Mit einer Hand zupacken, den Hebel energisch runterdrücken und die Quarzkörner aus dem roten Sand-King rieseln in den Sack. Weg mit dem Sack, zubinden und ab damit auf die Palette. Wenn das so ungefähr 3500-mal in der Stunde passiert, arbeitet die Sandsack-Abfüllanlage am Limit. Sie hat jetzt auf dem Bubenreuther Bauhof ihren Standort gefunden. Und wenn die fleißigen Hände mit Höchstgeschwindigkeit die weißen und schwarzen Plastiksäcke befüllen, ist noch eines klar: Das Wasser steigt irgendwo im Landkreis Erlangen-Höchstadt bedrohlich.
"Wir haben aus der Flutkatastrophe 2007 gelernt und rund 15 000 Euro in eine neue Sandsack-Logistik, eine Abfüllanlage und Witterungsschutz investiert", sagt Landrat Eberhard Irlinger (SPD) am Montagabend auf dem Bubenreuther Bauhof. Hinter ihm steht auf der weiten, gepflasterten Fläche der feuerrot lackierte Sand-King. Überwiegend dunkelblau gekleidete Aktive der Feuerwehren Bubenreuth, Kleinseebach und Möhrendorf greifen zu und demonstrieren nach den Versuchen der Politiker, wie man die Sandsäcke zack-zack abfüllt, abschlichtet und abtransportiert. Schnelligkeit ist das A und O im Notfall. Und dass der Nachschub nicht abreißt. Dafür sorgen Bauunternehmen unter anderem aus Erlangen und Hausen.
In Bubenreuth liegen aber immer schon zwischen 3000 und 4000 befüllte Säcke bereit. Jeder einzelne wiegt rund 15 Kilo. Falls der Vorrat nicht reicht, warten im Bauhof weitere rund 15 000 Säcke auf das Befüllen.
"Im Einsatzfall weiß jeder, was er zu tun hat", betont Norbert Stumpf, Kommandant der Bubenreuther Feuerwehr. Dann werden Sandsäcke über die Integrierte Leitstelle (ILS) Nürnberg geordert. Die Feuerwehren Bubenreuth, Kleinseebach und Möhrendorf befüllen sie.
In Gitterboxen gestapelt, bringt das THW Baiersdorf die Säcke an den Einsatzort: mit allradbetreibenen Lkw mit Ladebordwand oder Ladekran. Die letzten Meter können die Säcke auch in einer Menschenkette von Hand zu Hand wandern, bevor sie verbaut werden. Bräche im Landkreis zum Beispiel ein Flussufer und die Wassermassen müssten zurückgehalten werden, bräuchten die Einsatzkräfte für zehn laufende Meter rund 10 000 Säcke. Dieser Damm wäre einen Meter hoch. Wenn das Wasser wieder weg ist, werden die Säcke weggebaggert und entsorgt. Sie zu recyclen, sei zu aufwändig, erklären Feuerwehrler.
Ganz so hohe Sack-Stückzahlen und große Katastrophen sind aber die Ausnahme. Meist brauchen die Helfer wesentlich weniger Sandsäcke. Trotzdem sind sie laut Stupf froh, dass die Abfüllanlage sowohl nassen, trockenen als auch gefrorenen Sand abfüllen kann. Damit ist die Feuerwehr nicht mehr abhängig von der Witterung.
Auch in dieser Beziehung ist der Standort Bubenreuth gut gewählt. Denn die Anlage kann dort in einer Halle platziert werden. Das hat den Vorteil, dass die Helfer dann nicht bei Schnee und Eis im Freien ackern müssen.
Die Bubenreuther freuen sich über die Entscheidung, die Abfüllanlage am Geigenbauerort zu stationieren. "Die Gemeinde hatte stark unter dem Jahrhunderthochwasser 2007 zu leiden", betonte Bubenreuths Bürgermeister Rudolf Greif (CSU). Deshalb sei hier seither auch viel getan worden in Sachen Hochwasserschutz. Dazu passe die zentrale Abfüllanlage für Sandsäcke sehr gut.