Genau wie in den Vorjahren stellte Museumsleiter Sebastian Schmidt gemeinsam mit seinem Team des Heimat- und Verschönerungsvereins eine Sonderausstellung auf die Beine. Im ersten Obergeschoss des Museums wird nun frühgeschichtlicher Schmuck aus dem Großraum Aischtal präsentiert. Die aktuellen Exponate sollen dabei an die vor zwei Jahren gezeigten Funde aus der Eiszeit anknüpfen.
Schmidts Ziel ist dabei vor allem eine Sache: "Wir möchten zeigen, dass unser Heimatraum, der früher gerne als unbeschriebene Tafel bezeichnet wurde, reiche Artefakte bereithält". Als "klein, aber fein" bezeichnet Schmidt die Ausstellung, auf die er sichtlich stolz ist. Den berühmten Stein des Anstoßes für dieses besondere Thema gab eine vor rund einem halben Jahr in Gremsdorf gefundene doppelte Radnadel.
Das seltene Exemplar diente in früheren Zeiten nicht nur als eine Art Stecknadel, sondern wurde vielen Frauen auch als Grabbeilage mit in ihre letzte Ruhestätte gegeben. Dass sich Schmuck in seiner Funktion innerhalb der letzten 10 000 Jahre, in welchen er nachweislich von Menschen hergestellt und verwendet wird, stark verändert hat, weiß Sebastian Schmidt genau. Wurden Schmuckstücke ursprünglich verwendet, um Trachten und Gewänder zusammenzuhalten, dienten sie später sogar zum Ablesen bestimmter Rangordnungen in Gesellschaften. "Heute werden Amulette und ähnliches oft als Kultzeichen verwendet", ergänzt der Museumsleiter.
Genau wie der Zweck, hat sich auch das Material zur Herstellung geändert. Während man früher überwiegend aus organischen oder mittelalterlichen Stoffen Schmuck gewann, zählen heute Gold, Silber und vor allem Bronze zu den beliebtesten Materialien. Herzstück der diesjährigen Ausstellung ist eine Scheibenfibel, welche zwischen 450 und 750 n. Chr. Im Raum Höchstadt gefunden wurde. Mithilfe einer Lupe können Besucher jedes Detail des interessanten Schmuckstückes begutachten. Der in der Mitte angebrachte Almandin-Stein zeugt von weiten Handelswegen, die die Menschen bereits vor Tausenden von Jahren beispielsweise in den Orient führten. Dass man es in diesem Fall nicht mit dem Original zu tun hat, fällt kaum auf. Doch die Kosten für den wertvollen Fund würden die finanziellen Mittel des Höchstadter Heimatmuseums weit übersteigen.
"Das Originalexemplar ist im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu finden. Wir erhielten aber die Erlaubnis, es originalgetreu nachzubauen", erklärt Sebastian Schmidt. Die restlichen Exponate der Ausstellung sind jedoch alles Echtheiten, die das Heimatmuseum anlässlich der Sonderausstellung für seine Besucher zusammenstellte. Fast 3000 Jahre Zeitgeschichte hat das älteste Ausstellungsstück, ein Armringfragment, bereits hinter sich. Auf kleinen Tafeln erfahren Besucher der Ausstellung jedoch lediglich die Bezeichnung des jeweiligen Schmuckstückes.
Wer mehr über die Herkunft und Bedeutung der Exponate erfahren möchte, wird auf großen Stellwänden mit alten Karten und jeder Menge Anschauungsmaterial fündig. "Der Schmuck soll schließlich erst einmal wirken", meint Museumsleiter Schmidt. Einzig die genauen Fundorte der Stücke will er nur ungern preisgeben. "Die Gefahr ist einfach zu groß, dass die Bevölkerung anfängt, mit Metalldetektoren über sämtliche Felder zu marschieren", schmunzelt Schmidt. Wer also eine Bandbreite an Schmuck aus der Karolinger- und Merowingerzeit sowie noch ältere Fundstücke aus nächster Nähe bestaunen möchte, ist am kommenden Wochenende im Höchstadter Heimatmuseum genau richtig. Von 13 bis 17 Uhr öffnet dieses an beiden Tagen seine Pforten.