Wenn der Weisendorfer Wirtshausmusiker Karl Kaiser aufspielt, wird es meist etwas eng. "Mir rucken a weng zamm", hieß es deshalb im Großenseebacher Gasthaus der Familie Schmitt, wenn neue Gäste durch die Tür kamen.

"So wie's früher war", betitelten die Organisatoren des Großenseebacher Herbstes das Wirtshaussingen, das sich oft mit lokalen oder regionalen Traditionen befasst.

Das Singen im Wirtshaus war zu früheren Zeiten etwas anders und es wurde meist zu später Stunde damit angefangen. Da begann es meist spontan, wenn die Stimmung und auch der Alkoholpegel den richtigen Punkt erreicht hatten. Diese Abende dienten der Geselligkeit und befassten sich mit lustigen Themen ebenso, wie mit zweideutigen und manchmal auch etwas schlüpfrigen Liedern.

Das Wirtshaussingen scheint wieder einen Boom zu erleben. Nur so ist es zu erklären, dass meistens alle Plätze besetzt sind und eben "a weng zamm gruckt" werden muss.

Mit Karl Kaiser geht's auf der "schwäb'schen Eisenbahne" ebenso wie mit der "Fischerin vom Bodensee" übers Wasser oder es bläst der "Wind, der fränkische Wind". Dazwischen gibt's lustige Geschichten, mehr oder weniger wahren Begebenheiten. Es muss ja nicht alles stimmen, was da erzählt wird, schließlich soll es ein lustiger Abend sein.

In Großenseebach trug auch Bürgermeister Bernhard Seeberger mit einer unglaublichen, aber (fast) wahren Begebenheit zur Belustigung bei. So kennt Seeberger einen älteren schwerhörigen Mann. Der ging zum "Ohren-Doktor", der mit einer neuen Methode die Schwerhörigkeit heilen konnte. Der Arzt nahm einen Wurm aus einem Glas, setzte ihn in das rechte Ohr der Mannes, nach wenigen Minuten kam der Wurm zu linken Ohr wieder raus. Der Mann hörte wieder sehr gut, ging nach Hause und erzählte es seiner Frau.

"Da geh ich auch mal hin", sagte die Ehefrau und ihr Mann, der ja wieder sehr gut hörte, begleitete sie. Der Ohrendoktor setzte der Frau den Wurm ins rechte Ohr der Frau, Minute um Minute verging, der Wurm kam nicht mehr heraus. "Sichst Fraa, ich hob doch scho immer gsacht, dass du an Vogel host", kommentierte der Mann das Ausbleiben des Wurms.

Natürlich müssen da "Nichtfranken" und "Zugereiste" mächtig aufpassen und wundern sich oft, wenn sich die Franggen vor Lachen biegen. Zum Verständnis tragen dazu "die Madli von der Gmaa" auch nicht gerade bei, aber Karl Kaiser verteilt Liederhefte und die Neubürger, die der "Frengischen Schbrach" noch nicht so richtig mächtig sind, können sich an einem solchen Abend fortbilden. Da klappt es dann auch mit den "Zwei rehbraunen Augen" und mit "Gott mit dir du Volk der Franken" am Ende des unterhaltsamen Abends.