Im Herzogenauracher Ortsteil Hauptendorf werden bei der Kerwa noch Bräuche gepflegt, die es nicht mehr allzu häufig gibt. Dazu zählt vor allem das Begraben der "Kerwassau" am letzten Abend, zum Schluss des Vergnügens.

Manfred Kreuzer "zelebriert" seit dem Jahr 2002 das Kerwa eingraben. "Es ist wichtig, dass die Kerwa einen richtigen Abschluss findet und nicht einfach sang- und klanglos ausläuft", stellte er fest. Und orakelte ein bisschen: "Aber zuerst muss natürlich eine "Kerwassau" gefunden werden, die sich dafür zur Verfügung stellt".

Mit schwarzem Talar

Außerdem benötigt er zahlreiche Assistenten. Wichtig sind die Träger für die Kerzen, den Bierkrug, die Glocke und jemand, der ihm das Manuskript hält. Um dem Ganzen das nötige Gewicht zu verleihen, trägt Kreuzer einen schwarzen Talar und einen Handbesen als Weihwasserwedel in einem Bierkrug.

Auf den Abschluss der Kerwa am Abend hatten schon zahlreiche Besucher im Festzelt gewartet. Mit dem Zeremoniell wird das Fest humorvoll, aber auch mit kritischen Tönen eingegraben. Zunächst wurde einer der Kerwasburschen auf einem Biertisch mit Blumen und Kerzen drapiert und unter Trauermusik und viel Geheul durch das Zelt bis an den Fuß der Kerwasbaumes getragen.

Dort stimmte Kreuzer das alljährliche Lied an, dessen Strophen jeweils mit folgender Zeile beginnen: "Morgenrot, Morgenrot, uns're Kerwassau ist tot." Und mit der Feststellung endet: "So ein Jammer, jetzt is sie tot"

Peinliche Erlebnisse

Danach fasste Manfred Kreuzer die Ereignisse der Kerwa zusammen und spießte einige Geschehnisse auf. Auch das Erlebnis eines Kerwaburschen, der seinen Hausschlüssel nicht parat hatte und statt zu klingeln mit drei Schraubendrehern die Tür öffnen wollte, was allerdings zum Scheitern verurteilt war. Das Erklimmen des Eichenbergs erforderte als besonderer Schwierigkeitsgrad von einem Kerwabesucher den Einsatz sämtlicher Extremitäten.

Latenter Schankschwindel

Und für einen Neurologen stelle die Hauptendorfer Kerwa wegen der unterschiedlichen "Schwindelarten" ein Paradies dar, sagte Kreuzer. Besonders der laterale Schwankschwindel sei verbreitet.

Rockabend mit "Faded Glory"

Es ist schon Tradition, dass "Faded Glory" beim Rockabend auf der Kerwa spielt. Entsprechend hoch war am Samstag auch die Besucherzahl . Die Stimmung und die Temperatur im Festzelt stiegen von Song zu Song. Ein Hit war zu Ende - nicht so für die Fans, die kurzerhand ohne musikalische Begleitung weitersangen. Im Laufe des Abends füllte sich die Tanzfläche, so dass es kaum mehr ein Durchkommen gab. Die liebevoll geschmückte Bar - dieses Jahr stand sie unter dem Motto "Europa" - freute sich über viele Besucher. Erneut ein gelungener Kerwasabend!