Den meisten Menschen in Deutschland geht es ziemlich gut. Sie leben in einem freien Land, in dem Frieden herrscht, es genug zu essen gibt, das von der Eurokrise nicht schlimm getroffen ist. Eigentlich können die Deutschen ganz zufrieden sein. Probleme haben sie dennoch und eines davon könnte ihnen in den nächsten Jahren ziemlich zu schaffen machen: Sie werden immer älter.

Alte Menschen brauchen oft Pflege, allerdings gibt es zu wenige Leute, die sich in ihrem Beruf um pflegebedürftige Senioren kümmern wollen. Elena Roß versteht das nicht: "Ich habe während meiner Arbeit immer etwas zu lachen. Von alten Menschen kann man sehr viel Interessantes lernen, allein schon durch den Erfahrungsaustausch mit uns jüngeren."

Die 17-Jährige absolviert gerade ihren Bundesfreiwilligendienst im St.-Anna-Pflegeheim in Höchstadt. Schon seit der 6.
Klasse war sie immer wieder als Praktikantin in verschiedenen Heimen und nachdem sie mit der Berufsschule fertig war, wusste sie gleich, wo ihr künftiger Arbeitsplatz sein soll: im Altenheim. "Am Anfang war es schon gewöhnungsbedürftig, alte Leute anzufassen und sich um sie zu kümmern. Aber mittlerweile bin ich sozusagen abgehärtet", erklärt sie.

Ein Arbeitstag von Elena Roß beginnt schon um 6 Uhr morgens. Sie kommt zu den Heimbewohnern ins Zimmer, wäscht sie, hilft ihnen beim Anziehen und bringt das Frühstück. Danach begleitet sie die Senioren, etwa zum Arzt, zum Friseur oder bei Einkäufen, fährt sie im Rollstuhl spazieren oder unterhält sich mit ihnen. "Es ist wichtig, mit ihnen zu reden, denn jeder hier sucht das Gespräch", erklärt Elena.

Nicht jedem scheint das ein attraktiver Berufsalltag zu sein. Elena hingegen muss sich nicht überwinden, früh aufzustehen, um Pflegebedürftige zu versorgen - im Gegenteil: "Mich selbst motivieren muss ich mich eigentlich nie bei der Arbeit. Es reicht, wenn mir jemand ein Lächeln schenkt."

Für viele im Pflegeheim sei das Personal ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens, denn nicht jeder habe noch Verwandte, die regelmäßig zu Besuch kommen. Deshalb könne man ihnen mit kleinen Dingen viel Freude machen.

Gute Erfahrungen im Heim gemacht

Schlechte Erfahrungen hat Elena im Heim bis jetzt kaum gemacht. Einmal nur ist es ihr passiert, dass eine Frau aus ihrem Bett aufstehen wollte, das Gleichgewicht verloren hat und hingefallen ist. Zum Glück ist ihr nichts passiert. "Trotzdem habe ich mir Vorwürfe gemacht. Ich war ja gerade im Zimmer und dann passiert so etwas." In aller Regel kommt Elena aber ganz gut mit den alten Leuten zurecht und im Gegenzug freuen sich die Bewohner, dass sich die junge Frau um sie kümmert.

Auch die Leiterin des Höchstädter Pflegeheims Johanna Auerbeck ist froh, dass Elena in ihrem Team arbeitet. "Die meisten Jugendlichen, besonders Männer, zieht es in andere Berufe. Altenpfleger will kaum einer werden", meint sie. Dementsprechend arbeiten in Heimen größtenteils Frauen, die meist selbst nicht mehr ganz jung sind. Im St. Anna-Heim sind von 72 Pflegern 65 Frauen, der Altersdurchschnitt beträgt 46 Jahre.

Laut Auerbeck haben Altenheime immer noch ein zu großes "Endstation-Image": Man denkt, dort werden die Senioren abgeliefert, wenn sie nicht mehr zu Hause wohnen können. Dann warten sie nur noch auf ihren Tod." Dabei könne man gerade als Altenpfleger Menschen einen schönen Lebensabend ermöglichen. "Aufleben statt abgeben", lautet Auerbecks Motto dazu.

Darin sähen aber zu wenige junge Leute ihre Zukunft. Was den Kampf um Fachkräfte angeht, seien Krankenhäuser zudem eine Konkurrenz für Altenheime. Viele, die einen sozialen Beruf ergreifen wollen, gehen lieber in die Kranken- als in die Altenpflege. Das kann Johanna Auerbeck nicht ganz nachvollziehen. Kranken- und Altenpfleger verdienen beim Berufseinstieg ungefähr dasselbe, das Geld könne also nicht ausschlaggebend sein. "Im Krankenhaus hat man außerdem als Pfleger weniger Chancen aufzusteigen, man hat weniger Verantwortung und Eigeninitiative", meint sie.

Als Altenpfleger könne man beispielsweise an eine Ausbildung noch ein Management-Studium anhängen und später als Heimleiter Karriere machen. Viele wüssten einfach nicht, dass Altenpfleger ein Beruf mit vielen interessanten Facetten ist. Auerbeck nennt es einen "Beruf im Verborgenen".

Vor allem aber sei es ein Beruf mit Zukunft: Betrachte man die demographische Entwicklung in Deutschland, werden Altenpfleger händeringend gesucht, in einigen Jahren noch mehr als heute. Wer im Altenheim arbeiten möchte, brauche sich also wenig Sorgen um seine berufliche Zukunft machen.

Elena Roß hat sich entschieden

Elena Roß weiß schon länger um die Vorteile, die man als Altenpflegerin hat. Deshalb wird sie im Anschluss an ihren Bundesfreiwilligendienst eine zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Altenpflege beginnen. "Dabei hat man mehr Fächer als man denkt: Man lernt unter anderem Hauswirtschaft, Hygienevorschriften und Psychologie." Also ein breites Spektrum, das einen gut auf den Beruf vorbereitet.

Allen, die sich für eine Tätigkeit im Pflegebereich interessieren, empfiehlt Elena, ein Praktikum in einem Heim zu machen, um Erfahrungen zu sammeln. Möglich ist das auch im St. Anna-Heim in Höchstadt. "Bei uns ist man jederzeit für ein Praktikum willkommen", sagt Johanna Auerbeck.