Die von einem Stellenabbau bedrohten Siemens-Beschäftigten in Erlangen haben bei einer Betriebsversammlung ihren Unmut über die geplanten Einschnitte deutlich gemacht. "Die Belegschaft ist mit der Unternehmensführung nicht zufrieden", sagte der Vorsitzende des Betriebsrats für die Energie-Sparte, Hans Jürgen Hartung, nach der Versammlung am Mittwoch. Viele Mitarbeiter fühlten sich wie im "Hamsterrad"; trotzdem werde seit zwei Jahren immer wieder Personal abgebaut. Massiv kritisiert hätten die Siemensianer zudem, dass die Führung sie im Unklaren lasse, "welche Abbaumaßnahmen wo laufen und in welchem Stadium sie sich befinden".

Konkrete Zahlen seien auch bei der turnusmäßigen Versammlung mit knapp 1500 Teilnehmern nicht genannt worden, berichtete Hartung.
Siemens-Chef Joe Kaeser hatte vergangene Woche bekanntgegeben, dass zusätzlich zum Abbau von 9000 Arbeitsplätzen durch den Konzernumbau und aufgrund von Problemen im Energiegeschäft noch einmal 4500 weitere Jobs weltweit wegfallen sollen - 2200 davon in Deutschland.

Hintergrund sind die anhaltenden Schwierigkeiten in der Stromerzeugungs-Sparte (Power & Gas) sowie die Sanierung ertragsschwacher Geschäfte. Wie sich die Einschnitte auf die einzelnen Standorte verteilen, blieb zunächst offen. Durch den Konzernumbau werden wohl rund 900 Jobs in Erlangen und 300 in Nürnberg wegfallen. In der Energiesparte soll es um weniger als 100 Stellen in Erlangen gehen.

"Die Firma hat viel zu spät reagiert", sagte Hartung mit Blick auf den Wandel am Energiemarkt. Bei der Versammlung habe Spartenchef Willi Meixner jedoch einigermaßen glaubhaft gemacht, dass man das Energiegeschäft nun "aus dem Tal herausholen" könne.

Ein Siemens-Mitarbeiter beklagte, alle Strukturierungsmaßnahmen seien bisher mit einem Personalabbau verbunden gewesen: "Man fängt hier nicht an, das Dach abzureißen, sondern man beginnt gleich an den Grundmauern." Mehrere andere Teilnehmer berichteten, sie hätten bei der Versammlung nichts erfahren, was sie nicht ohnehin schon wussten. "Viel Gerede, wenige Aussagen", sagte ein Mitarbeiter. "Von den großen Themen hört man immer erst nach der Betriebsversammlung."