Wenn Sportkegler einen punktspielfreien Tag haben, vereinbaren sie mitunter Freundschaftsspiele, um im Rhythmus zu bleiben. Das tat auch Leo Schlund mit seinen Eggolsheimer Kollegen, und so trafen sie sich jüngst auf der Anlage des SKC 61 Eggolsheim zu einem freundschaftlichen Vergleich. Wobei erwähnt werden muss, dass Leo Schlund gar nicht in Eggolsheim kegelt - und dennoch hier ein Heimspiel hat.

Denn er war früher ein SKCler und gehörte zu den fast schon legendären Männern um den Eggolsheimer "Leitwolf" und Leistungsträger Otto Dörfler. Sein Lebensweg bekam allerdings eine andere Richtung und führte den Schreiner zunächst für einige Jahre nach Ravensburg, also an den Bodensee, wo er mit dem dortigen ESV sogar den Aufstieg in die Bundesliga schaffte.


Eine bewehrte Liaison



Wenn Leo Schlund heute im südthüringischen Sonneberg zu Hause ist, lässt sich das mit der kurzen Formel umschreiben, die bei den Franzosen als "cherchez la femme" bezeichnet wird. Seine Lebensgefährtin hat dort eine Steuerkanzlei und kann sich daher nicht beliebig örtlich verändern. Also zog Leo Schlund ihr zuliebe nach Sonneberg und schloss sich dem dort ansässigen Kegelverein SG 1951 Sonneberg an - eine Liaison, die sich, seit er diesen Schritt vor etwa zwei Jahren vollzog, bestens bewährt hat. Wobei Leo Schlund nach wie vor einen Koffer in Eggolsheim hat und in der Marktgemeinde bei Forchheim weiterhin seiner Arbeit nachgeht. Auf diese Weise gehört Leo Schlund auch für Nicht-Sportkegler noch zu den Gesichtern, die in Eggolsheim bekannt sind - auch wenn er wohl nie unter der Woche an einem Stammtisch in Eggolsheim zu sehen sein wird.

Denn Leo Schlund arbeitet hier nur, lebt aber in Sonneberg und nimmt dafür auch einiges auf sich. Morgens ist er bei jedem Wetter auf der Straße von Sonneberg in Richtung Eggolsheim, abends dann wieder zurück - eine Strecke à 90 Kilometer, das Ganze also zweimal täglich und die gesamte Arbeitswoche lang. Dazu kommen noch die Punktspielreisen, was vor allem seinen Tankwart freut. Denn seine Tankstelle profitiert von dem Vielfahrer wahrscheinlich am meisten.

Und doch lohnt es sich für Leo Schlund, dieses Mehr an Strapazen auf sich zu nehmen. Natürlich für seine Lebensgefährtin, aber auch, weil er in landschaftlicher Hinsicht keine Einbußen erleiden musste. Die Ausläufer der Fränkischen Schweiz hat er mit den Ausläufern des Thüringer Waldes getauscht. Etwas gewöhnungsbedürftig war da eigentlich im Winter nur die Umstellung von der relativen Schneearmut der "Fränkischen" auf den Schneereichtum in Thüringen.


SKC gelingt fast Überraschung



Die SG 1951 Sonneberg kegelt in der höchsten Spielklasse Thüringens, also um zwei Klassen höher als der SKC. Im Hinspiel in Sonneberg vor Weihnachten machte sich dieser Klassenunterschied in Zahlen bemerkbar, denn da wurde der SKC nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. Bei der Revanche in Eggolsheim zog sich der SKC wesentlich besser aus der Affäre und drehte den Spieß beinahe um.

Die Thüringer hatten mit 5475 Punkten gegenüber 5453 Punkten auf Eggolsheimer Seite die Nase nur sehr knapp vorn - vor allem in Anbetracht der unterschiedlichen Spielklassen. Das beste Gesamtergebnis erzielte, wie könnte es anders sein, Otto Dörfler, auf Sonneberger Seite setzte sich René Taubert als Topkegler in Szene. Leo Schlund machte es mit seinen alten Kollegen gnädig und landete bei den Sonnebergern mit 929 Punkten "nur" auf Platz 3.