Die Natur hat es so eingerichtet, dass Rehe ihren Nachwuchs Anfang Mai zur Welt bringen. Die jungen Rehkitze liegen dann in den ersten Wochen häufig allein im hohen Gras. Zur selben Zeit wollen die Landwirte allerdings jenes Gras mähen und für ihre Zwecke weiterverarbeiten. Das bedeutet für die kleinen Rehe oft einen grausamen Tod durch die Mähmaschinen.

Was die Rehkitze vor Fressfeinden schützt, das macht sie für die Landwirte schwer zu finden: "Bei Gefahr ducken sie sich noch tiefer ins Gras", sagt Jürgen Peßler aus Saltendorf, der Landwirt und Jäger ist. Einen Fluchinstinkt haben sie noch nicht. "Den entwickeln sie erst nach ein paar Wochen", so Peßler weiter.

Aus dem Führerhaus einer landwirtschaftlichen Maschine ist es nahezu unmöglich ein Rehkitz rechtzeitig zu erkennen. Die einzige Chance, um das Leben der Tiere zu retten, ist daher schon zuvor tätig zu werden.

Moderne Technik soll weiterhelfen: Mit Drohnen, an denen Wärmebildkameras angebracht sind, können die jungen Rehe aufgespürt werden. Vereinzelt seien auch jetzt schon solche Drohnen in der Region im Einsatz, erklärt Landwirt Rudolf Groß aus Kairlindlach, der der Landesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Bayerischen Bauernverband angehört.

Doch diese Methode ist zum einen kostspielig in der Anschaffung und zum anderen häufig nicht praktikabel: "Das scheitert oft an der Zeit", erklärt Jäger Peßler. Die Wiesen sind teilweise schlicht zu groß, um sie vor der Mahd auf diese Art abzusuchen. Der Wetterbericht zwingt die Landwirte oft zu schnellem Handeln.


Veränderung des Lebensraums

Deshalb wird meist auf andere Methoden zurückgegriffen: "Die Landwirte sagen den Jägern ein bis zwei Tage vorher Bescheid, wenn sie mähen wollen", erklärt Groß. "Die setzen dann zum Beispiel Duftstoffe in die Wiese, die Gefahr signalisieren. Oder sie stellen blinkende Lichter auf." Jürgen Peßler kennt noch weitere Methoden: "Wir stellen Holzpfähle auf, an denen ein Plastiksack in der Luft flattert."

Das Ziel sei, dass die Rehmutter ihr Kitz aufgrund der plötzlichen Veränderung des gewohnten Lebensraums über Nacht von der Wiese weg führt. "Wenn es schneller gehen muss, dann gehen die Jäger mit ihren Hunden durch die Wiese", sagt Peßler. Damit ließen sich die meisten Tiere retten. "Es ist aber nicht immer gesagt, dass der Hund ein Kitz wirklich findet. Und oft sind die Flächen auch zu groß, um sie systematisch abzugehen." Auch Groß sagt: "Eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht. Es passiert zwar nur selten, aber es tut einem auch als Landwirt dann schon in der Seele weh."

Dauerhaft helfe keine Methode, nicht einmal die Veränderung des Lebensraums: "Das hat nur einen sehr kurzfristigen Effekt. Die Tiere gewöhnen sich an alles. Das sieht man ja schon daran, dass viele Rehe in der Nähe der Autobahn leben und selbst dort ihre Kitze zur Welt bringen", sagt Jürgen Peßler.

Die Zusammenarbeit der Landwirte und Jäger klappe im Landkreis gut. Doch dass das nicht überall so ist, weiß auch Rudolf Groß: "Manche Landwirte, die ein Problem mit der Jägerschaft haben, die sagen nicht Bescheid." Jürgen Peßler kennt wiederum positive Gegenbeispiele: "Es gibt Wiesen, wo man als Jäger schon weiß, dass dort jedes Jahr Rehe liegen. Da gehen dann auch die Jäger schon im Vorfeld auf die Landwirte zu", so Peßler.
Für die Landwirte kann es übrigens ein juristisches Nachspiel haben, falls sie vor der Mahd keine Maßnahmen treffen, um die Tiere zu schützen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle, in denen die Landwirte zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden. Sogar eine Bewährungsstrafe wurde schon verhängt.


Weitere Tiere bedroht

Neben den Rehkitzen sind auch andere Tiere von der Mahd bedroht. Junge Hasen können den Maschinen oft ebenfalls nicht rechtzeitig entkommen: "Zu dieser Jahreszeit sind die Hasen aber schon älter und können flüchten", sagt Rudolf Groß. Es sei aber besonders wichtig, dass von der Mitte der Wiese nach außen gemäht wird, nicht andersherum. "Das ist die erste Methode", sagt Jürgen Peßler. So können möglichst viele Tiere fliehen und werden nicht eingekreist.

Helmut König - Vorsitzender des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach - hat noch eine weitere Tierart auf dem Schirm: "Der Kibitz ist ein Bodenbrüter, den übersieht man auch gerne." Doch von den aktuellen Mäharbeiten dürften die Kibitze kaum betroffen sein: "Die Bodenbrüter sitzen selten in den Wiesen, sondern eher in Getreidefeldern", sagt Rudolf Groß vom Bauernverband.

Beim Bund Naturschutz ist man mit dem Umgang der Landwirte mit dem Mahdproblem zufrieden: "Ich denke, der Umweltschutz hat hier in den letzten Jahren dazugewonnen. Die Leute sind hellhöriger geworden. Man steht deshalb viel schneller am Pranger, wenn so etwas an die Öffentlichkeit kommt", sagt König.