes übrig, als mit kleinen Anweisungen sowie neuer Motivation größeren Schaden abzuwenden.

Zunächst schienen seine Schützlinge den verlorenen Faden nicht wiedergefunden zu haben, zumal Garitz ein weiteres Tor vorlegte und dem TSH-Angriff nichts einfiel. Sarah Stephan, eigentlich auf Linksaußen eine Bank, wirkte auf der rechten Seite plötzlich wie aufgezogen. Egal ob Gegenstöße oder im direkten Duell, sie war einfach nicht zu bremsen und sorgte mit vier Treffern hintereinander dafür, dass die TSH in der 36. Minute auf 18:20 herankam.

Die SG ging wieder zur Pressdeckung über, doch einmal richtig in Fahrt, ging die Turnerschaft mit 28:26 in Führung (55.). Nun zeigte sich, dass die Gäste eine gute Bank dabeihatten und noch etwas zulegen konnten, unterstützt von einem zu passiven Innenblock der TSH. Immerhin, das TS-Team war über sich hinausgewachsen und hatte ein verdientes Unentschieden erkämpft.

Hermannstädter zollte allen Protagonisten ein großes Lob: "Die Mädels haben eine fantastische Moral gezeigt. Loben möchte ich zudem Uli Antos, die es super ausnutzte, dass sie der Gegner nicht auf dem Schirm hatte. "
Dass sich zudem Köbberling und List nach nur einem Anruf des Trainers sofort zur Verfügung stellten, obwohl der Verein für beide erst wieder neue Pässe beantragen musste, zeigt die stimmende Kameradschaft. "Mein Dank an Susi und Birte, dass sie spontan zur Hilfe kamen", sagte Hermannstädter. Hätte man es verstanden, Dodan häufiger durch Sperr-Stellungen ins Spiel zu bringen, wäre auch der Sieg möglich gewesen.
TSH: Aures, Müller - Janka Kräck (2), Stephan (9), Egle (3), List, Dodan (8/1), Antos (6), Wittmann, Köbberling (1)