Gleich zwei Premieren gab es bei der Kundgebung zum 1. Mai in Herzogenaurach. Zum einen hatte der neue Landrat Alexander Tritthart (CSU) wenige Stunden nach seinem Amtsantritt seinen ersten öffentlichen Auftritt, zum anderen bestand auch das neue Podium in den Weihersbach-Anlagen seine Feuertaufe.
Tritthart sprach ein Thema an, dass derzeit viele Menschen bewegt. Einerseits gebe es immer noch zu wenige Ausbildungsplätze für Jugendliche, auf der anderen Seite stehe der Fachkräftemangel, der immer mehr zunimmt. So sei zwar der Landkreis Erlangen-Höchstadt beim Thema Bildung und Arbeitsplätze vorbildlich aufgestellt, "aber wir dürfen nicht nachlassen, zusammen mit den Gewerkschaften, den Betrieben und den Kommunen die besten Voraussetzungen zu schaffen", erklärte der Landrat und bot eine breite Kooperation an.

Ausbildung und Jugendarbeitslosigkeit zogen sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung im Weihersbach, die von John Marshall & Friends musikalisch umrahmt wurde. Für eine gelungene Überraschung sorgte die Jugend- und Ausbildungsvertretung der Firma Schaeffler. Ausgestattet mit den Flaggen europäischer Länder und Forderungen auf kleinen Plakaten prangerten die Jugendlichen nicht nur die hohe Jugendarbeitslosigkeit an, sondern verurteilten mit drastischen Worten auch, dass den Regierungen die Bankenrettungen wichtiger waren, als sich um Bildung und Ausbildung der Jugend zu kümmern.
Die jungen Leute forderten von Deutschland und Europa, endlich Konzepte auf den Weg zu bringen, ein Zukunfts- und Investitionsprogramm sowie eine Taskforce einzurichten und europaweite Praktika-Standards einzuführen. Symbolisch spannten die Jugendlichen dazu einen (europäischen) "Rettungsschirm" auf.
Bürgermeister German Hacker (SPD) zeigte sich stolz auf den derzeit niedrigen Stand der Arbeitslosen (304) in Herzogenaurach und auf die 19 666 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die in der Stadt arbeiten. Hacker warnte eindringlich vor drohenden rechtspopulistischen Gefahren in Europa und vor einer zunehmenden rechtsextremen Bewegung mit ausländerfeindlichen und nationalistischen Parolen. Deswegen rief er wie auch die übrigen Redner dazu auf, an der Europawahl teilzunehmen. "Wir sind auf Stabilität in den EU-Mitgliedsstaaten angewiesen."

Mindestlohn ist der Anfang

Jürgen Bänsch, der Hauptredner und Konzernbetreuer Schaeffler bei der IG Metall Bayern, hatte gleich einen ganzen Katalog an Forderungen und Wünschen dabei. Der Mindestlohn sei ein Anfang. "Die Menschen wollen kein Lohndumping und keinen weiteren Ausbau der Mindestlöhne", rief Bänsch den Besuchern unter Beifall zu. Sie wollten nur Gerechtigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, und dazu müssten die Politik und die Unternehmen die Voraussetzung schaffen. "Ich finde, die Zeit ist reif für Umverteilung von oben nach unten", rief Bänsch aus.
Die Aussagen der "Millionärsgruppe neue soziale Marktwirtschaft", dass das Rentenpaket bis zum Jahr 2030 233 Milliarden Euro kostet, bezeichnet Bänsch als Volksverdummung. So würden Junge gegen Alte aufgehetzt. "Das sind perfide Spielchen, die ich mit Verabscheuung betrachte."
Auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ging der Redner hart ins Gericht. In der vor sechs Jahren ausgerufenen "Bildungsrepublik Deutschland" gebe es 1,4 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss. Im reichen Deutschland bestimme der Geldbeutel der Eltern den Bildungserfolg der Kinder. "Das ist nicht nur unfair den Kindern gegenüber, das ist auch eine riesige volkswirtschaftliche Verschwendung von Potenzialen und Chancen", prangerte Bänsch an.
Auch er rief mit Nachdruck dazu auf, an der Europawahl teilzunehmen, sich einzumischen, damit es ein gerechteres und sozialeres Europa wird. "Wir dürfen Europa nicht den Staatschefs, den Unternehmen und Konzernen oder den neoliberalen Sparkommissaren und Deregulierern überlassen", fordert Bänsch. Drei Dinge würden zusammengehören: 1. Arbeit, die unter guten Bedingungen gestaltet wird. 2. Die Menschen brauchen Arbeit, von deren Lohn sie leben können. 3. Die Menschen brauchen ein Europa, das für die Menschen da ist und nicht für die Konzerne.