Herzogenaurach
Handball-Bayernliga

Abschied wird zum Trauerspiel

Zum Ende der Ära Udo Hermannstädter wollten die TSH-Damen vor eigenem Publikum noch einmal Glanz versprühen, gerieten aber böse unter die Räder.
Die TSH-Damen um Alexa Dodan und Nina Bestle (schwarze Trikots, v.l.) versuchten vergeblich, den Dachauer Angriffswirbel unter Kontrolle zu bringen. Fotos: herzopress
Die TSH-Damen um Alexa Dodan und Nina Bestle (schwarze Trikots, v.l.) versuchten vergeblich, den Dachauer Angriffswirbel unter Kontrolle zu bringen. Fotos: herzopress
+1 Bild
}
"Irgendwann muss man ja spüren, dass wir fast alle Spiele nur mit sieben Leuten bestritten haben", sagte ein gefasster Udo Hermannstädter nach seinem letzten Heimspiel als Trainer der Bayernliga-Handballerinnen. Eigentlich hätte es ein würdiger Abschied für ihn werden sollen, doch nach der 20:35-Klatsche gegen den Aufsteiger ASV Dachau blieb nur noch Platz für Galgenhumor: "Heute hätte ich mir eine Boxregel gewünscht, denn dann hätte ich schon frühzeitig das Handtuch geworfen", erklärte der Coach.

TS Herzogenaurach - ASV Dachau 20:35

Nun, genau das taten seine Spielerinnen offensichtlich schon vor der Pause, zu eindeutig wurden sie von einem konditionell deutlich überlegenden Gast in Grund und Boden gerannt, gespielt und geschossen.
Symptomatisch hierfür war die Tatsache, dass Dachau allein nach elf der 20 Gegentreffer innerhalb von jeweils nur drei Sekunden unter Einsatz der schnellen Mitte sofort wieder selbst einnetzte. Nimmt man noch zwölf Tempogegenstöße der ersten Welle hinzu, die zu Torerfolgen führten, hatte es der ASV überhaupt nicht nötig, sich mit Positionsangriffen aufzuhalten.
Besonders beeindruckte die Leichtigkeit mit welcher die meist jungen Gegnerinnen durch die Reihen der TSHlerinnen spazierten, die zeitweise noch nicht einmal wieder in der eigenen Spielfeldhälfte angelangt waren, als es hinten wieder einschlug. Natürlich gibt es solche Spiele, in denen man auf dem falschen Fuß erwischt wird, hier waren es aber mindestens beide Füße. Was die rund 60 treuen Stammzuschauer erleben mussten, wurde dem Team angesichts vieler großartiger Leistungen in dieser Saison einfach nicht gerecht. Es zog sich wie ein roter Faden quer durch die ganze Mannschaft, in der zweifellos jede Akteurin bestrebt war, das letzte Heimspiel würdig über die Zeit zu bringen. Letztendlich war an diesem Tag aber niemand in der Lage, das Unheil aufzuhalten.

Im Eiltempo zerlegt

Im Tor hatte Hermannstädter gleich drei Frauen zur Verfügung, doch weder Michaela Müller, noch Nina Aures oder Susanne Markus waren in der Lage, ein Ausrufezeichen zu setzen. Allerdings war es auch für sie frustrierend, zu erleben, wie die Gäste meist unbehindert ihre Torwürfe platzieren durften. Ehe man sich versah, lag die TSH schon mit 3:9 (12.) und 5:14 (21.) zurück, quasi im Eilzugtempo wurde sie zerlegt. Dabei hatte der ASV nicht nur mit konsequentem Abwehrverhalten ganze Arbeit geleistet, sondern konnte sich ach auf eine Torhüterin verlassen, die mit großartigem Stellungsspiel sowie herausragenden Pässen in die Gegenstöße bestach.
Doch selbst das hätte nichts heißen müssen. Schon früher hatte das Hermannstädter-Team - als der Gegner scheinbar uneinholbar davon geeilt zu sein schien - doch noch Mittel und Wege gefunden, um den Spielverlauf zu kippen. Diesmal jedoch musste man fast durchgängig froh sein, dass die spritzigen ASVlerinnen ganz vereinzelt doch mal daneben warfen, die Pleite hätte noch deutlicher ausfallen können. "Ich kann mich nicht erinnern wann meine Mannschaft mal 35 Gegentore in eigener Halle kassieren musste", erklärte der scheidende TSH-Trainer, der erstmals keine Akteurin hervorheben wollte und konnte. Dass es jede von ihnen weitaus besser kann, haben sie vielfach bewiesen.
12:20 (41.) war der knappste Rückstand nach der Pause, dann aber blies Dachau mit seinen zahlreichen, leichtfüßigen Youngsters wieder zum Angriff. Dass die TSH erneut vier Strafwürfe vergab, fiel da kaum noch ins Gewicht. So wurde das letzte Heimspiel für Hermannstädter als auch Nina Bestle, die sich neuerlich enorm mühte aber das Geschehen auch nicht aufhalten konnte, leider zu einer Enttäuschung.
Dem möglichen neuen Trainer der Gastgeberinnen - von dem es hieß, dass er in der Halle war - möchte man sagen, dass er sicherlich nicht das wahre Gesicht der TSH-Bayernligafrauen gesehen hat.