Es bleibt dabei, im unterfränkischen Etwashausen gibt es für die Bayernliga-Handballerinnen der Turnerschaft Herzogenaurach außer etlichen blauen Flecken nichts zu holen. Mit 17:21 (10:8) verlor das Hermannstädter-Team neuerlich eine Begegnung in der Endphase, welche man dem Spielverlauf nach eigentlich hätte gewinnen müssen. Andrea Berner und Co. zeigten sich 30 Minuten lang leicht überlegen und weitere 15 Minuten auf Augenhöhe. Dann jedoch brachten sie sich mit unerklärlichen Abschlussschwächen, Kommunikationsproblemen im Angriff und kollektiven Selbstzweifeln noch um die zwei Punkte.

TV Etwashausen - TS Herzogenaurach 21:17

Vom Anpfiff weg präsentierten die Gäste eine sehr konzentrierte Abwehrleistung und gingen bei eigenen Angriffen überwiegend verantwortungsvoll mit dem Spielgerät um.
Zwar ließ man auch da schon einzelne Torchancen aus, doch über 8:4 (24.) und 9:6 (26.) diktierten die Akteure der TSH das Geschehen auf dem Spielfeld halbwegs. Doch wie schon acht Tage zuvor reichten kleine Schlampereien in der Offensive in den letzten drei Minuten vor dem Wechsel aus, um Etwashausen wieder auf Tuchfühlung kommen zu lassen.
Nun sind zehn Treffer in einer Halbzeit zwar nicht umwerfend und schon gar keine Garantie für einen erfolgreichen Ausgang der Begegnung. Andererseits zeugen nur acht Gegentore im selben Zeitraum von einer reifen Abwehrleistung, und die bescheinigte auch Coach Hermannstädter seiner Mannschaft.
Mit der Gewissheit, dass man defensiv gut dabei ist, startete die TSH in die zweite Spielhälfte. Sie erspielte sich viel Torchancen, die aber zu oft ungenutzt blieben, was in der Folge zermürbend war: Über 11:11, 14:13, 16:15 bis zum 16:16 (54.) blieben die Herzogenauracherinnen in Schlagdistanz, doch vor dem Tor wurde die Situation immer schlechter, zumal die eher unorthodox agierende Torhüterin der Gastgeber Wurf um Wurf entschärfte.

Unerwartete Geschenke

Was dann folgte, ist im Handball zwar nicht völlig ungewöhnlich, bei der TSH aber bedenklich oft der Fall: Innerhalb wenigen Minuten kippte die Moral, häuften sich längst überstanden geglaubte technische Fehler. Der Gegner pushte sich angesichts der unerwarteten Geschenke regelrecht hoch, bei Herzogenaurach zerbröselte der mühsam aufgebaute Teamgeist.
In Etwashausen zeigte sich erneut deutlich, wie sehr bei der TSH eine Spielerin auf dem Feld benötigt wird, die in solchen schwierigen Situationen das Heft in die Hand nimmt, die Nebenleute wieder aufrichtet und auch mal die gerade jetzt so dringend benötigten Entlastungstore notfalls mit der Brechstange erzielt.

An den Schwächen arbeiten

Allein mit spielerischen Mitteln langt es halt gegen so rustikal zupackende Gegner nicht, wobei Etwashausen nach Meinung der TS-Spielerinnen rasch ausgelotet hatte, wie weit man bei den beiden Schiedsrichtern gehen konnte. Einig waren sich die Gäste jedoch darin, dass die Niederlage letztlich verdient war, "obwohl wir wirklich besser waren als am letzten Sonntag", zog Lena Mergner die Parallele zur Ismaning-Pleite, die ebenfalls unnötig und von der TSH selbst verschuldet gewesen war.
Nun muss nur noch zeitnah geklärt werden, warum es dann nicht reicht, diese sich wiederholenden Schwachstellen in den Griff zu bekommen, die nächsten Spiele werden nicht leichter sein. Das aber klappt bekanntlich nur bei konsequenter Trainingsbeteiligung. Ein Thema, welches in den letzten Monaten eigentlich keines war. Hermannstädter stellte ein bemerkenswertes Engagement bei allen Kaderspielerinnen fest.
"Mit der ersten Hälfte war ich bis zur 27. Minute rundum zufrieden. Dann aber reißen wir alles wieder ein, was wir uns vor der Weihnachtspause mit fünf Siegen in Folge mühsam aufgebaut haben. Das ärgert mich maßlos, und nun erwarte ich ein Gegensteuern auch aus der Mannschaft heraus."