Es war die Hochzeitsreise mit seiner zweiten Frau Jeanine, die Gabor Ronay 2008 nach Namibia führte. Knall auf Fall verliebte sich der Frauenarzt in dieses Land. Ein schwerer Autounfall im afrikanischen Nirgendwo bildete das Schlüsselerlebnis, das in Ronay den Wunsch weckte, etwas zurückzugeben.

"Nach 45 Minuten kam zufällig ein Einheimischer vorbei", berichtet Ronay. "Der hat sofort die Polizei verständigt, wir wurden zu einer Lodge gebracht, wo man sich liebevoll um uns kümmerte und kostenlos unterbrachte. Noch in derselben Nacht kam ein Wagen, der uns zu unserer Lodge brachte und bereits am nächsten Tag stand ein neues Fahrzeug für uns bereit. Alles völlig unbürokratisch und ohne finanzielle Hintergedanken."

Von einer Studentin inspiriert

2012 unterstützte Ronay schon "World Vision" beim Bau einer Schule in Burundi, so richtig in Fahrt kam sein Ansinnen, den Menschen in Afrika zu helfen, aber erst, als er vor acht Jahren einen Artikel über Michaela Schraudt aus Nürnberg las, die als Studentin nach Uganda ging, eigentlich um ihr Pflichtpraktikum zu absolvieren. Dann jedoch wurde sie in einem Slum mit den Bedingungen der dort lebenden Menschen konfrontiert und einer Schule, welche als solche kaum bezeichnet werden konnte. Ein Verhau aus Wellblechteilen, kein Vergleich zu dem, was sein sollte.

Mit kleinem Geld baute sie die erste Schule und schloss sich schließlich dem Verein "Neia" an. Als Ronay mit ihr in Kontakt trat, standen bereits fünf Schulen. Ronay baute in Kalagi für 20 000 Euro die sechste Schule, die Platz für 200 Kinder bietet, für Bildung sorgt und die Schüler mit Essen und sauberem Wasser versorgt. 2018 folgte der Ergänzungsbau. Etwas, was ohne die Unterstützung seiner Patientinnen nicht möglich gewesen wäre, hatte der Frauenarzt in seiner Praxis in Höchstadt doch eine Spendenbox aufgestellt. Den gespendeten Betrag verdoppelte er aus seiner eigenen Tasche.

Was ihm ganz wichtig dabei ist: Jeder Cent kommt an, weil das Geld nicht in irgendwelche dunklen Kanäle versickert. Zudem ist es Hilfe zur Selbsthilfe, da sogar die Ziegelsteine für die Schule direkt vor Ort gebrannt wurden.

Warum er dies tut? "Ich habe Afrika von innen gesehen", so der Frauenarzt, "90 Prozent der Menschen in Afrika sind damit beschäftigt, zu überleben. Kein vernünftiger Mensch will seine Heimat verlassen. Man muss den Afrikanern in Afrika eine Zukunft geben. Dafür braucht es Bildung, Essen, sauberes Wasser und Verhütung. Das ist die Lösung. Nicht das Zurückschicken, wenn sie über das Meer flüchten, sondern eine Zukunft im Land bieten und sie dadurch im Land behalten." Laut Ronay bedeutet Familie in Afrika alles. Hilft man einem Kind, kann dies später, wenn es einen Beruf ergreifen kann, die ganze Familie unterstützen.

Erlös des Adventsmarkts

Auch 2019 stand die Spendenbox in Ronays Praxis. Auf diesem Weg kamen 1700 Euro zusammen, ein Betrag, der durch Verdoppelung durch Ronay auf 3400 anwuchs. Am Sonntag nun überreichten Pfarrerin Kathrin Seeliger von der evangelischen Kirchengemeinde in Mühlhausen und die Vorsitzende des Frauentreffs, Rosi Popp, im Gottesdienst dem Arzt einen Scheck über 2500 Euro für Afrika.

Aufmerksam auf Ronays Projekt wurde Rosi Popp, als sie in der Praxis des Arztes entsprechendes Infomaterial in die Hände bekam. Beim Adventsmarkt dann kamen durch den Verkauf von selbst Gebasteltem und Gebackenem sowie durch eine Tombola, für die Geschäftsleute aus nah und fern Preise zur Verfügung stellten, die genannte Summe zusammen. Ein Spender, der nicht näher genannt werden möchte, legte weitere 500 Euro obendrauf. Ronay verdoppelt auch diesen Betrag. Zu diesen knapp 9000 Euro dürfen nochmals 2000 Euro addiert werden, die von Patientinnen der Praxis direkt an den Verein gespendet wurden. Summa summarum also rund 11 000 Euro - ein kleines Vermögen in Afrika. "Das reicht für eine halbe Schule", erklärt Ronay und ergänzt, "in Afrika dürfen Kinder nur dann in die Schule gehen, wenn diese nicht weiter als zehn Kilometer entfernt liegt".

Schraudts afrikanischer Ehemann Tadeo Papaye fährt in 14 Tagen nach Uganda, so dass der Bau innerhalb der folgenden sechs Wochen hochgezogen werden kann. Dieses Geld und sechs Wochen Arbeit sichern somit weiteren 100 Kindern und damit auch deren Familien eine Zukunft in ihrer Heimat, damit sie diese nicht verlassen müssen. Ein kleiner Schritt vielleicht, aber nach Ronays Meinung ein Schritt in die richtige Richtung. Richtung Zukunft.